Mit einem Bahnticket quer durch Europa
Bahnkunden soll es künftig leichter fallen, eine Reise durch Europa zu planen und zu buchen. Der Weg zum paneuropäischen Ticketsystem ist allerdings noch weit.
Bahnkunden soll es künftig leichter fallen, eine Reise durch Europa zu planen und zu buchen. Der Weg zum paneuropäischen Ticketsystem ist allerdings noch weit.
"Die Buchung einer Bahnfahrt von Barcelona nach Brüssel oder von Berlin nach Bratislava soll ebenso einfach sein wie die Buchung eines entsprechenden Fluges", sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas am Donnerstag. "Die Bereitstellung gemeinsamer Fahrplan- und Tarifinformationen für die Betreiber ist ein wichtiger erster Schritt, es ist jedoch lediglich der Beginn einer viel größer angelegten Initiative zur Verwirklichung der europaweiten Buchung und Fahrscheinausgabe im Bahnverkehr."
Bahnfahrer können derzeit nur beschränkt Tickets für grenzüberschreitende Reisen buchen – ganz im Gegensatz zu Flugreisenden.
Vorbild Flugverkehr
Der Schienenverkehr in Europa ist bislang weitgehend national organisiert. In jedem EU-Land gibt es beispielsweise eigene Buchungssysteme. Die Reise-Daten werden nach nationalen Standards unterschiedlich verarbeitet. Der Datenaustausch zwischen den EU-Ländern ist schwierig.
Mit Ausnahme einzelner Strecken können Bahnkunden nur sehr wenige grenzüberschreitende Fahrten mit einem einzigen Ticket buchen. Im Luftverkehr hat sich dagegen längst die Buchung und Flugscheinerstellung auf der Grundlage des gemeinsamen zentralen Reservierungssystems "Amadeus" durchgesetzt.
Der Traum vom "paneuropäischen" Ticketsystem
In einem ersten Schritt soll eine neue EU-Verordnung die Fahrplan- und Tarifinformationen standardisieren. Das Ziel: Jeder Bahnkunde in der EU kann auf einheitliche Daten zurückgreifen, auch wenn er eine Fahrt im Ausland bucht. Dazu gehören die Kategorie des Zuges (Bsp: Regional- oder Fernverkehr), die Zwischenstopps, die Komfort-Stufe (erste oder zweite Klasse) und die Tarife. Die europäischen Bahnunternehmen werden zudem verpflichtet, Fahrplaninformationen zu veröffentlichen und Tarifinformationen an autorisierte Partner zu übermitteln.
Am Ende des Gesetzes-Prozesses soll in einigen Jahren ein "paneuropäisches" Ticketsystem stehen.
Noch können sich die Akteure in die EU-Gesetzgebung einmischen. Bis zum 27. Mai 2011 läuft eine öffentliche Konsultation zur "Reiseplanung im multimodalen Verkehr" ("Towards a European Multi-Modal Journey Planner"). EU-Verkehrskommissar Kallas will die nächsten Schritte am 6. Juni bei einer Verkehrs-Konferenz in Lyon vorstellen.
Kritik an EU-Verkehrsstrategie
Die Zukunft des europäischen Bahnverkehrs wird derzeit heiß diskutiert. Die EU-Kommission hat mit ihren Vorschlägen zur Neuordnung des Verkehrssektors bis 2050 auch in Deutschland Kritik ausgelöst. "Es gibt einige schwierige Themen im Weißbuch der Kommission", so Andreas Scheuer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Umstritten bleibt vor allem die geplante Liberalisierung (EURACTIV.de vom 29. März 2011). Derzeit ringen die Deutsche Bahn und ihr französischer Konkurrent SNCF um die Vormachtstellung auf dem europäischen Bahnmarkt (EURACTIV.de vom 5. November 2011).
Der OECD-Verkehrsexperte Jack Short hält die Ausbaupläne der Kommission für zu ambitioniert. "Es ist schon eine merkwürdige Vorgabe, das Hochgeschwindigkeitsschienennetz bis 2030 zu verdreifachen", so Short.
mas
Links
Dokumente
Kommission: Kommission drängt auf europaweit integrierte Fahrscheinausstellung für Bahnreisende – Pressemitteilung (5. Mai 2011)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:
Verkehr und Mobilität für die Gesellschaft (19. April 2011)
Kallas: "Eisenbahnreform ist ein Politikum" (6. April 2011)
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