Nach Anti-Russland-Entscheidung: EU-Parlament wird Opfer von Cyber-Angriff
Das Europäische Parlament wurde am Mittwochnachmittag (23. November) Opfer eines massiven Cyberangriffs, nur wenige Stunden nachdem die EU-Abgeordneten beschlossen hatten, Russland als staatlichen Sponsor des Terrorismus einzustufen.
Das Europäische Parlament wurde am Mittwochnachmittag (23. November) Opfer eines massiven Cyberangriffs, nur wenige Stunden nachdem die EU-Abgeordneten beschlossen hatten, Russland als staatlichen Terrorismus-Sponsor einzustufen.
Der Parlamentssprecher Jaume Duch bestätigte, dass die Website des EU-Parlaments „derzeit von außen durch ein hohes Maß an externem Netzwerkverkehr beeinträchtigt wird“. Er fügte hinzu, dass „dieser Datenverkehr mit einem DDOS-Angriff (Distributed Denial of Service) in Verbindung steht.“
Parlamentspräsidentin Roberta Metsola twitterte, dass die Versammlung „einem ausgeklügelten Cyberangriff“ ausgesetzt sei und dass „eine Kreml-nahe Gruppe die Verantwortung dafür übernommen hat.“
„Unsere IT-Experten wehren sich dagegen und schützen unsere Systeme. Und das, nachdem wir Russland zu einem Staat erklärt haben, der den Terrorismus unterstützt. Meine Antwort: Slava Ukraini“, fügte sie hinzu.
DDoS-Angriffe überfluten ein fremdes Netzwerk mit überflüssigen Anfragen, um so die Systeme zu überlasten und dadurch den Zugang zum Netz zu verhindern.
Der Angriff, der die Website des Parlaments für mehrere Stunden außer Betrieb setzte, erfolgte kurz nachdem die Abgeordneten mit einer großen Mehrheit von 494 zu 58 Stimmen bei 48 Enthaltungen eine Resolution verabschiedet hatten.
Diese sieht unter anderem vor, dass die Verantwortlichen für Kriegsverbrechen, die seit Beginn der russischen Invasion im Februar begangen wurden, vor ein internationales Gericht gestellt werden.
„Die vorsätzlichen Angriffe und Gräueltaten der Russischen Föderation gegen die ukrainische Zivilbevölkerung, die Zerstörung der zivilen Infrastruktur und andere schwerwiegende Verstöße gegen die Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht stellen Terrorakte gegen die ukrainische Bevölkerung und Kriegsverbrechen dar“, so die Abgeordneten.
„In Anbetracht dessen erkennt (das Europäische Parlament) Russland als staatlichen Sponsor des Terrorismus und als einen Staat an, der Mittel des Terrorismus einsetzt“.
In der Resolution, die rechtlich nicht bindend ist, werden die EU-Regierungen außerdem aufgefordert, die Wagner-Gruppe, eine mit dem Kreml verbundene Söldnertruppe, sowie andere von Russland finanzierte bewaffnete Gruppen und Milizen auf die EU-Terrorliste zu setzen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Vereinigten Staaten und andere Länder aufgefordert, dem Beispiel des Europäischen Parlaments zu folgen.
Die EU hat seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar eine Reihe wirtschaftlicher und politischer Sanktionen gegen Russland und Personen verhängt, die an der Regierung von Präsident Wladimir Putin beteiligt sind oder mit ihr in Verbindung stehen.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]