Litauen fordert EU-Friedensmission in ukrainischem Kernkraftwerk
Der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis hat die EU aufgefordert, Gespräche über die Entsendung einer militärischen Friedensmission zum Schutz des Kernkraftwerks Saporischschja in der Ukraine, das derzeit in der Hand der russischen Streitkräfte ist, aufzunehmen.
Der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis hat die EU aufgefordert, Gespräche über die Entsendung einer militärischen Friedensmission zum Schutz des Kernkraftwerks Saporischschja in der Ukraine, das derzeit in der Hand der russischen Streitkräfte ist, aufzunehmen.
„Wir waren noch nie so nahe an einer nuklearen Katastrophe wie jetzt. Die Situation nur zu bedauern reicht wohl nicht aus“, sagte Landsbergis am Dienstag bei seiner Ankunft in Prag zu einem informellen Treffen der EU-Außenminister:innen gegenüber Reporter:innen.
„Wir sollten zur Diskussion von vor sechs Monaten zurückkehren, vielleicht sogar über eine militärische Friedenstruppe zur Gewährleistung der nuklearen Sicherheit in und um das Kernkraftwerk Saporischschja“, fügte er hinzu.
Das Kernkraftwerk, das größte in Europa, befindet sich seit Anfang März in der Kontrolle russischer Streitkräfte. In letzter Zeit kam es immer wieder zu Explosionen auf dem Gebiet des Reaktors, weshalb der Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Mariano Grossi, vor der „sehr realen Gefahr einer nuklearen Katastrophe“ warnte.
Die jüngsten Auseinandersetzungen um das Kraftwerk haben die Angst vor einer weiteren Kernschmelze in Europa, ähnlich der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986, geschürt.
Nach langen Verhandlungen mit Russland und der Ukraine, kündigte die Internationale Atomenergie-Organisation vergangenen Montag an, das umkämpfte Atomkraftwerk von Expert:innen überprüfen zu lassen.
Die Aufgabe der 14 Wissenschaftler:innen, die im Laufe der Woche auf dem Gelände eintreffen sollen, wird darin bestehen, das Ausmaß der Zerstörung und die Sicherheit der Anlage zu evaluieren.
Allerdings ist fraglich, ob die ukrainischen Mitarbeiter:innen, die für den Betrieb des Atomkraftwerkes zuständig sind, unter der russischen Besatzung offen mit dem Expertenteam über die Sicherheitslage und ihre Arbeitsbedingungen sprechen können.
In den vergangenen Wochen waren immer wieder Berichte über Folter und Gewalt gegen die Kraftwerkangestellten an die Öffentlichkeit vorgedrungen. Das Energieunternehmen Energoatom berichtet vom Verschwinden ukrainischer Mitarbeiter:innen.