Kurti warnt vor serbisch-russischer Vorherrschaft auf dem Balkan
Kosovos Premierminister Albin Kurti warnte in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger vor einer "panslawistischen Hegemonie" Serbiens und Russlands auf dem Balkan und dem Versagen Belgrads, sich von Slobodan Milosevic zu distanzieren.
Kosovos Premierminister Albin Kurti warnte in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger vor einer „panslawistischen Hegemonie“ Serbiens und Russlands auf dem Balkan und dem Versagen Belgrads, sich von Slobodan Milosevic zu distanzieren.
Auf die Frage, ob es möglich sei, die Beziehungen zu Serbien zu normalisieren, sagte Kurti den Schweizer Medien: „Serbien ist kein normales Land, weil es sich nicht vom Erbe des Diktators Slobodan Milosevic distanziert hat. Belgrad strebt ein ähnliches Verhältnis zu seinen Nachbarn an, wie es Moskau zur Ukraine und zu Belarus pflegt. Deshalb ist diese Nachbarschaft ein Sicherheitsrisiko für uns.“
In dem Interview sprach Kurti über den laufenden Dialog mit Serbien und darüber, dass der Kosovo weiterhin an einer Normalisierung der Beziehungen interessiert sei.
„Wir sind an einer vollständigen Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung interessiert. Wir sind jederzeit zu einem konstruktiven Dialog bereit“, sagte Kurti.
Er fügte hinzu, dass ein Treffen mit dem serbischen Präsidenten Aleksander Vucic bald auf dem Tisch liegen könnte – sogar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, aber das hänge vom EU-Sondergesandten Miroslav Lajcak ab.
Zum Thema Nummernschildproblem, das den Kosovo in den letzten zwei Jahren geplagt und zu wachsenden Spannungen geführt hat, fragte Kurti die Schweizer Medien, ob sie akzeptieren würden, dass eine Minderheit im Land mit französischen oder italienischen Nummernschildern reist und sich weigert, diese zu tauschen.
„Die große Mehrheit der Serb:innen im Norden unseres Landes hat kein Problem mit kosovarischen Nummernschildern. Eine kleine Gruppe wird von Belgrad aus instrumentalisiert“, sagte er.
„Den bewaffneten Leuten hinter den Barrikaden geht es nicht um Menschenrechte, sondern um das Territorium. Sie wollen den Norden des Kosovo als rechtsfreie Zone schützen“, fügte er hinzu.
Kurti betonte auch, dass es laufende Treffen mit Mitgliedern der serbischen Zivilgesellschaft gebe, die aber aus Sicherheitsgründen geheim gehalten würden.
„Ich habe zu Beginn meiner ersten Amtszeit einen serbischen Berater eingestellt. Sobald seine Ernennung bekannt wurde, wurden er und seine Frau so bedroht, dass der junge Mann von seinem Posten zurücktrat. Andere vor ihm, die sich integrieren wollten, wurden getötet“, sagte er.