Maltesische Sprache: EU-Parlamentschefin und Maltas Premier im Streit
Maltas sozialdemokratischer (S&D) Premierminister Robert Abela und die Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola, die der oppositionellen Nationalistischen Partei (EVP) des Landes angehört, liefern sich einen Schlagabtausch über eine jahrzehntealte Debatte über die Verwendung der maltesischen Sprache in der Institution.
Maltas Premierminister Robert Abela und die Präsidentin des EU-Parlaments Roberta Metsola liefern sich derzeit einen heftigen Schlagabtausch. Es geht um eine jahrzehntealte Debatte über die Verwendung der maltesischen Sprache in Brüssel.
In einem Schreiben des Sozialdemokraten Abela an Metsola, die der oppositionellen Nationalistischen Partei (EVP) des Landes angehört, wird kritisiert, dass die Parlamentspräsidentin sich nicht stärker für ihre Muttersprache einsetze. Außerdem wird sie beschuldigt, sich nicht für faire Arbeitsbedingungen für Dolmetscher zu engagieren, wie Euractiv in dem Brief erfahren konnte.
Metsola behauptet indessen, sie habe Abela zuvor bereits um Hilfe bei der Lösung des Problems gebeten und ihn aufgefordert, daraus keine parteipolitische Angelegenheit zu machen.
In Abelas Schreiben heißt es: „Das Hauptproblem hängt mit den Arbeitsbedingungen dieser Dolmetscher zusammen, und deshalb können Sie direkt eingreifen, damit das Europäische Parlament die Situation sofort verbessern kann.“
Die internen Bestimmungen des Parlaments sehen vor, dass Dokumente in alle 24 Amtssprachen der EU übersetzt werden müssen und dass alle Abgeordneten das Recht haben, mit Unterstützung von Dolmetschern in einer der Amtssprachen zu sprechen.
Maltesisch und Irisch-Gälisch sind von diesen Bestimmungen ausgenommen, da das Parlament argumentiert, es fehle an ausgebildeten Fachkräften.
Im vergangenen Dezember hat die Führung des Europäischen Parlaments, darunter auch die aus Malta stammende Parlamentspräsidentin Roberta Metsola, beschlossen, die Ausnahmeregelung zu verlängern und damit den Status quo seit 2004 zu bestätigen.
Das Parlament und Metsola argumentieren, dass die Entscheidung aufgrund eines Mangels an Dolmetschern getroffen wurde – ein Umstand, der seit etwa 20 Jahren bekannt ist. Damals, vor dem Beitritt Maltas zur EU, wurde das Problem erkannt und die EU-Institutionen versuchten erfolglos, kurzfristige Lösungen zu finden.
Im Jahr 2005 weigerte sich der damalige Premierminister Joseph Muscat, weiterhin vor dem Europäischen Parlament zu sprechen, weil es an maltesischen Dolmetschern mangelte. Eine ähnliche Szene wiederholte sich 2023 mit Agius Saliba und dem oppositionellen Europaabgeordneten David Casa.
Im Jahr 2014 versprach der damalige parlamentarische Sekretär der maltesischen Labour-Partei für die EU-Ratspräsidentschaft, Ian Borg, in einem Meinungsbeitrag, neue Mitarbeiter auszubilden und zu fördern, um die damals 40 freien Stellen in Brüssel zu besetzen.
Dies ist jedoch nicht geschehen. Zehn Jahre später, ohne dass in der Zwischenzeit neue Mitarbeiter eingestellt wurden, behauptet die maltesische Regierung, der Mangel an Dolmetschern sei das Ergebnis der schlechten Arbeitsbedingungen im Europäischen Parlament.
20 Jahre altes Problem
Abela schreibt, er hätte sich gewünscht, über Metsolas Absicht, die Ausnahmeregelung zu verlängern, informiert zu werden. Er hätte außerdem eine Diskussion zu dem Thema gewünscht. „Man hätte erwartet, dass, wenn die Situation einem ein Anliegen ist, die Diskussion beginnt, bevor die Entscheidung getroffen wird, und nicht danach.“
Auf die Kritik reagierte Metsola in den maltesischen Medien. Sie „appelliert erneut an den Premierminister, mit seinen traurigen Parteispielen aufzuhören, um die Aufmerksamkeit von den Streitigkeiten in seiner Partei abzulenken und eine Lösung zu finden […] und vielleicht auf ein Schreiben zu antworten, das seit sechs Wochen vorliegt.“
Die Parlamentspräsidentin bezog sich auf ein Schreiben, das sie Anfang Februar an Abela geschickt hatte. Darin hatte sie auf die Schwierigkeiten hingewiesen, maltesische Dolmetscher und Übersetzer zu finden.
Sie erklärte: „Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, und es war mir ein Bedürfnis zu sagen, dass das Europäische Parlament bereit ist, alles zu tun, um diese Probleme zu lösen.“
Sie fügte hinzu, dass das Parlament bereit sei, „die Zusammenarbeit“ mit der maltesischen Regierung zu „verstärken“ und „nachhaltige Wege [zu] finden, um die Verfügbarkeit von Maltesern, die im Dolmetschen und Übersetzen ausgebildet sind, zu erhöhen.“
Arbeitsbedingungen oder Personalknappheit?
Derzeit gibt es 28 maltesische Dolmetscher für alle EU-Institutionen, von denen drei Viertel regelmäßig im Parlament arbeiten, allerdings sind alle Freiberufler.
Laut dem maltesischen Europaabgeordneten Cyrus Engerer, der Abelas regierender sozialdemokratischer Partei angehört, erhalten diese Freiberufler nur wenig Arbeit außerhalb der viertägigen Plenarsitzungen jeden Monat. Das mache es schwierig, Leute anzuwerben, sagte er Euractiv.
Sein Kollege Alex Agius Saliba schloss sich seinen Ausführungen an. Er erklärte, es gebe massive Probleme aufgrund der Freiberufler-Situation im Parlament. Er fügte außerdem hinzu: „Wie kann es sein, dass wir nicht genügend maltesische Dolmetscher gefunden haben?“
Der Europaabgeordnete David Casa von Metsolas Partei erklärte gegenüber der Times of Malta, dass es notwendig sei, Anreize zu schaffen und die Dolmetscherausbildung zu unterstützen, um mehr Mitarbeiter für diesen Beruf zu gewinnen.
Der maltesischen Regierung steht jedoch ein schwieriger Weg bevor, da nur etwa 530.000 Menschen Maltesisch sprechen und Englisch nach wie vor eine Amtssprache ist.
Versuche, das Problem zu entschärfen, einschließlich einer Partnerschaft mit der Universität von Malta, haben bisher keine Lösung gebracht.
[Bearbeitet von Aurélie Pugnet/Alice Taylor/Kjeld Neubert]