Litauischer Grenzschutz beklagt mangelnde Ausstattung mit Waffen

Die Gewerkschaften der litauischen Grenzschutzbeamt:innen beklagen, dass sie mit alten, unzuverlässigen Kalaschnikows bewaffnet und nicht ausreichend mit Munition versorgt seien.

LRT.lt
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Rustamas Liubajevas, der Kommandeur des Grenzschutzdienstes (VSAT), bestreitet, dass die Grenzschutzbeamt:innen nicht mit Munition versorgt würden. Aber er gibt zu, dass es nicht ausreicht. [[D. Umbrasas/LRT]]

Die Gewerkschaften der litauischen Grenzschutzbeamt:innen beklagen, dass sie mit alten, unzuverlässigen Kalaschnikows bewaffnet und nicht ausreichend mit Munition versorgt seien.

Im Falle einer ausländischen Invasion wären die Grenzschutzbeamt:innen jedoch die erste Verteidigungslinie, betonen die Gewerkschaften.

Schießen ist ein wichtiger Teil der Ausbildung der Grenzschützer:innen, wobei die wichtigste Waffe die Pistole ist.

Die Gewerkschaften haben sich nun bei Abgeordneten der Opposition darüber beklagt, dass im Falle eines Angriffs aus Belarus nicht genügend Waffen zur Verfügung stehen würden.

„Die Grenzschützer:innen kommen [zu uns] und sagen: Wir sind Staatsbedienstete, wir können nicht offen reden, aber hört zu – wir sind 4.000 Grenzschützer:innen und sie haben uns 200 automatische Gewehre gegeben. Aber sie stellten uns keine Munition zur Verfügung. Wie sollen wir die Grenze verteidigen oder auch nur 25 Minuten gegen den Feind aushalten, bevor das Verteidigungsministerium in Aktion tritt“, sagte der Abgeordnete Jonas Pinskus von der Litauische Partei der Regionen.

Rustamas Liubajevas , der Kommandeur des Grenzschutzdienstes (VSAT), erklärte, dass es sich bei den fraglichen Waffen um deutsche G-36-Automatikgewehre handle, die den NATO-Standards entsprächen und jetzt für die Ausbildung verwendet würden. Er bestreitet, dass die Grenzschutzbeamt:innen nicht mit Munition versorgt würden.

Liubajevas räumte jedoch ein, dass die Vorräte nicht ausreichend seien.

„Für eine kleine Anzahl von automatischen Gewehren oder automatischen Waffen haben wir nur eine bestimmte Menge an Munition. Wenn wir über die Zukunft sprechen, werden wir definitiv mehr brauchen“, sagte Liubajevas gegenüber dem nationalen Medium LRT TV.

Nach Angaben des VSAT-Kommandeurs verfügen seine Beamt:innen über genügend Pistolen. Auch die Grenzschützer:innen verfügen demnach über ausreichend Kalaschnikows und Munition.

Diese Gewehre seien jedoch veraltet und minderwertig, so ein Gewerkschaftsvertreter.

„Sie können sich ein automatisches Gewehr vorstellen, das so alt ist wie ich selbst, also weit über 50 Jahre“, erklärte Rimantas Liepa von der Grenzschutzgewerkschaft. „Vielleicht wird es schießen, aber es ist nicht klar, ob es gut schießen wird. Es ist nicht so, dass die Grenzschutzbeamt:innen mit Hämmern herumlaufen werden – sie sind zwar bewaffnet, aber nicht annähernd gut genug.“

Der Abgeordnete Laurynas Kasčiūnas, Vorsitzender des parlamentarischen Ausschusses für nationale Sicherheit und Verteidigung, schildert seine eigene Version der Gründe für diese Entwicklung.

„Es sollte eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Militär und dem System für innere Angelegenheiten geben, denn im Falle des Kriegsrechts ist die Struktur des Innenministeriums Teil der Streitkräfte, insbesondere wenn es um den Grenzschutz geht. Es ist selbstverständlich, dass sie nicht als eine Art jüngere Cousins, sondern als Brüder von nebenan gesehen werden“, sagte Kasčiūnas gegenüber LRT TV.

Der litauische Militärchef ist jedoch der Ansicht, dass es nicht notwendig sei, die Grenzschützer:innen übermäßig zu bewaffnen.

„Ich bin der Meinung, dass diese Stellen in Friedenszeiten ihre unmittelbare Funktion wahrnehmen sollten, während das Militär sich auf die bewaffnete Verteidigung des Landes vorbereiten sollte“, sagte Armeechef Valdemaras Rupšys.

Kasčiūnas versicherte derweil, dass die Grenztruppen bis Ende des Jahres über 2.000 NATO-konforme automatische Waffen verfügen werden.

„Die Situation im Hinblick auf automatische Waffen war allen sehr gut bekannt, wir haben ständig darüber gesprochen – lange Zeit wurde wenig oder gar nichts getan, um die Lage zu ändern. In diesem Jahr haben wir einen Durchbruch erzielt, indem wir Haushaltsmittel bereitgestellt und mit der Beschaffung begonnen haben. Es handelt sich um ein sehr großes Paket von Waffen“, sagte VSAT-Chef Liubajevas.

Laut den geltenden Vorschriften müssten alle 4.000 Grenzschutzbeamt:innen mit automatischen Waffen ausgestattet sein, so Liubajevas.

„Wir hoffen, dass wir das Projekt zur Bewaffnung des staatlichen Grenzschutzes im nächsten Jahr vollständig umsetzen können, aber das wird wiederum von der Marktlage abhängen. Die westliche Waffenindustrie ist derzeit mit ihren Bestellungen im Verzug“, fügte Liubajevas hinzu.