Mittel- und Osteuropa kämpft mit Engpässen bei grünen Technologien

Die boomende Nachfrage nach Wärmepumpen und Solarmodulen sowie anhaltende Unterbrechungen in der Lieferkette führt in Tschechien zu ernsthaften Engpässen, da sich die Hersteller auf zahlungskräftigere, westeuropäische Märkte konzentrieren.

EURACTIV.sk
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Wie mehrere tschechische Medien berichteten, können die einheimischen Hersteller:innen der großen Nachfrage jedoch nicht nachkommen, da es an Material und Arbeitskräften mangelt. [ [Shutterstock/Oscar Firme]]

Die boomende Nachfrage nach Wärmepumpen und Solarmodulen sowie anhaltende Unterbrechungen in der Lieferkette führen in Tschechien zu ernsthaften Engpässen, da sich die Hersteller auf zahlungskräftigere, westeuropäische Märkte konzentrieren.

Expert:innen warnen davor, dass das Problem auch auf andere Länder in Mittel- und Osteuropa übergreifen könnte.

In den meisten Ländern Mittel- und Osteuropas spielt Gas im Heizungssektor eine wichtige Rolle. Angesichts der jüngsten Preiserhöhungen und eines möglichen Importstopps aus Russland steigt die Nachfrage nach erneuerbaren Energien – sowohl aufseiten der Unternehmen als auch der Haushalte.

Wie mehrere tschechische Medien berichteten, können Hersteller:innen im Land der großen Nachfrage jedoch nicht nachkommen, da es an Material und Arbeitskräften mangelt.

Die Nachfrage wurde zusätzlich durch die kürzlich erfolgte Reform des Subventionssystems angekurbelt. Während die Tschechische Republik und die Slowakei bisher die Installation von Gasheizkesseln förderten, liegt der Schwerpunkt von nun an auf Wärmepumpen und anderen erneuerbaren Energiequellen.

„Die Streichung der Förderung von Gasheizungen und die Erhöhung der Zuschüsse für Wärmepumpen bringt keine Lösung. Das Ergebnis ist, dass die Nachfrage nach erneuerbaren Energien massiv zunimmt, während der Versorgungsmarkt auf einen solchen Anstieg nicht vorbereitet ist“, so Luděk Lošťák, Inhaber von Zero living, einem Unternehmen, das Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen installiert.

Richard Paksi von der slowakischen Interessengemeinschaft Buildings for Future warnt, dass das Problem auch bald in der Slowakei auftreten könnte.

„Der slowakische Wärmepumpenmarkt ist fünfmal kleiner als der tschechische, und der allmähliche Anstieg der Nachfrage hat sich hier noch nicht so stark bemerkbar gemacht wie in der Tschechischen Republik. Bislang kommt der slowakische Markt damit zurecht, aber es ist wahrscheinlich, dass auch hier bald Probleme auftreten werden“, sagte er.

Westlicher Markt attraktiver

Die Nachfrage nach Wärmepumpen und Sonnenkollektoren steigt in ganz Europa. Die finnische Umweltministerin Emma Kari bezeichnete die Installation einer Solaranlage oder einer Wärmepumpe kürzlich angesichts der Bemühungen um Energieunabhängigkeit von Russland sogar als „patriotischen Akt.“

Mit der steigenden Nachfrage geht jedoch die Befürchtung einher, dass die Industrie nicht in der Lage sein wird, der Nachfrage gerecht zu werden, wie es bereits in den mittel- und osteuropäischen Ländern der Fall ist.

Sorgen bereitet auch die sich verschlechternde Pandemie-Situation in China, das eine wichtige Komponente für Wärmepumpen exportiert – Kühlkreise. Allerdings haben Länder wie Frankreich oder Deutschland derzeit nicht die gleichen Probleme wie Tschechien.

Paksi erklärte, dass sich die meisten Produzent:innen derzeit auf die westlichen Märkte konzentrieren, weil dies einfach lukrativer sei.

„Das größte Hindernis für die Slowakei oder die Tschechische Republik ist die hohe Investitionsintensität der Technologie“, sagte er.

„In westlichen Ländern haben die Haushalte kein Problem damit, für eine Wärmepumpe zu bezahlen. Die derzeitigen Zuschüsse aus dem (slowakischen) Programm für grüne Haushalte, die maximal 3.400 Euro betragen, sind unzureichend, da der Preis von Hochtemperatursystemen wie Wärmepumpen bei 15.000 Euro liegt“, fügte Paksi hinzu.

Sind Solarzellen als Nächstes dran?

„Die Probleme bei der Lieferung von Komponenten und Installationen von Solarmodulen und Photovoltaikanlagen sind nicht so gravierend wie bei den Wärmepumpen“, sagte Ján Karaba, Direktor des slowakischen Industrieverbands für Photovoltaik und erneuerbare Energien (SAPI). Dennoch haben sich die Lieferzeiten für Materialien und Anlagen um mehrere Monate verlängert.

Karaba erklärt, dass der Photovoltaikmarkt besser geschützt sei, da die Produktionskapazitäten deutlich höher seien als bei den Wärmepumpen. Dennoch seien Probleme zu erwarten.

„Es gibt Schwierigkeiten beim Transport aus China und auch bei der Produktion von Aluminiumprofilen, die bei der Installation verwendet werden“, so Karaba.

„Mit dem deutlich zunehmenden Interesse an der Installation dieser Quellen wird auch der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften steigen. In den westlichen Mitgliedsstaaten gibt es bereits einen zunehmenden Mangel an Fachkräften und auch wir in der Slowakei sind auf diese Situation nicht vorbereitet“, fügte er hinzu.