„Kandidat der Finanzwelt“
Marine Le Pen verstärkte zudem bei ihrem Auftritt am Montag noch einmal ihre verbalen Attacken auf den Mitte-Links-Kandidaten Emmanuel Macron, der in der ersten Runde die meisten Stimmen eingeheimst hatte. Macron sei ein Kandidat der Finanzwelt, erklärte sie. Die Franzosen müssten gemeinsam „eine Sperre“ gegen Macron errichten, forderte sie. Mit dieser Wortwahl kehrte sie bewusst die Forderung von Politikern aller Couleur um, die für die zweite Wahlrunde am kommenden Sonntag ein parteiübergreifendes „Bollwerk“ zur Verhinderung einer Wahl von Le Pen zur Präsidentin verlangen.
Allerdings zeigt die „republikanische Front“, die im Jahr 2002 noch einen Wahlsieg von Jean-Marie Le Pen verhindert hatte, diesmal Risse. Einige der Gewerkschaften, die am Montag zu den Maidemonstrationen aufgerufen hatten, vermieden es, zwischen Macron und Le Pen klar Position zu beziehen. So rief zwar die linksgerichtete Gewerkschaft CGT dazu auf, eine „Sperre“ gegen Le Pen zu errichten. Allerdings verzichtete die CGT auf einen Wahlaufruf zugunsten des ehemaligen Investmentbankers Macron. Auch der in der ersten Runde unterlegene linksextreme Kandidat Jean-Luc Mélenchon hat sich bisher geweigert, Macron seine Unterstützung zu geben.
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In den Umfragen liegt Macron weiterhin mit Blick auf die zweite Wahlrunde am kommenden Sonntag vorn. Nach einer am Montag veröffentlichten Befragung des Instituts Opinionway kann Macron mit 61 Prozent der Stimmen rechnen, während Le Pen auf 39 Prozent kommt. Allerdings erklärte eine Mehrheit der Befragten auch, dass sich die Rechtsextreme in der vergangenen Woche im Wahlkampf besser geschlagen habe als der Kandidat der Bewegung „En Marche!“ („Auf geht’s“).
Macron trat am Montag bei einer Kundgebung im Nordosten von Paris auf. Zuvor hatte er in einem Interview mit dem Fernsehsender „France 2“ seine Kontrahentin hart angegangen. „Marine Le Pen ist eine Erbin des politischen Systems in Frankreich. Mit mir kommt dagegen ein radikaler Neuanfang“, sagte er. Die FN-Chefin lege es darauf an, Frankreich „weiter zu spalten“ und das Land aus der EU zu führen.