Künstliche Intelligenz soll Unterwasserkabel und russische Schiffe in der Ostsee überwachen

Mehrere nordeuropäische Staaten kündigten eine verstärkte Überwachung der Unterwasserkabel und der russischen Schattenflotte in der Ostsee an. Künstliche Intelligenz soll hierbei das Risiko von Schiffen bewerten und entsprechende an die betroffenen Staaten weitergeben.

EURACTIV.com
Das absichtliche Durchtrennen von Unterseekabeln wird immer häufiger als verdeckter Sabotageakt eingesetzt. [Bruce Raynor/shutterstock.com]

Mehrere nordeuropäische Staaten kündigten eine verstärkte Überwachung der Unterwasserkabel und der russischen Schattenflotte in der Ostsee an. Künstliche Intelligenz soll hierbei das Risiko von Schiffen bewerten und entsprechende an die betroffenen Staaten weitergeben.

Die Joint Expeditionary Force (JEF) aktivierte ein neues mit künstlicher Intelligenz (KI) betriebenes maritimes Überwachungstool als Reaktion auf die Schäden, die am Unterseestromkabel Estlink 2 verursacht wurden, wie aus einer Pressemitteilung des britischen Verteidigungsministeriums vom Montag hervorgeht. Die Joint Expeditionary Force ist eine von dem Vereinigten Königreich geführte Militärgemeinschaft, der die nordischen Staaten, die baltischen Staaten und die Niederlande angehören.

Die neuartige Überwachung ist die jüngste gemeinsame Aktion der NATO-Staaten als Reaktion auf die Schäden am Kabel, das zwischen Estland und Finnland verläuft. Bereits am 30. Dezember kündigte NATO eine verstärkte Militärpräsenz in der Ostsee an.

Das absichtliche Durchtrennen von Unterseekabeln wird immer häufiger als verdeckter Sabotageakt eingesetzt. Die Unterwasserinfrastruktur ist von Natur aus schwer zu überwachen und für die miteinander verbundenen Nationen von entscheidender Bedeutung.

Nachdem am 25. Dezember ein Energieausfall durch eine Beschädigung des Kabels verursacht wurde, beschlagnahmten die finnischen Behörden am darauffolgenden Tag einen russischen Öltanker. Dieses wurde verdächtigt, den Schaden verursacht zu haben und soll Teil der russischen Schattenflotte sein, die vom Kreml genutzt wird, um europäische Sanktionen gegen Öl- und Gasexporte zu umgehen.

In einer Stellungnahme zu dem Vorfall stellte die Joint Expeditionary Force (JEF) fest, dass „dies ein weiteres Beispiel für Seezwischenfälle ist […] und die Risiken für lebenswichtige Kommunikations- und Energienetze aufzeigen, die für die Sicherheit und den Wohlstand all unserer Nationen von entscheidender Bedeutung sind“.

Das neue KI-Tool, welches erstmals im März 2024 getestet wurde, wird „Daten aus einer Reihe von Quellen auswerten […], um das Risiko zu berechnen, das von jedem Schiff ausgeht“, welches sich innerhalb des überwachten Gebiets befindet, so die britische Erklärung. Sobald eine vermutete Bedrohung erkannt wird, werden die Informationen an alle JEF- und NATO-Mitglieder weitergegeben.

Die Nutzung des neuen Instruments bietet nicht nur einen zusätzlichen Schutz für Unterseekabel, sondern ist auch eine Reaktion auf die Umgehung russischer Sanktionen und wird dazu beitragen, Schiffe der russischen Schattenflotte zu verfolgen und zu identifizieren.

Zudem stellt der Einsatz einen weiteren Schritt in Richtung des operativen Einsatzes von künstlicher Intelligenz im militärischen Kontext dar, wo sich die Technologie als besonders nützlich für die Verarbeitung großer Datenmengen erwiesen hat, die die Kapazität menschlicher Analysten übersteigen.

Da das Vereinigte Königreich jedoch nicht angegeben hat, welche Art von Daten gesammelt werden sollen, sind die Auswirkungen des Tools auf die Wirksamkeit und den Datenschutz noch unklar.

Laut einer Analyse des EU-Parlaments können viele verschiedene Techniken eingesetzt werden, um Unterseekabel zu durchtrennen, wie etwa Taucher, Unterwasserdrohnen oder das Schleifen von Schiffsanker auf dem Meeresboden. Anstatt militärische Mittel einzusetzen, können Handelsschiffe die Glaubwürdigkeit des Saboteurs aufrechterhalten und so die Zahl der möglichen Verdächtigen erhöhen.

Dieses neue KI-Tool könnte diese Lücke schließen.

[Bearbeitet von Owen Morgan/Kjeld Neubert]