Kroatien bittet um Entschuldigung für Kriegsverbrechen in Bosnien

Im Rahmen eines offiziellen Besuchs in Sarajevo hat der kroatische Präsident Ivo Josipovic für in Bosnien-Herzegowina verübte Verbrechen in den 1990ern um Entschuldigung gebeten und die gesamte Region aufgerufen, in allen Bereichen enger zusammenzuarbeiten, berichtet die Nachrichtenagentur Hina.

Im Rahmen eines offiziellen Besuchs in Sarajevo hat der kroatische Präsident Ivo Josipovic für in Bosnien-Herzegowina verübte Verbrechen in den 1990ern um Entschuldigung gebeten und die gesamte Region aufgerufen, in allen Bereichen enger zusammenzuarbeiten, berichtet die Nachrichtenagentur Hina.

In einer Ansprache an das Nationalparlament von Bosnien-Herzegowina während eines offiziellen Besuchs in Sarajevo am Mittwoch (15. April) sprach der kroatische Präsident sein Beileid und Mitgefühl an alle Opfer des Kriegs aus, der Bosnien-Herzegowina (BiH) zwischen 1993 und 1995 erschüttert hat, und unterstrich, dass ein jedes verlorenes Leben einen Verlust für alle darstellte.

Er sagte, er würde am Donnerstag nach Ahmici und Krizancevo Selo im Lasva Tal reisen, um seinen Respekt zu zeigen gegenüber den Opfern, „deren einzige Sünde es war, der anderen Seite anzugehören und anders zu sein“.

Truppen des Bosnisch-Kroatischen Verteidigungsrats (HVO) töteten über 100 bosnisch-muslimische (bosniakische) Dorfeinwohner im April 1993; die vorwiegend bosniakische Armee Bosnien-Herzegowinas tötete dort lebende Kroaten im Dorf Krizancevo Selo im Dezember desselben Jahres.

„Nur Recht und Gerechtigkeit können unseren Völkern helfen, sich zu säubern von dem Grauen und den Schuldzuweisungen über diese Verbrechen, und sicherzustellen, dass dieses Unheil sich nie wiederholt“, sagte Josipovic im Parlament. Hohe bosnische Beamte und der diplomatische Corps des Landes waren ebenso präsent wie die Parlamentsabgeordnete.

Josipovic sagte, dass aufgrund ihrer „Ignoranz, ihrer Böswilligkeit und ihres Wahnsinns“ Politiker in den 90er Jahren glaubten, die Lösung für Bosnien-Herzegowina sei seine Teilung. Jedoch säte dieses Verfahren das Böse nicht nur in BiH sondern auch in den Ländern, von denen diese Ideen ausgingen.

Die Konsequenz für Bosnien-Herzegowina war, dass „der Stoff dieser spezifischen sozialen und kulturellen Einheit, die auf Multiethnizität basierte, zerrissen wurde, so der kroatische Präsident in seiner Rede.

„Ich bereue zutiefst, dass die Republik Kroatien dazu beigetragen hat mit seiner Politik in den 90er Jahren. Ich bedauere sehr, dass diese Politik beigetragen hat zu dem Leiden der Menschen und zu den Teilungen, die uns noch immer berühren“, sagte das kroatische Staatsoberhaupt.

Er fügte hinzu, dass eine neue Ära begonnen hatte, in der die Fehler der Vergangenheit erkannt werden und in der ein neuer Kurs angesteuert wird, der der Region langfristigen Frieden, Stabilität und Wohlstand bringt.

Josipovic sagte, dass eine gemeinsame europäische Zukunft die beste Lösung ist, und fügte hinzu, dass er zuversichtlich sei, sein Staat werde bald EU-Mitglied. Er unterstrich Kroatiens Unterstützung für den Beitrittsantrag des Nachbarlandes.

„Ein europäisches Bosnien-Herzegowina ist wesentlich im nationalen Interesse Kroatiens“, so Josipovic.

Er sagte, dass die drei Völker Bosniens eine Formel finden müssen, allein ihre gemeinsame Existenz zu sichern, und dass andere ihnen lediglich von außen helfen können, nicht aber für sie entscheiden.

Kroatien ist besonders interessiert am Erfolg der Verhandlungen zu Bosniens Verfassungsänderungen, sagte er. Zagreb, so erklärte er, sei durch die Verfassung dazu gezwungen, für die Kroaten zu sorgen, die in BiH leben, deren Anzahl während des letzten Krieges halbiert wurde.

Die Geschichte wirft ihren Schatten

Am Tag zuvor traf Josipovic Journalisten, die ihm Fragen stellten zu der kontroversen Geschichte des Landes.

Auf die Frage, ob er Bleiburg besuchen würde, eine Stätte in Österreich, an der eine Vielzahl kroatischer Ustashe Truppen auf dem Rückzug und Zivilisten mit Nazi-Sympathien durch Titos Partisanen am Ende des Zweiten Weltkrieges umgebracht wurden, erwiderte Josipovic, dass er dort nicht hingehen würde, solange die Stätte politisiert und besucht werde von „schwarz gekleideten Menschen, die die Geschichte verändern wollen“.

Josipovic bezog sich auf Kroaten, die der Ustashe-Vergangenheit noch hinterher trauern und die Bleiburg in ein nationalistisches und antiserbisches Symbol verwandelt haben.

Während des Kriegs installierte die deutsche und italienische Invasion Jugoslaviens in 1941 einen Marionettenstaat auf dem Gebiet von Kroatien und Bosnien-Herzegowina, in dem zurückgekehrte Ustashe regierten und Massaker an Serben und anderen Nicht-Kroaten ausübten.

Geheime Liste auf einem Memory Stick

Josipovic sagte, dass er die Annahme einer Gesetzgebung unterstütze, die die Veröffentlichung des heimatlichen Kriegsveteranenregisters erlaubt, nachdem letzte Woche eine Liste durchgesickert war und anonym im Internet veröffentlicht wurde, woraufhin der Aufschrei in Kroatien sehr groß war.

Die Liste enthält die Namen von 501.000 Personen, die als Kriegsveteranen während des „Kroatischen Unabhängigkeitskrieges“ von 1991-1995 registriert waren. Allerdings ist diese Zahl viel höher als bisher angenommen. Da registrierte Veteranen ein Anrecht haben auf großzügige Renten und Sozialleistungen, sah die Öffentlichkeit es als einen erfolgreichen Versuch einiger Kroaten, ihre Namen durch Bestechung auf die Liste setzen zu lassen.

Während eine Untersuchung stattfindet, um herauszufinden, wie die Liste durchsickern konnte, sagte der kroatische Verteidigungsminister Branko Vukelic, die Informationen seien dem Staat wahrscheinlich mit Hilfe eines Memory Sticks gestohlen worden.

In der Zwischenzeit berichtete die Presse, dass vier Personen in Zusammenhang mit der Liste festgenommen wurden.