Landesbank LBBW streicht 2500 Stellen

Baden-Württembergs Landesbank (LBBW) steht vor einer schmerzhaften Sanierung. Die EU-Kommission hat die Bankenrettung an harte Auflagen verknüpft. Nach wilden Spekulationen an den internationalen Kapitalmärkten muss sich die LBBW auf ihr Kerngeschäft zurückbesinnen. Deutschland steht für seine Bankenrettungen bei den EU-Nachbarn in der Kritik.

Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erwartet von der LBBW einen Sanierungskurs. In der EU wächst der Unmut über die deutsche „Kultur“ der Bankenrettung. Foto: EU-Kommission.
Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erwartet von der LBBW einen Sanierungskurs. In der EU wächst der Unmut über die deutsche "Kultur" der Bankenrettung. Foto: EU-Kommission.

Baden-Württembergs Landesbank (LBBW) steht vor einer schmerzhaften Sanierung. Die EU-Kommission hat die Bankenrettung an harte Auflagen verknüpft. Nach wilden Spekulationen an den internationalen Kapitalmärkten muss sich die LBBW auf ihr Kerngeschäft zurückbesinnen. Deutschland steht für seine Bankenrettungen bei den EU-Nachbarn in der Kritik.

Die größte deutsche Landesbank LBBW steht vor den tiefsten Einschnitten in der Unternehmensgeschichte. 2500 Stellen will der schwer angeschlagene Branchenprimus bis zum Jahr 2013 streichen. Rund 700 Millionen Euro pro Jahr sollen in den nächsten vier Jahren eingespart werden, um eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen zu erreichen. Das beschlossen am Donnerstag die Trägerversammlung und der Verwaltungsrat der Landesbank.

Die LBBW gehört zu der Reihe der Landesbanken, die in der Finanzkrise schwer getroffen wurden. Das mehr als 90 Milliarden Euro umfassende, riskante Kreditersatzgeschäft soll nun ebenso abgebaut werden wie die Bereiche Schiffsfinanzierungen oder US-Leasinggeschäfte. Die Spekulation im großen Stil hat für die LBBW ein Ende, sagen Beobachter.

Kroes fordert gründliche Sanierung

Die EU-Kommission soll die drastischen Sparmaßnahmen gefordert haben, bevor sie grünes Licht für die im Frühjahr eingeleitete Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro durch die Träger – das Land, die baden-württembergischen Sparkassen und die Stadt Stuttgart gibt (Siehe EURACTIV.de vom 30. Juni 2009). Ende Juni hatte man die Rettung nur vorläufig genehmigt. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte damals erklärt: "Ich erwarte (…), dass die LBBW in Kürze einen Umstrukturierungsplan vorlegt."

Zustimmen muss Brüssel noch den Garantien der öffentlichen Hand für riskante Wertpapiere in Höhe von 12,7 Milliarden Euro. Das LBBW- Zukunftskonzept soll der EU-Kommission in Kürze vorgelegt werden. Es wird damit gerechnet, dass bis zum Abschluss der Genehmigung mehrere Monate vergehen werden.

LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter machte deutlich, dass die Bank nun nicht allein auf Druck aus Brüssel handle: "Es gab so oder so Handlungsbedarf." Auch die Milliardenverluste schreibenden Landesbanken BayernLB und HSH Nordbank müssen mit der EU-Kommission um die Genehmigung von Beihilfen ringen.

Wann hat das Retten ein Ende?

Nach Einschätzung des Handelsblatts (28. September 2009) wird die deutsche Beihilfenpolitik im Bankensektor von der EU-Kommission und den EU-Nachbarn schon länger mit Argwohn betrachtet. Speziell Spanien und Frankreich würden darauf drängen, einen Zeitpunkt für einen Ausstieg aus den Rettungspaketen zu nennen. EU-Wirtschaftskommissar Almunia wünscht sich einen Exit aus der staatlichen Intervention bis Ende 2010, berichtet das Handelsblatt. Der scheidende Finanzminister Steinbrück habe sich aber bislang hartnäckig geweigert, einen Abwicklungstermin für den deutschen Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin zu nennen.

LBBW am Boden

LBBW-Chef Vetter rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem deutlichen Verlust im operativen Geschäft. Nach dpa- Informationen wird sich der Fehlbetrag wie im Vorjahr auf rund zwei Milliarden Euro belaufen. Vetter wollte die Zahl zwar nicht konkret bestätigten, schloss die Höhe des Fehlbetrages aber nicht aus. Für dieses Jahr seien Restrukturierungsrückstellungen von 300 bis 340 Millionen Euro gebildet worden, im nächsten Jahr seien dafür rund 100 Millionen Euro eingeplant. Einen Ausblick auf 2010 lehnte Vetter ab. In der Summe aller Maßnahmen will die LBBW ihre Bilanzsumme (Ende Juni: 448 Milliarden Euro) um rund 40 Prozent verringern. "Ich bin aber überzeugt davon, dass wir am Ende wieder eine konkurrenzfähige Bank haben werden."

"Wir sind uns sehr bewusst, dass die Maßnahmen für die Bank und viele unserer Mitarbeiter schmerzhafte Einschnitte sein werden", erklärte der Manager. "Die LBBW steht vor einem Kraftakt. Er ist jedoch unumgänglich, um die Bank wieder zukunftssicher zu machen und an das deutlich veränderte Marktumfeld anzupassen." Wo genau die Jobs gestrichen werden sollen, wird nach Angaben des Managers spätestens Ende März nächsten Jahres klar sein. Betriebsbedingte Kündigungen schloss er nicht aus. "Es gibt aber keine Pläne, irgendeinen Standort zu schließen", betonte der Banker. Die Mitarbeiter sollen an diesem Freitag auf Betriebsversammlungen über die Sanierungspläne des Unternehmens informiert werden.

Die Gewerkschaft Verdi erklärte, sie wolle "um jeden Preis" betriebsbedingte Kündigungen bei der Landesbank verhindern. Die Mitarbeiterzahl der LBBW lag Ende Juni im Konzern bei rund 13 600 Beschäftigten. Die Gespräche über den Jobabbau sollen bereits angelaufen sein.

Rückkehr zu den Wurzeln

Der Branchenprimus LBBW will sich künftig vor allem auf das Geschäft mit mittelständischen Firmen, Privatkunden und Sparkassen sowie mit institutionellen Kunden konzentrieren. Im Gegenzug soll das Kreditersatzgeschäft schrittweise auslaufen. Flugzeug- und Schiffsfinanzierungen sollen nicht mehr angeboten werden. Das Auslandsgeschäft will LBBW-Chef Vetter deutlich straffen. Beteiligungen sollen abgestoßen werden. In welchem Ausmaß hänge aber noch von den EU-Vorgaben ab. Im gewerblichen Immobiliengeschäft will sich die LBBW künftig auf Deutschland und eingeschränkt auf die USA und Großbritannien konzentrieren.

dpa/rtr/awr

Link

EU-Kommisssion: Erklärung zur einstweiligen Beihilfengenehmigung bei der LBBW (30. Juni 2009)

Presse

Handelsblatt: Auch die EU hofft auf Westerwelle (28. September 2009)