Macron setzt auf Weizendiplomatie mit Marokko

Bei einem offiziellen Besuch bemühte sich der französische Präsident Emmanuel Macron, die landwirtschaftlichen Beziehungen zu Marokko zu stärken. Der Wettbewerb um Weizenlieferungen hat nicht nur für Frankreich geopolitische Folgen.

EURACTIV.com
French President Macron state visit to Morocco
„Wir müssen mehr produzieren“, sagte Macron (Bild L.) auf einer Konferenz über Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft in Rabat. [EPA-EFE/Maghreb Arabe Presse ]

Bei einem offiziellen Besuch bemühte sich der französische Präsident Emmanuel Macron, die landwirtschaftlichen Beziehungen zu Marokko zu stärken. Der Wettbewerb um Weizenlieferungen hat nicht nur für Frankreich geopolitische Folgen.

Macron ist der erste EU-Staats- und Regierungschef, der nach Marokko reist, nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) am 4. Oktober, das Fischerei- und Landwirtschaftsabkommen zwischen der EU und Marokko für nichtig erklärt hat.

Das große Finale von Macrons dreitägiger diplomatischer Reise nach Marokko am Mittwoch (30. Oktober), war ein Tag im Zeichen der Landwirtschaft. Diese Schwerpunktlegung, spielt die Bedeutung des Sektors für die nationale Außenpolitik wieder.

„Wir müssen mehr produzieren“, sagte Macron auf einer Konferenz über Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft in Rabat vor französischen und marokkanischen Interessenvertretern. Zuvor hatte er die „De-Growth“-Berichte über die Lebensmittelproduktion kritisiert, die in den letzten Jahren von europäischen „Experten“ vertreten wurden.

Vor diesem Hintergrund bekräftigte Macron die strategische Rolle der Landwirtschaft bei der Überbrückung des nördlichen und südlichen Mittelmeers und die Notwendigkeit, an „Komplementarität“ insbesondere bei Getreide zu arbeiten.

„Wir haben eine große Verantwortung, weil wir hier produzieren können“, sagte Benoît Piétrement, Präsident der Getreideindustrie (Intercéréales) und einziger Vertreter des Produktionssektors in der französischen Delegation.

Der Branchenvertreter bezeichnete Marokko zudem als „Tor zu Afrika“ für Exporte.

Russischer Einfluss

Während die Weizenernte in Marokko aufgrund von Dürre seit mehreren Jahren zurückgeht, ist Frankreich seit langem Marokkos bevorzugter Partner auf dem Getreidemarkt. Heute noch stammen 55 Prozent des von Marokko importierten Weizens aus Frankreich. Deutschland ist der zweitgrößte Lieferant.

Algerien war ebenfalls ein großer Abnehmer, doch die wachsenden diplomatischen Spannungen – im Zusammenhang mit den sich verstärkenden Beziehungen zwischen Paris und Rabat – drängen algerische Einkäufe nach Russland.

Frankreich sieht nach einem Jahr schlechter Ernten in Europa dasselbe Risiko für Marokko. Laut der Fachzeitschrift Maroc Diplomatique haben die russischen Importe bereits im April 2024 begonnen.

„Wir können davon ausgehen, dass wir weniger Getreide nach Marokko schicken werden als in den Vorjahren“, sagte Philippe Heusele, Vorsitzender des Ausschusses für internationale Beziehungen von Intercéréales, gegenüber Euractiv. Seiner Meinung nach wird Frankreich höchstwahrscheinlich nicht in der Lage sein, das Exportniveau des letzten Jahres (2,470 Millionen Tonnen) zu erreichen.

Es ist jedoch nicht klar, ob die französischen Getreideproduzenten von Moskau Exporten überholt werden, schließlich nimmt auch die Verfügbarkeit von russischem Weizen ab.

Laut Heusele „sind die Importe das ganze Jahr über möglich, sodass der beste Bieter mit spezifischen Qualitätskriterien den Zuschlag erhält.“

„Russland wird zu Beginn des Bieterkampfs sehr präsent sein, aber wir können davon ausgehen, dass sich dies ab Dezember ändern wird“, prognostizierte er. Aus diesem Grund hat Macron die Branche nach Marokko eingeladen.

„Für Frankreich ist es wichtig zu zeigen, dass es Möglichkeiten hat […] und in den kommenden Jahren ein zuverlässiger Lieferant sein kann“, sagte Heusele.

Getreide für Düngemittel

In den letzten Tagen wurden zwei Vereinbarungen zur Förderung von Forschung und Innovation unterzeichnet.

Für Frankreich soll aus Partnerschaften in den Bereichen Robotik, Genetik, Bewässerungsmodelle und Verbesserung des Bodenwissens eine „kleine Revolution“ entstehen.

Neben Technologie kann Frankreich auch Getreide für Marokko produzieren. Im Gegenzug dazu kann Marokko Düngemittel liefern, da es 70 Prozent der weltweiten Phosphatreserven besitzt.

„Es ist eine Win-win-Situation“, sagte Piétrement.

[Bearbeitet von Angelo Di Mambro/ajnish Singh/Kjeld Neubert]