Luftverschmutzung: Italienische Städte reißen konstant Grenzwerte
Italiener:innen sind ständig Luftverschmutzung ausgesetzt, die weit über den festgelegten Grenzwerten liegt und eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit darstellt, so eine neue Studie.
Italiener:innen sind ständig Luftverschmutzung ausgesetzt, die weit über den festgelegten Grenzwerten liegt und eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit darstellt, so eine neue Studie.
„Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die Gesundheit der Bürger:innen zu schützen“, betonte der Präsident von Legambiente, Stefano Ciafani, anlässlich der Veröffentlichung des Berichts am Montag (30. Januar).
„Es müssen wirksame und integrierte Maßnahmen eingeführt werden, die die verschiedenen Smogquellen angehen, von der Mobilität bis zur Beheizung von Gebäuden, von der Industrie bis zur Landwirtschaft“, fügte Ciafani. Legambiente ist die größte italienische Umwelt-NGO.
Italien hat eine der höchsten Luftverschmutzungsraten in Europa, wobei der größte Anteil der vorzeitigen Todesfälle auf Feinstaub (PM2,5) und Stickstoffdioxid (NO2) zurückzuführen ist. Das Land führt die EU-Rangliste mit 59.500 beziehungsweise 21.600 Todesfällen an, so die Daten der Europäischen Umweltagentur aus dem Jahr 2022.
Von den 95 im Bericht enthaltenen italienischen Städten, überschritten 29 die geltenden Grenzwerte für Feinstaub (PM10) – mit einem Tagesdurchschnitt von mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an mehr als 35 Tagen im Jahr.
Am schlechtesten schnitt die Stadt Turin im Piemont ab, die an 98 Tagen die zulässigen Grenzwerte überschritt, gefolgt von Mailand mit 84 Tagen. In Asti, Modena, Padua und Venedig wurden die Grenzwerte an 70 Tagen überschritten, also mehr als doppelt so lange wie erlaubt.
Zu langsamer Fortschritt
Und neue, strengere, Standards sind bereits in Arbeit. Die europäische Luftqualitätsrichtlinie wird derzeit überarbeitet und soll bis 2030 in Kraft treten. Dann würden 76 Prozent der italienischen Städte den PM10-Grenzwert, 84 Prozent den PM2,5-Grenzwert und 61 Prozent den NO2-Grenzwert überschreiten.
„Die italienischen Städte werden sich anstrengen müssen, um die neuen Grenzwerte in den nächsten sieben Jahren einzuhalten, vor allem wenn man bedenkt, dass die bisher verzeichneten Trends zur Verringerung der Luftverschmutzung nicht ermutigend sind“, erklärte Andrea Minutolo von Legambiente.
Nach Ansicht der NGO ist der italienische Abwärtstrend bei den Schadstoffwerten mit einer durchschnittlichen jährlichen Senkung von 2 Prozent bei PM10 und 3 Prozent bei Stickstoffdioxid zu langsam.
Die säumigen Städte werden daher dringend aufgefordert, ihre Schadstoffkonzentration bis 2030 zu senken, doch angesichts der in den letzten 10 Jahren verzeichneten Trends dürfte es im Durchschnitt 17 Jahre dauern, bis die Ziele erreicht werden – in extremen Fällen sogar bis zu 40 Jahre, erklärt die Studie.
Dabei hat Luftverschmutzung direkten Einfluss auf die menschliche Gesundheit und führt zu schweren Erkrankungen wie Asthma, Atemwegsinfektionen, Herzerkrankungen, Schlaganfällen, Bronchitis und Krebs.
Darüber hinaus wirkt sich Luftverschmutzung negativ auf die Natur und die biologische Vielfalt in Europa aus, zum Beispiel durch Versauerung und Eutrophierung von Gewässern, sie schädigt landwirtschaftliche Kulturen, die natürliche Vegetation sowie historische Gebäude und Denkmäler.
Um dem entgegenzuwirken, schlägt der Bericht einige Lösungen für lokale und nationale Behörden vor, wie zum Beispiel Nullemissionsgebiete in Städten, Anreize für die energetische Sanierung von Gebäuden und die Stärkung des öffentlichen Transports und der gemeinsamen Mobilität.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]