Macron verteidigt mögliche Beschränkungen für Videospiele nach Online-Protesten
Macron argumentiert, dass die zunehmende Gewalt unter jungen Menschen teilweise mit der zunehmenden Konfrontation mit gewalttätigen Inhalten im Internet und in Videospielen zusammenhänge.
Der französische Präsident Emmanuel Macron verteidigte am Samstag Pläne, eine Untersuchung zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Videospielen einzuleiten, nachdem er damit im Internet heftige Reaktionen ausgelöst hatte.
„Ich habe (wieder einmal) die Gamer verärgert…“, schrieb Macron in den sozialen Medien und fügte hinzu, dass er eine „ernsthafte Debatte“ eröffnen wolle und zu einer Diskussion ohne voreilige Schlussfolgerungen aufrufe.
Anfang dieser Woche erklärte Macron gegenüber dem französischen Medienunternehmen Brut, er werde eine wissenschaftliche Untersuchung zu den Auswirkungen von Videospielen auf Minderjährige in Auftrag geben, deren Ergebnisse bis Mai oder Juni vorliegen sollen. Er sagte, mögliche Einschränkungen könnten nicht ausgeschlossen werden, wenn Experten die Auswirkungen als schädlich einstufen würden.
Macron betonte am Samstag, dass kein Verbot angekündigt worden sei, ließ jedoch die Möglichkeit offen, dass die Untersuchung zu Einschränkungen führen könnte.
Macron argumentierte, dass die zunehmende Gewalt unter jungen Menschen teilweise mit der zunehmenden Konfrontation mit gewalttätigen Inhalten im Internet und in Videospielen zusammenhänge. Seine Äußerungen folgten auf eine Messerattacke eines Schülers auf einen Kunstlehrer in Südfrankreich am Dienstag.
Untersuchung über gewalttätige Inhalte hinaus erweitern
Der französische Präsident versuchte auch, den Umfang der vorgeschlagenen Untersuchung über gewalttätige Inhalte hinaus zu erweitern. „Was die körperliche Gesundheit, insbesondere die Augengesundheit, und die psychische Gesundheit angeht, ist es eindeutig ein Problem, das angegangen werden muss, wenn junge Menschen aufgrund exzessiven Spielens nicht mehr nach draußen gehen“, schrieb er.
Der französische Verband der Videospielindustrie SNJV erklärte am Freitag in einer Stellungnahme, dass „Abkürzungen im Jahr 2026 nicht mehr akzeptabel sind“, und beklagte ein „tiefgreifendes Unverständnis“ gegenüber der Branche.
Experten, die auf Macrons Äußerungen reagierten, wiesen ebenfalls darauf hin, dass jahrzehntelange Studien und Untersuchungen keinen kausalen Zusammenhang zwischen gewalttätigen Videospielen und gewalttätigem Verhalten nachweisen konnten.
Auf EU-Ebene nehmen politische Entscheidungsträger den Videospielsektor unter die Lupe, wobei der Schwerpunkt jedoch eher auf dem Verbraucherschutz als auf der Gesundheit liegt. Das bevorstehende Gesetz zur digitalen Fairness könnte sich mit sogenannten „Lootboxen“ und anderen Designmerkmalen befassen, die wegen ihrer Suchtgefahr in der Kritik stehen.
(cs)