LEAK: Biogas soll EU-Landwirtschaft vor Energiekrise schützen
Die Biogaserzeugung gilt als eine der wichtigsten Maßnahmen, um den angeschlagenen Agrarsektor der EU vor steigenden Energiekosten zu schützen, so ein Mitteilungsentwurf der EU-Kommission über Energiepreise.
Die Biogaserzeugung soll eine zentrale Rolle spielen, um den angeschlagenen Agrarsektor der EU vor den steigenden Energiekosten zu schützen. Das zeigt ein Mitteilungsentwurf der Europäischen Kommission über Energiepreise, der nächsten Monat veröffentlicht werden soll.
Der Mitteilungsentwurf, der EURACTIV vorliegt, blickt düster in die Zukunft. In den kommenden Jahren werden weiterhin hohe und instabile Energiepreise erwartet, was ernste Folgen für eine Reihe von Sektoren haben wird, nicht zuletzt für die Landwirtschaft.
Die Preise für Düngemittel sind im letzten Jahr um 142 Prozent gestiegen, heißt es in dem Entwurf des Dokuments. Energie und Düngemittel machen 20 Prozent der Produktionskosten in der Landwirtschaft aus.
Und diese Situation könnte sich weiter verschlechtern. Wenn die höheren Energiepreise die Düngemittelpreise weiter in die Höhe treiben, könnte dies zu geringeren Anpflanzungen, niedrigeren Erträgen und damit zu einem noch stärkeren Druck auf die Einkommen der Landwirt:innen und die Lebensmittelpreise führen, heißt es weiter.
Dadurch entstehe dem Agrarsektor ein „Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz aus Drittländern“.
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Um den Sektor gegen die steigenden Energiepreise zu wappnen, legt die Europäische Kommission den Schwerpunkt auf die Erzeugung und Speicherung von Biogas.
Biogas ist ein erneuerbarer Brennstoff, der durch die Zersetzung von organischen Stoffen wie Lebensmittelresten und tierischen Abfällen gewonnen wird.
„Angesichts der angespannten Einkommenssituation der Landwirt:innen kann die Nutzung von Biogas eine Möglichkeit für zusätzliche und diversifizierte Einkommensquellen für Landwirt:innen bieten, im Einklang mit dem Europäischen Green Deal“, heißt es in der Mitteilung. Biogas sei eine „saubere, erneuerbare und zuverlässige Energiequelle“ sowie eine neue Einkommensquelle für Landwirt:innen.
Die Nutzung von gespeichertem Biogas reduziert die Methanemissionen, kann als Quelle für Spitzenstrom genutzt werden und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern, während es gleichzeitig den grünen Wandel in der Landwirtschaft unterstützt.
Die Kommission wird daher vorschlagen, auf EU-Ebene das Ziel zu setzen, bis 2030 35 Milliarden Kubikmeter Biogas zu produzieren, heißt es in der Mitteilung.
In der Zwischenzeit sollten die Mitgliedstaaten Strategien für erneuerbare Gase verabschieden, die voll und ganz auf dieses Ziel abgestimmt sind, so der Bericht.
Um die Biogaserzeugung zu fördern, wird die Kommission die Mitgliedstaaten ermutigen, die Möglichkeiten der reformierten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu nutzen, um über ihre nationalen Strategiepläne diesbezüglich Anreize zu schaffen.
Die GAP-Direktzahlungen werden hingegen weiterhin ein „wichtiges Sicherheitsnetz“ für die Einkommen der Landwirt:innen darstellen.
Darüber hinaus schlägt die Kommission vor, im Rahmen der laufenden Überarbeitung der Vorschriften für staatliche Beihilfen die Fördermöglichkeiten für Landwirt:innen zu erhöhen, um Investitionsbeihilfen für nachhaltige Energie zu ermöglichen.
Dies würde zum Beispiel die Möglichkeit bieten, EU-Mittel für die Verwendung weniger konventioneller Düngemittel zu gewähren, die derzeit stark von den erhöhten Gaspreisen betroffen sind.
Strategische Autonomie
Langfristig sieht der Mitteilungsentwurf auch vor, dass die EU-Exekutive die Risiken und Schwachstellen, einschließlich struktureller Probleme, der EU-Lebensmittelversorgungskette und ihrer kritischen Infrastrukturen ermitteln wird.
Die Bewertung würde in die Zuständigkeit der Expertengruppe für Nahrungsmittelkontingente in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und Interessenvertreter:innen fallen. Diese werden die verschiedenen Möglichkeiten zur Bewältigung oder Abschwächung solcher Risiken und Schwachstellen untersuchen, um „unseren Grad an offener strategischer Autonomie in Bezug auf die Nahrungsmittelversorgung und die Ernährungssicherheit zu stärken“.
Eine spezielle Mitteilung über die Landwirtschaft und die Preise für Lebens- und Futtermittel soll im März 2022 vorgelegt werden, heißt es in dem Entwurf weiter.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]