Lamys Balanceakt als neuer WTO-Chef [DE]

Der frühere EU-Handelskommissar Lamy hat den Posten des Generaldirektors der Welthandelsorganisation angetreten – einer Organisation, die er nach dem Scheitern der Verhandlungen über die Aufgabe der Agrarzuschüsse seitens der Industrieländer als "mittelalterlich" bezeichnete.

Der frühere EU-Handelskommissar Lamy hat den Posten des Generaldirektors der Welthandelsorganisation angetreten – einer Organisation, die er nach dem Scheitern der Verhandlungen über die Aufgabe der Agrarzuschüsse seitens der Industrieländer als „mittelalterlich“ bezeichnete.

Pascal Lamy tritt am 1. September die Nachfolge des thailändischen WTO-Generaldirektors Supachai Panitchpakdi an. 

Die größte Herausforderung für Lamy wird zunächst darin bestehen, die globalen Handelsgespräche, die im Dezember 2003 in Cancún, Mexiko, zusammengebrochen waren, wieder in Gang zu bringen. Die Verhandlungen scheiterten an den unüberwindbaren Differenzen zwischen den 146 Mitgliedsländern, die hervortraten, als reiche Industrieländer – darunter die EU und die Vereinigten Staaten – sich weigerten, ihre Agrarzuschüsse in einem Umfang aufzugeben, der die Entwicklungsländer, die sich einen besseren Zugang zu den westlichen Märkten verschaffen wollen, zufrieden stellen konnte. 

Das Scheitern der Verhandlungen in Cancún veranlasste den früheren EU-Handelskommissar Lamy, die WTO als „mittelalterliche Institution“ zu bezeichnen. Er verwies damit auf die Entscheidungsprozesse der Welthandelsorganisation, die Einstimmigkeit erfordern. Lamy fragte damals, ob die EU und die Welt ihre Ansätze zu den Handelsgesprächen nicht überdenken wollten.

Die Handelsminister werden im Dezember 2005 in Hong-Kong zusammenkommen. Lamy wird versuchen, die Delegierten davon zu überzeugen, dass sowohl die Entwicklungs- als auch die Industrieländer von einer Öffnung ihrer Märkte profitieren könnten.