Macrons Sieg hängt von den linken Wählern ab

Alle aktuellen Meinungsumfragen sowie die Ergebnisse der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen deuten auf einen Sieg von Emmanuel Macron hin.

/ EURACTIV.com
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DSC00821 [[Photo by Sarantis Michalopoulos]]

Alle aktuellen Meinungsumfragen sowie die Ergebnisse der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen deuten auf einen Sieg von Emmanuel Macron hin. Allerdings hängt der Sieg Macrons entschieden davon ab, ob er die Wähler der links-außen Kandidaten Jean-Luc Mélenchon für sich mobilisieren kann, oder ob diese zu seiner rechtsextremen Rivalin Marine Le Pen überlaufen.

Die jüngste Umfrage, die von Ipsos für Le Monde durchgeführt wurde, zeigt, dass Macron mit 56,5 Prozent der Stimmen einen komfortablen Sieg mit über 10 Prozentpunkten Vorsprung davon tragen könnte.

Nach den offiziellen Zahlen des französischen Innenministeriums gingen im ersten Wahlgang rund 35 Millionen Wähler zur Wahl, von denen 9.783.058 für Macron stimmten.

Wenn Macron die Hälfte der Stimmen von Mélenchons Anhängern erhält, also rund 3,8 Millionen Stimmen, dann wird Macron die 13-Millionen-Grenze überschreiten und einen komfortablen Sieg davontragen. Denn die rechtsextremen Anhänger aus der ersten Wahlrunde – sowohl jene von Marine Le Pen als auch von Éric Zemmour – verfügen zusammengenommen über nicht mehr als 11 Millionen Stimmen.

Le Pen hat im ersten Wahlgang 8.133.828 Stimmen erhalten und kommt zusammen mit Zemmour, der 2.485.226 Stimmen erhielt und versprochen hat, sie im zweiten Wahlgang zu unterstützen, auf 10.619.054 Stimmen. Allerdings dürfte Le Pen auch von einem – wenn auch geringen – Wählerstrom von anderen Parteien profitieren.

Analysten in Paris gehen davon aus, dass selbst ein Drittel der Stimmen von Mélenchon für den Macron ausreichen würde, wenn die Wähler der Mitte-Rechts-Partei Valérie Pécresse alle für Macron stimmen würden. Pécresse erhielt im ersten Wahlgang 1.679.000 Stimmen.

Die linke Tageszeitung La Libération rief in ihrer Ausgabe vom 23. und 24. April auf ihrer Titelseite die linken Wähler auf, „gegen die extreme Rechte und für Macron“ zu stimmen.

Macron kann sich auch auf die 1,6 Millionen Stimmen des Grünen Yannick Jadot verlassen, der Anfang der Woche sagte: „Wählt Macron ohne Zögern, ohne Zweideutigkeit, in aller Klarheit“.

Die 1,1 Millionen Wähler der unabhängigen Partei Résistons! sind Macron allerdings nicht sicher. Denn deren Spitzenkandidat aus der ersten Wahlrunde, Jean Lassalle, hat angekündigt, ungültig wählen zu wollen und seinen Wählern empfohlen, dasselbe zu tun.

Eine Quelle aus Macrons La République en Marche sagte EURACTIV in Paris, dass ein „klarer Sieg Macrons in der zweiten Runde den Weg für einen durchschlagenden Sieg bei den Parlamentswahlen im Juni ebnen wird“.

„Ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird es der extremen Rechten ermöglichen, auf einen Sieg im Juni zu hoffen“, so die Quelle weiter.