Litauen schließt Atomkraftwerk aus Sowjet-Ära [DE]
Litauen hat letzte Woche das Atomkraftwerk in Ignalina geschlossen, was zu Befürchtungen über eine erhöhte Abhängigkeit von Russland sowie über einen weiteren Schlag für die bereits krisengeschüttelte Wirtschaft führte.
Litauen hat letzte Woche das Atomkraftwerk in Ignalina geschlossen, was zu Befürchtungen über eine erhöhte Abhängigkeit von Russland sowie über einen weiteren Schlag für die bereits krisengeschüttelte Wirtschaft führte.
Der baltische Staat schaltete am Donnerstag (31. Dezember) den letzten Reaktor des Ignalina-Kraftwerks ab.
Litauen hatte einer Stilllegung des Kraftwerks bei seiner Einigung über den Beitritt zur Europäischen Union zugestimmt. Das Kraftwerk verfügt über dieselbe Art von Reaktoren wie das in Tschernobyl, Ort des schlimmsten Atomunfalls 1986.
Einige Beobachter haben steigende Strompreise vorhergesagt, die der Wirtschaft einen weiteren Schlag versetzen könnten, sowie eine stärkere Abhängigkeit von Stromlieferungen aus Russland.
Doch Ministerpräsident Andrius Kubilius war gelassen.
„Es wird nach der Schließung keine Katastrophe geben. Wir sind dazu in der Lage, so viel Strom wie nötig bereitzustellen“, sagte er gegenüber Reuters.
„Als anständige Europäer sind wir bereit, unseren Verpflichtungen zur Schließung des Ignalina-Kraftwerks gemäß Zeitplan nachzukommen, der eine Stilllegung bis zum Ende dieses Tages vorsieht“, fügte er hinzu.
Litauen ist nach Frankreich das Land mit dem weltweit höchsten Anteil an Kernkraft bei der Stromgewinnung. Der Anteil liegt bei über 70%.
Energieminister Arvydas Sekmokas sagte, der Großteil des nach der sofortigen Stilllegung von Ignalina benötigten Stroms werde vom Elektrenai-Kraftwerk, das mit fossilen Brennstoffen betrieben wird, produziert und aus den Nachbarstaaten Estland und Lettland importiert werden.
Stromeinfuhren aus der Ukraine, Weißrussland und Russland sind ebenfalls geplant. Litauen wird außerdem zur Stromerzeugung mehr Gas aus Russland importieren müssen.
Russland ist bisher ein zuverlässiger Gaslieferant für alle drei baltischen Staaten gewesen, aber Moskaus Streitigkeiten mit der Ukraine über die Gasversorgung haben in Litauen ebenfalls zu Bedenken über die Versorgung geführt.
„Durch die nach der Schließung von Ignalina verstärkte litauische Abhängigkeit von importiertem Erdgas … steigen die importabhängigen Risiken eindeutig an“, stellte die führende Bank Swedbank in einem Bericht fest.
Ignalina besitzt die einzigen Reaktoren außerhalb Russlands vom gleichen Typ, der in Tschernobyl verwendet wurde. Es schloss einen seiner Reaktoren Ende 2004.
Litauen plant den Bau eines weiteren Kernkraftwerks, jedoch nicht vor 2018-2020.
Die Regierung hat mitgeteilt, dass die Stromrechnungen für Haushalte von 2010 an um ein Drittel steigen würden. Analysten haben vorausgesagt, dass die Stilllegung das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 1 bis 1,5 Prozentpunkte senken sowie einen Prozentpunkt zur Inflation beitragen könnte.
Dies wird zu einer Zeit geschehen, da eine Schrumpfung des BIP um 15,2% für dieses Jahr und um 4% für 2010 erwartet wird.
„Durch den Rückgang der lokalen Energieversorgung und einen Anstieg der Preise wird eine Erholung des Wirtschaftswachstums schwieriger werden. Für einige Industriezweige und Unternehmen könnte dies das Aus bedeuten“, fügte der Swedbank-Bericht hinzu.
(EURACTIV mit Reuters)