Energiekommissar Dan Jørgensen: Details für Zustimmung der EU-Abgeordneten notwendig
Der Däne Dan Jørgensen hat bereits eine beeindruckende Reihe von Titeln und Auszeichnungen gesammelt. Um den Posten des Energiekommissars zu übernehmen, muss er bei der Anhörung im EU-Parlament am Dienstag (5. November) jedoch Konzentration und Detailgenauigkeit beweisen.
Der Däne Dan Jørgensen hat bereits eine beeindruckende Reihe von Titeln und Auszeichnungen gesammelt. Um den Posten des Energiekommissars zu übernehmen, muss er bei der Anhörung im EU-Parlament am Dienstag (5. November) jedoch Konzentration und Detailgenauigkeit beweisen.
Jørgensen wird der nächsten Kommission politisches Gewicht verleihen. Der dänische Sozialdemokrat verfügt über mehr als sechs Jahre Erfahrung als Minister auf nationaler Ebene. Derzeit ist er Minister für Entwicklungszusammenarbeit und globale Klimapolitik. Zu seinen früheren Aufgabenbereichen gehörten Landwirtschaft, Energie und Ernährung.
Er war außerdem für zwei Amtszeiten (2004 bis 2013) Mitglied des Europäischen Parlaments, wovon er zwei Jahre als stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses des Parlaments (ENVI) tätig war.
Es sind jedoch seine Erfahrungen außerhalb der Politik, die ihn in den wöchentlichen Sitzungen des Kollegiums der Kommissare auszeichnen könnten.
Jørgensen ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher und moderiert einen populären Podcast mit dem Titel „Planet A“. Darüber hinaus ist er dank einer Reihe wichtiger Beziehungen zu dänischen Models und einem Influencer kein Unbekannter in den Boulevardzeitungen.
Das Klima über alles
Trotz seiner vielfältigen Interessen gibt es jedoch ein konstantes Thema in Jørgensens Arbeit – das Klima.
Nach den globalen COP15-Gesprächen 2009 in Kopenhagen, die allgemein als Enttäuschung empfunden wurden, stellte sich der damalige Europaabgeordnete Jørgensen gegen die vorherrschende Stimmung des Pessimismus. Er forderte einen neuen Vorstoß bei der nächsten COP in Cancún, Mexiko, und erklärte vor dem Plenum des Parlaments, dass „es verrückt wäre, unsere Ansprüche nicht zu erhöhen“.
Im Einklang mit seiner überschwänglichen Persönlichkeit betont Jørgensen stets die positiven Aspekte des Klimaschutzes, anstatt mit den Herausforderungen zu verweilen.
Im September 2022 forderte Jørgensen bei einer Rede zum Auftakt einer Initiative zur Dekarbonisierung des dänischen Inlandsflugverkehrs sein Publikum auf, sich eine Welt vorzustellen, in der das Fliegen kein schlechtes Gewissen mit sich bringt. Dabei nannte er dies „eine ziemlich fantastische Vision“.
Seine optimistische Weltanschauung konnte sich jedoch nicht immer in der Realität durchsetzen.
In seiner Rede vor dem Straßburger Plenum im Oktober 2008 sagte der junge Jørgensen voraus, dass „die Europäer in zehn bis 20 Jahren ein ganz anderes Umweltbewusstsein haben werden als heute“. Er glaubte „absolut“, dass „bis dahin die Idee, Steuergelder […] für den Kauf von etwas zu verwenden, das nicht umweltfreundlich ist, unvorstellbar sein wird“.
Sehr beliebt
Jørgensens grüne Überzeugungen dürften bei seiner Anhörung vor den Europaabgeordneten heute Nachmittag kein Problem darstellen. Der Däne gehört fest zum Lager des „grünen Wachstums“ und ist daher für die zentralistische Koalition in der Kammer politisch angemessen.
CDU-Politiker Peter Liese, unter den Konservativen einer der führenden EU-Abgeordneten für Klimapolitik, ist ein Fan. „Er ist ein guter Kerl. Ich mag ihn“, sagte Liese letzte Woche auf einer Pressekonferenz in Brüssel und beschrieb Jørgensen als „sehr, sehr pragmatisch, sehr kommunikativ“.
Diesen Pragmatismus hat der Däne bereits vor der Anhörung am Dienstag zu seinem Vorteil genutzt. Jørgensen, welcher der Kernenergie traditionell sehr skeptisch gegenübersteht, hat in seiner Antwort auf schriftliche Fragen des Parlaments einen weitaus versöhnlicheren Ansatz gewählt.
Diese Kehrtwende dürfte ihm den Weg zu den vielen Europaabgeordneten des Parlaments, die die Kernenergie unterstützen, ebnen.
Ein Kritikpunkt an Jørgensen ist, dass er sich zwar durch starke Kommunikation auf hoher Ebene und große Gesten auszeichnet, jedoch erst später auf die Details eingeht.
So leitete er beispielsweise im Jahr 2020 die Bemühungen, ein nationales Emissionsreduktionsziel von 70 Prozent für 2030 festzulegen, wobei zu diesem Zeitpunkt noch unklar war, wie dies in der Praxis umgesetzt werden sollte.
Dieser Ansatz mag ihm bei der Politikgestaltung zugutekommen – die anschließenden Steuerreformen und ein CO2-Preis in der Landwirtschaft bedeuten, dass das 70-Prozent-Ziel Dänemarks durchaus erreicht werden kann –, aber bei der heutigen Anhörung wird sich Jørgensen im Vorfeld um die Details kümmern müssen.
Grüner Spickzettel
Die Dienststellen der Kommission haben einen umfassenden, einen 85-seitigen „Spickzettel“ bereitgestellt, um Jørgensen bei der Vorbereitung auf seine Anhörung zu unterstützen. Der Däne muss sich darauf konzentrieren, dieses Briefing in- und auswendig zu kennen, insbesondere im Hinblick auf das Dossier zum Wohnungswesen, wo Quellen Euractiv mitteilen, dass sein Wissen verstärkt werden muss.
Jørgensen hat berühmterweise in einem Facebook-Video die Dänen dazu ermutigt, mehr Gemüse in ihre Fleischbällchen zu füllen. In der Anhörung werden die Europaabgeordneten hingegen weniger Füllung und mehr Fleisch wollen.
[Bearbeitet von Martina Monti/Kjeld Neubert]