Manfred Stolpe und der Brandenburger Weg

Die Kunst des Arrangierens hat er in der DDR gelernt: Manfred Stolpe war Pragmatiker und die Personifizierung des "Brandenburger Wegs" – wie er seine Regierung anführte, mit der Opposition umging, der Bevölkerung Mut machte und nicht zuletzt wie er österreichischen Journalisten Interviews gab. Unvergessen seine Mitfahrt auf der Autobahn ins Nach-Wende-Potsdam, wo er in meiner „Rostlaube“, einem alten Pkw ohne Außenspiegel, Fragen beantwortete. Da hatte der KGB seine Europa-Zentrale noch in Potsdam.

Manfred Stolpe (li.) im Jahr 1992: Thüringens Altbischof Ingo Braecklein tritt als Entlastungszeuge für den unter Stasi-Verdacht geratenen Brandenburger Ministerpräsidenten auf, stand aber selbst unter diesem Verdacht (Foto: dpa)
Manfred Stolpe (li.) im Jahr 1992: Thüringens Altbischof Ingo Braecklein tritt als Entlastungszeuge für den unter Stasi-Verdacht geratenen Brandenburger Ministerpräsidenten auf, stand aber selbst unter diesem Verdacht (Foto: dpa)

Die Kunst des Arrangierens hat er in der DDR gelernt: Manfred Stolpe war Pragmatiker und die Personifizierung des „Brandenburger Wegs“ – wie er seine Regierung anführte, mit der Opposition umging, der Bevölkerung Mut machte und nicht zuletzt wie er österreichischen Journalisten Interviews gab. Unvergessen seine Mitfahrt auf der Autobahn ins Nach-Wende-Potsdam, wo er in meiner „Rostlaube“, einem alten Pkw ohne Außenspiegel, Fragen beantwortete. Da hatte der KGB seine Europa-Zentrale noch in Potsdam.

Es war ein Sonntag in aller Herrgottsfrüh. Das trostlos-graue Potsdam war wie ausgestorben, als wir mit meinem alten Mazda die Adresse suchten, an der wir eigentlich mit Manfred Stolpe verabredet waren.

Manfred Stolpe (Jahrgang 1936) war damals, im Frühjahr 1991, erst seit ein paar Monaten Ministerpräsident von Brandenburg.

Der Chefredakteur der Wiener „Presse“ und seine Frau, Thomas und Christa Chorherr, wollten in meiner Begleitung Eindrücke vom Nach-Wende-Deutschland sammeln. Dazu sollte auch die Begegnung mit Stolpe gehören. Chorherr war neugierig auf ihn, weil der "Tagesspiegel" vom "Weizsäcker des Ostens" geschrieben hatte.

Für ein Gespräch in seiner Staatskanzlei hatte sich kein passender Termin gefunden. So vereinbarte ich mit dem Regierungssprecher, dass wir an jenem Sonntag sehr zeitig nach Potsdam kommen, in die Limousine des Ministerpräsidenten einsteigen und Stolpe während der Autobahnfahrt nach Frankfurt an der Oder interviewen könnten. In Frankfurt hatte Stolpe eine lokale Automesse zu eröffnen. Bei Westautos hatte die Trabi-Gesellschaft enormen Nachholbedarf.

Eine preußische Episode

An einer Kreuzung der verschlafenen Stadt wussten wir nicht, ob wir links oder rechts abbiegen sollten, um zu Stolpes Wohnhaus zu gelangen. Glücklicherweise kam gerade da ein Passant vorbei. Der lieferte eine Episode, die den Chefredakteur aus Wien und seine Frau sehr beeindruckte und amüsierte. 

Als wir den hilfsbereiten Potsdamer nach dem Weg fragten, erklärte er uns detailliert, wie wir jetzt rechts abzubiegen hätten, dort ganz hinten in einer Seitenstraße wenden könnten und schließlich hier zurückkommen würden, um dann in der entgegen gesetzten Richtung weiter zu fahren. Den wortreichen Gesten entnahmen wir: Wir müssten ja eigentlich nur nach links abbiegen und dabei halt ganz kurz die Sperrlinie auf der Fahrbahn ignorieren.

Dass wir in dieser absoluten Verkehrsleere der Morgendämmerung die Sperrlinie überfahren könnten, wäre dem Mann offenbar nie eingefallen. Im Nach-Wende-Chaos bewegte man sich damals fast überall im rechtsfreien Raum – aber ein Potsdamer Frühaufsteher respektierte die einsame Sperrlinie! (Wir als gelernte Österreicher allerdings nicht.)

Seit dieser Begegnung beschäftigte Christa Chorherr bis zum Ende der Reise die Frage, was denn eigentlich heute noch unter „preußisch“ zu verstehen sei und wo man im vereinten Deutschland noch weitere Spuren Preußens finden könne.

Der Konvoi des Regierungschefs unauffindbar

Als wir an der Residenz des Ministerpräsidenten ankamen, wirkte auch hier alles wie ausgestorben. Niemand erwartete uns. Dabei waren wir weit vor der abgemachten Zeit hier. Ein Kind kehrte den Gehsteig vor Stolpes Haus. Der Junge erzählte uns, dass die zwei schwarzen Limousinen – vorne mit Manfred Stolpe, hinten mit Sicherheitsleuten – vor wenigen Minuten losgefahren seien.

Kein Problem, die holen wir ein, dachten wir, und starteten in Richtung Frankfurt an der Oder. Aber weder in der Stadt noch auf der Autobahn entdeckten wir die zwei Pkws. Wir schlugen uns in Frankfurt an der Oder zur Auto-Ausstellung durch, die Stolpe feierlich eröffnen sollte. Die Suche nach ihm mündete in eine Überraschung.

Inzwischen vergegenwärtigen wir uns den erbärmlichen Zustand Potsdams in jenen Tagen, der mit dem heutigen scharf kontrastiert, sowie den Zustand der fast noch jungfräulichen Landesregierung unter Stolpe.

Höchste Schlösserdichte Europas

Heute prangt Potsdam mit Prachtvillen. Es ist eine der schönsten Städte des Kontinents und Lieblingswohnsitz der Prominenz. Glück für die an zwanzig Gewässern gelegene Stadt: Hier wohnten Industrielle, aber es gab und gibt keine Industrie. Hier residierten preußische Könige, denen die Repräsentationsbauten ihrer jeweiligen Vorgänger stets zu klein waren. Dadurch kam Potsdam zur höchsten Schlösserdichte aller europäischen Städte. Und ferner hatte Potsdam Glück, als Winston Churchill die Stadt, die überhaupt nichts Kriegsrelevantes hatte und voll von Flüchtlingen war, drei Woche vor Kriegsende hatte bombardieren lassen: Die baulichen Schäden hielten sich in Grenzen.

Potsdams Paläste, Parks und Seen – das Schlösserensemble wurde in die Unesco-Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen.

Prachtvillen aus Bruchbuden

Heute ist Potsdam – nach München und Stuttgart – die Stadt mit den dritthöchsten Wohnungsmieten ganz Deutschlands. Der Wohnungsleerstand beträgt weniger als zwei Prozent. (Zum Vergleich: Das benachbarte Berlin hat mit einem Wohnungsleerstand von 8 bis 10 Prozent zu kämpfen.) Es ist die einzige Stadt in dem sonst entvölkerten Ostdeutschland mit kräftigem Zuzug. Derzeit hat Potsdam 150.000 Einwohner. In wenigen Jahren rechnet man mit 180.000.

Das hätte man sich zur Wendezeit nicht vorstellen können. Als wir Manfred Stolpe (be)suchten, waren die heutigen Prachtvillen allesamt baufällig. Die Straßen waren gesäumt von Ruinen und leer stehenden oder auch bewohnten Bruchbuden. Auch der Verfall der barocken Innenstadt und des Holländischen Viertels schien kaum aufzuhalten.

Die Videoaufnahmen von Straßenbahnfahrten aus dieser Zeit zeigen den Zustand der Straßenzüge und der Hausfassaden, wie sich uns Potsdam damals präsentierte. 

Potsdam war Hochburg der Hausbesetzer

Damals war Potsdam die Hochburg der Hausbesetzer. Berühmt für seine Hausbesetzerszene war zwar Berlin, aber Potsdam hatte viel mehr. Allein in der Gutenbergstraße waren 35 Häuser besetzt.

Noch 1994 hielten 200 Leute aus Potsdam, Berlin und ganz Deutschland 23 Häuser in der Gutenbergstraße besetzt. Denn auch fünf Jahre nach der Wende verfielen in Potsdam immer noch ganze Straßenzüge, 1.400 Wohnungen standen leer, ungeklärte Eigentumsverhältnisse blockierten alles, während akute Wohnungsnot herrschte.

„Städtchen Nummer 7“: KGB-Zentrale für ganz Europa

Dann gab es noch eine Besetzerszene der ganz anderen Art, als wir zu und mit Stolpe unterwegs waren. Die Stadt war voll im Griff des KGB. Der sowjetische Geheimdienst hatte einen ganzen Stadtteil namens „Städtchen Nummer Sieben“ mit vielen Villen okkupiert. Kein Deutscher durfte damals den KGB-Bezirk betreten. Es war die KGB-Zentrale für ganz Europa.

Das KGB-Gefängnis in der Leistikowstraße ist ein für Europa einzigartiges Bauwerk. Überall hatten die Russen beim Abzug die KGB-Gefängnisse abgerissen. Nur hier hatten sie vergessen, es auszuräumen, weil es zuletzt nur noch als Lagerraum verwendet worden war. Dadurch ist das Gefängnis samt Instrumentarium voll erhalten geblieben. Es soll ab 2011 zu besichtigen sein.

Als wir 1991 Stolpe suchten, saß der KGB immer noch drei weitere Jahre in Potsdam. Als 1994 die russischen Alliierten aus Deutschland abzogen, waren die KGB-Leute des „Städtchens Nummer Sieben“ die allerletzten Russen, die Deutschland verließen. 

Treffen in Frankfurt an der Oder

In Frankfurt an der Oder, wo wir warten, kommt Stolpe verspätet an. Wir erfahren, dass eines der beiden Autos eine Panne gehabt habe, weswegen die Fahrzeuge einmal die Autobahn verlassen mussten und nicht zu sehen waren.

Stolpe entschuldigt sich, er habe von der Interview-Vereinbarung nichts gewusst, aber wir könnten ihm nach der Eröffnungszeremonie unsere Fragen auf der Rückfahrt stellen.

Das Interview in der „Rostlaube“

Als er die Ausstellung verlässt, öffnet sein Chauffeur die Türe der Regierungs-Limousine. Plötzlich schlägt Stolpe einen Haken und fragt mich, ob er jetzt bei uns mitfahren könne. Und setzt sich einfach in den Fonds meines uralten Mazda 929. Neben ihn setzt sich Thomas Chorherr. Auf dem Beifahrersitz nimmt seine Frau Platz, ich sitze am Steuer. Mein Chefredakteur und ich stellen während der Fahrt die Fragen, Christa Chorherr stenographiert die Antworten mit.

Die beiden Limousinen folgen uns. Ich hätte gern gewusst, was sich Stolpes Fahrer und die Sicherheitsleute hinter uns gedacht haben, dass ihre Schutzperson in einem Rostkübel mitfährt, der ausgerechnet zu jener Zeit weder links noch rechts einen Außenspiegel hatte! Stolpe selbst hat das aber keineswegs gestört.

Vorwürfe von Stasi-Kontakten

Auf Chorherrs Frage, was er in den Jahren der kommunistischen Repression getan habe, antwortet er wie ein berühmter Franzose über seine Existenz in der Revolutionsära: „Ich habe überlebt.“

Die Frage zielt auf Gerüchte und Vorwürfe ab, er habe in den achtziger Jahren konspirativ mit der Stasi zusammengearbeitet. Stolpe kann jedoch rundum mit Verständnis dafür rechnen, dass ein hoher Kirchenfunktionär – er war Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR – solche Kontakte eben gehabt haben müsse.

Ein Jahr nach unserem Gepräch beruft der brandenburgische Landtag einen Untersuchungsausschuss ein, der Stolpes Kontakte zu den DDR-Staatsorganen und zur SED überprüfen soll. Ergebnis: Stolpe ist keine ausdrückliche Verpflichtung zur Zusammenarbeit mit der Stasi nachzuweisen.

Das Jahrzehnt der Arbeitslosigkeit

Ein Kernsatz des Gesprächs bleibt haften: „Die Kommunisten haben immer gepredigt, Kapitalismus bedeute Arbeitslosigkeit.“ Und jetzt – bis zu fünfzig Prozent, in manchen Gebieten bis zu achtzig Prozent des Arbeitskräftepotenzials von Brandenburg werde im kommenden Sommer (1992) brachliegen. „Das ist hart. Das trifft die Menschen. Gerade bei uns hat die Arbeit immer einen besonders hohen Stellenwert gehabt. Sie ist Lebensinhalt.“

In der Rückschau darf man anführen, dass auf das Jahrzehnt hoher Arbeitslosigkeit ein Jahrzehnt der Konsolidierung folgte und dass Brandenburg zur Zeit das Land mit dem dynamischsten Wirtschaftswachstum und speziell in Sachen Erneuerbere Energien führend ist.

Das Drama mit der Landwirtschaft

Zurück zum Ministerpräsidenten in meinem Mazda. In zwei bis drei Jahren werde alles anders sein. Bis dahin müsse man durchhalten, meint Stolpe. Nötig sei vor allem ein Innovationsschub. Auch das Marketingprinzip müsse erst gelernt werden. „Nehmen Sie die Landwirtschaft. Bis zur Wende hat, wie im Krieg, eine fast hundertprozentige Ablieferungswirtschaft geherrscht. Und von einem Tag auf den anderen haben sich die Menschen daran gewöhnen müssen, dass ihre Produkte nicht mehr abgeholt werden, sondern dass sie sie in einer Konkurrenzwirtschaft verkaufen müssen.“

Die Zahlen dazu: 1990 waren in Brandenburg 180.000 Mitarbeiter in der Landwirtschaft beschäftigt; zehn Jahre danach, im Jahre 2000, nur noch 30.000 Menschen.

Stolpe erweist sich in allem als Pragmatiker. Während Eberhard Diepgen, damals Regierender Bürgermeister Berlins, gegen Bonn auftritt und den Sitz der Bundesregierung für Berlin einfordert, wirbt der Brandenburger Ministerpräsident um Verständnis für die Stadt am Rhein. Ohne Bitterkeit geht er auf das Argument ein, dass Bonn ein Symbol der Westbindung sei. „Mit Rücksicht auf Bonn muss man in der Hauptstadtfrage behutsam vorgehen!“

Noch 100.000 Rotarmisten im Bundesland

Behutsam, schrittweise, bedächtig will Stolpe auch mit den Russen umgehen. 100.000 Sowjetsoldaten stehen noch in Brandenburg, als wir das Gespräch führen – drei Jahre vor deren Abzug. Stolpe wirbt sogar um Verständnis für die Rotarmisten, die mit 13 Euro Monatssold durchkommen müssten. „Die haben ja auch schon den Kapitalismus entdeckt“, sagt er, als wir an einer Russen-Kaserne vorüberfahren.

Die Kasernenmauern sind mit nagelneuen Westplakaten geschmückt, auf denen Autos und Waschmittel angepriesen werden. Für Devisen vermieten die sowjetischen Kasernenkommandanten die Plakatflächen an Werbeunternehmen.

„Die Russen in Brandenburg nicht provozieren“

„Man soll sie nicht provozieren“, sagt Stolpe über die Russen. Einige Male habe es bereits Zwischenfälle gegeben, weil bundesdeutsche Abwehroffiziere sowjetische Militäreinrichtungen fotografiert haben.

„Das ist Unsinn, das soll man bleiben lassen“, betont Stolpe und kommt auf den Leiter der sowjetischen Verbindungsstelle und Ex-Botschafter Gennadi Serafimowitsch Schikin zu sprechen, der vorher UdSSR-Missionschef in Wien (1986 bis 1990) und anschließend für wenige Monate des Jahres 1990 Vertreter der UdSSR in der DDR gewesen war: „Der regt sich immer gleich auf!“

Der „Blusenmörder“ und der Ex-Botschafter

Stolpe erzählt vom „Blusenmörder“, einem damals noch frei herumlaufenden Sexualattentäter, der bereits ein halbes Dutzend Frauen umgebracht habe. Sein allererstes Opfer sei ausgerechnet die Frau jenes sowjetischen Arztes gewesen, der Erich Honecker behandelt habe. „Wir hatten Mühe, Schikin auszureden, dass dies ein Beweis für den zunehmenden Faschismus in den neuen Bundesländern sei.“

Aufgeregt hatte sich Schikin auch zuvor, als es um den Zuschnitt der fünf Bundesländer auf DDR-Territorium ging. Die Sowjetunion sei demnach sehr indigniert, dass das neue Land den äußeren Ausmaßen des früheren Preußens ähneln würde.

Nicht immer nur die Verlierer sein

Stolpe zählt es zu seinen Hauptaufgaben, „meinen Mitbürgern Optimismus einzuimpfen. Sie wollen nicht immer nur die Verlierer sein.“ Gewonnen hätten sie – auf Kosten vermeintlicher Sicherheit – bis dahin nur die Freiheit.

Stolpe erzählt uns, dass Helmut Kohl versucht habe, ihn nach dem Fall der Mauer für die CDU zu gewinnen, doch habe er anfangs von einer Parteimitgliedschaft gar nichts wissen wollen. Im Sommer 1990 habe er sich für die SPD entschieden. 

Pragmatisch und harmonisch

Immer wieder lieferte Stolpe Beispiele für seinen Pragmatismus. Einmal entdeckte ich, dass Stolpe im gleichen Flugzeug saß wie ich und Akten studierte. Ich fragte auf der Rückseite meiner Visitenkarte, ob er Zeit für ein kurzes Interview hätte, und bat die Stewardess, das Kärtchen an Stolpe zu übergeben. Die Antwort kam prompt – sie war positiv. Ich nahm neben ihm Platz und konnte mein kleines Tonbandgerät einschalten.

Sein pragmatischer Stil ist als „Brandenburger Weg“ bekannt geworden.

Das politische Klima war auf Konsens statt Konfrontation angelegt. Die Parteien gingen harmonischer miteinander um als in den anderen ostdeutschen Landtagen.

Die Entmachtung der alten Elite und der Start der Politikneulinge hatten anfangs chaotische Züge. Die meisten Abgeordneten und Regierungsmitglieder waren politik- und amtsunerfahren. Sie wussten nach der DDR-Unterdrückung nur, was sie nicht wollten. 

Dazu erhielten sie Hilfe aus dem Westen, vor allem aus Nordrhein-Westfalen. Einige Minister in Stolpes Kabinett waren Wessis. Die Hälfte der höheren Beamtenposten in den Ministerien waren ebenfalls von Westdeutschen besetzt.

Seine Jahre als Bundesverkehrsminister vergessen

Die zwölf Jahre als Regierungschef Brandenburgs (1990 bis 2002) dominieren in der Erinnerung an Stolpes Funktionen. Die drei Jahre danach – 2002 bis 2005 als Bundesminister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen in Berlin unter Gerhard Schröder – sind dagegen weitgehend verblasst. Erinnert sich jemand doch noch daran, dann am ehesten wegen der endlosen Streitdebatte um die pannenreiche Einführung der Lkw-Maut.

Stolpes Ausflug in die Bundespolitik war ebenso wenig Erfolgserlebnis wie der seines Nachfolgers Matthias Platzeck, als der den SPD-Vorsitz übernahm. Nach nur fünf Monaten schmiss Platzeck hin und ging nach Potsdam zurück.

Kampf dem Krebs: "Wir haben noch so viel vor”

Stolpe kämpft seit vielen Jahren gegen Darmkrebs, seine Frau Ingrid Stolpe gegen Brustkrebs. "Wir haben noch so viel vor“, heißt ein Buch, in dem Ingrid und Manfred ihren gemeinsamen Kampf gegen den Krebs schildern und anderen Betroffenen Mut machen wollen. Laut Ministerpräsident Matthias Platzeck, der ihn gelegentlich besuche, mache Stolpe aber einen sehr guten Eindruck. Im kommenden Jahr feiert Stolpe seinen 75. Geburtstag.

Im nächsten Kapitel lassen wir Stolpe-Nachfolger Matthias Platzeck zu Wort kommen, durchaus selbstkritisch, angriffslustig – und ebenfalls brandenburgisch pragmatisch.

Ewald König, Chefredakteur von EURACTIV.de, war zu Zeiten der Wende Deutschland-Korrespondent der österreichischen Zeitung DIE PRESSE. Für die Leser von EURACTIV schildert er in einer Serie, was er vor zwanzig Jahren erlebt hat.

Copyright: Ewald König. Abdruck nur nach Genehmigung durch den Autor. Kontakt: Ewald König • Postfach 080 535 • 10005 Berlin • Mail: [email protected] oder [email protected]

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Landeszentrale für politische Bildung: Geschichte Brandenburgs seit 1990

Videodokument (9 min) von Ralph Ulbrich: Straßenbahnfahrt durch Potsdam (Linie 6 vom Platz der Einheit zur Kastanienallee) im Sommer 1990 zeigt den Zustand der Stadt.  

Videodokument (4 min) von Ralph Ulbrich: Straßenbahnfahrt durch Potsdam (Linie 6 von Auf dem Kiewitt zum Platz der Einheit) im Sommer 1990 zeigt den Zustand der Stadt.

Videodokument (9 min): Hausbesetzerszene Gutenbergstraße

Audio-Guide „Potsdam im Gehörgang“

Homepage Gutenbergstraße in der Potsdamer Innenstadt

Buch von Ingrid und Manfred Stolpe: „Wir haben noch so viel vor“

Homepage Gedenkstätte Lindenstraße (bis 1989 Stasi-Gefängnis)

Information Ehemaliges KGB-Gefängnis Leistikowstraße