Merkels Image auf Tiefpunkt

Nur für ihren Europakurs erhält Merkels Regierung Rückendeckung aus deutschen Führungsspitzen. Ansonsten sind die Top-Entscheider unzufrieden. 92 Prozent sind enttäuscht. Mehr als drei Viertel halten die schwarz-gelbe Koalition für zu schwach.

Auf Guido Westerwelle und Angela Merkel prasseln miese Umfragewerte (Foto: dpa)
Auf Guido Westerwelle und Angela Merkel prasseln miese Umfragewerte (Foto: dpa)

Nur für ihren Europakurs erhält Merkels Regierung Rückendeckung aus deutschen Führungsspitzen. Ansonsten sind die Top-Entscheider unzufrieden. 92 Prozent sind enttäuscht. Mehr als drei Viertel halten die schwarz-gelbe Koalition für zu schwach.

Äußerst düstere Umfragewerte aus Deutschlands Chefetagen für die deutsche Bundesregierung: Die hohen Erwartungen an die einstige Wunschkoalition von Union und FDP wurden gnadenlos enttäuscht. Die Führungsspitzen halten die Koalition für zu schwach, die anstehenden Probleme zu lösen. Nur sechs Prozent sind mit der Arbeit zufrieden, 92 Prozent nicht.

Das ist das Ergebnis des jüngsten Capital-Elite-Panels, einer Umfrage aus unter 533 Führungspersönlichkeiten der deutschen Wirtschaft, Politik und Verwaltung, die das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) für das Wirtschaftsmagazin Capital zweimal jährlich erhebt. Die Umfrageergebnisse wurden heute, Dienstag, in Berlin vorgestellt und werden in der nächsten Capital-Ausgabe vom 17. Juni beschrieben.

Zustimmung zum Rettungspaket

Um mit den positiven Werten zu beginnen: Die Bundesregierung erhält Rückendeckung für ihren europapolitischen Kurs. 78 Prozent halten das 750-Milliarden-Rettungspaket für richtig. Nur neun Prozent rechnen aber damit, dass Griechenland seine Schulden zur Gänze zurückzahlt.

Trotzdem haben 67 Prozent der Führungsspitzen weiterhin großes Vertrauen in den Euro. Nur vier Prozent wünschen sich die D-Mark zurück. Den aktuell schwachen Euro-Kurs sehen 83 Prozent als Vorteil für die deutsche Wirtschaft.

Sympathie für europäische Wirtschaftsregierung

Eine knappe Mehrheit (53 Prozent) hält sogar eine gemeinsame Euro-Wirtschaftsregierung für notwendig. Die deutlich stärkere Koordination der Wirtschaftspolitik soll demnach eine Lehre aus der Krise sein.

Die innenpolitischen Zeugnisnoten sehen aber so schlecht aus, dass IfD-Chefin Renate Köcher einen Befreiungsschlag für Schwarz-Gelb kurzfristig gar nicht für möglich hält. Bei aller Skepsis erwarten dennoch 77 Prozent der Entscheider, dass die jetzige Koalition die ganze Periode bis 2013 durchhält.

Das Image der Kanzlerin persönlich hat bei der Elite deutlich gelitten. 49 Prozent halten sie mittlerweile für schwach. Das ist der schlechteste Wert seit ihrem Amtsantritt 2005.

Enttäuschung über Guido Westerwelle

Noch deutlich schlechter schneidet Vizekanzler Guido Westerwelle ab. Seine Arbeit wird nur von elf Prozent für gut befunden. Noch weniger Vertrauen genießt FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (8 Prozent).

Große Wertschätzung gilt Finanzminister Wolfgang Schäuble (80 Prozent), Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (78 Prozent) und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (75 Prozent).

Steiler Anstieg der Auftragslage

Köcher betonte, dass die Wirtschaftsaussichten für Deutschland sehr gut seien. Das Hochlaufen der Konjunktur und der steile Anstieg der Auftragslage seien Vorzeichen, dass sich das Umfeld bessern könnte, wenn nicht von anderen Ländern der Euro-Zone Probleme kämen.

ekö