Mobile Zahlungen vor ungewisser Zukunft

Auch wenn Frankreich dieses Jahr als erstes in der EU Zahlungen über die SIM-Karte von Mobiltelefonen ankündigt, stehen die so genannten m-Zahlungen vor einer schwierigen Zukunft. Mobilfunkbetreiber sorgen sich um ihre Ergebnisse, und Verbraucher fragen sich, wer alles die Zahlungen nachverfolgen kann.

Mit dem Handy kann man viele schöne Sachen kaufen. Oder doch nicht? (Foto: dpa)
Mit dem Handy kann man viele schöne Sachen kaufen. Oder doch nicht? (Foto: dpa)

Auch wenn Frankreich dieses Jahr als erstes in der EU Zahlungen über die SIM-Karte von Mobiltelefonen ankündigt, stehen die so genannten m-Zahlungen vor einer schwierigen Zukunft. Mobilfunkbetreiber sorgen sich um ihre Ergebnisse, und Verbraucher fragen sich, wer alles die Zahlungen nachverfolgen kann.

EURACTIV sprach mit Dag-Inge Flatraaker, einem norwegischen Spitzenbeamten, der bei den Verhandlungen zwischen den europäischen Banken und Mobilfunkbetreibern zur Ausdehnung des einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraums auf Mobiltelefone dabei war.

M-Zahlungen bedeuten, dass auf der SIM-Karte von Mobiltelefonen die Bankdaten von Kredit- und Debitkarten gespeichert sind und damit dem Kunden berührungsloses Bezahlen ermöglicht, indem er das Handy vor ein Terminal an der Kasse hält.

Eine französische Studie zeigte Erfolge bei M-Zahlungen im öffentlichen Nahverkehr, jedoch wenig Erfolg in Geschäften, sagte Flatraaker.

Berührungslose Terminals

„Das Hauptproblem von SEPA besteht im Aufbau einer kritischen Masse“, behauptete Marc Rothemund von der in Brüssel ansässigen Denkfabrik CEPS (Centre for European Policy Studies).

Gleiches gelte für M-Zahlungen, da die Geschäfte bei der Einführung der sogenannten berührungslosen Terminals für SIM-Zahlungen zögerten, wenn nicht genügend Kunden die Anschaffungen nutzen.

Mobilfunkbetreiber behaupten, es werde für sie schwierig werden, mit einem mobilen Zahlungssystem Umsatz zu erzielen, das von Finanzdienstleistern dominiert sei.

Marktverhalten im Visier

 Auf der anderen Seite sorgen sich Verbraucher, dass M-Zahlungen den Netzbetreibern und IT-Firmen neue Möglichkeiten für die Erforschung von Marktverhalten und für zielgerichtete Werbung wie beispielsweise beim Google AdSense-Programm bieten.

Banken würden vollen Informationszugang zu Kundenzahlungen per Mobiltelefon haben, aber sie seien ebenfalls in der Lage, Mobilfunkbetreiber zu unterstützen, sagte Flatraaker.

Allerdings müssten M-Zahlungen die gleichen Sicherheitsrichtlinien einhalten, um Onlinezahlungen vor Hackern und Phishing (als von der Hausbank getarnt E-mails zum Datendiebstahl) zu schützen, fügte er hinzu. 

Bezahlen mit gestohlenen Handys

Der Europäische Zahlungsrat, die Architekten von SEPA und GSMA, das Gremium, das die weltweite Industrie für mobile Kommunikation vertritt, befänden sich noch bei der Ausarbeitung der Sicherheitsanforderungen für M-Zahlungen, sagt Flatraaker.

Ein mögliches Problem bei M-Zahlungen ist, dass gestohlene Handys zum Bezahlen verwendet werden können, ohne dass die Bank oder der Einzelhändler etwas davon merken.

Flatraaker zufolge liegt es hierbei am Kunden, die Bank zu informieren, um das Konto sperren zu lassen.

EURACTIV.com (Brüssel)

Um das vollständige Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier. (englisch)

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