Korruptions-Index: Gutes Image deutscher Firmen
Firmen aus Russland und China gelten nach Angaben von Transparency International als besonders korrupt. Dass deutsche Unternehmen Schmiergelder zahlen, gilt hingegen als relativ unwahrscheinlich. Die schlechte Nachricht: Am Gesamtbild der deutschen Exportwirtschaft hat sich nichts geändert.
Firmen aus Russland und China gelten nach Angaben von Transparency International als besonders korrupt. Dass deutsche Unternehmen Schmiergelder zahlen, gilt hingegen als relativ unwahrscheinlich. Die schlechte Nachricht: Am Gesamtbild der deutschen Exportwirtschaft hat sich nichts geändert.
Transparency International veröffentlichte am Mittwoch den internationalen Bestechungszahlerindex (Bribe Payers Indes – BPI) für das Jahr 2011. Die Nichtregierungsorganisation befragte bei der Studie Führungskräfte weltweit danach, wie hoch sie die Bereitschaft von Unternehmen einschätzen, im Ausland Schmiergeld zu zahlen.
Platz eins der Liste teilen sich die Niederlande und die Schweiz, gefolgt von Belgien. Bei Unternehmen dieser Länder ist die Zahlung von Schmiergeldern im Ausland am unwahrscheinlichsten. Frankreich und Spanien liegen im internationalen Vergleich auf Platz 11. Italien liegt zusammen mit Hong Kong, Malaysia und Südafrika auf Platz 15. Die Schlusslichter bilden Mexiko (Platz 26), China (27) und Russland (28).
Die Bewertung von Unternehmen aus Deutschland hat sich im Vergleich zum BPI 2008 weder verbessert noch verschlechtert. Deutschland verharrt bei 8,6 von zehn Punkten und belegt den vierten Platz.
Die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Edda Müller, zieht eine gemischte Bilanz aus dem deutschen Ergebnis: "Die gute Nachricht ist, dass die deutsche Wirtschaft trotz einer vergleichsweise geringen Korruptionsbereitschaft im Ausland erfolgreich ist. Die schlechte Nachricht ist, dass sich trotz diverser Skandale der letzten Jahre und entsprechender Anstrengungen in den Unternehmen nichts am Gesamtbild der deutschen Exportwirtschaft geändert hat."
Wirtschaftssektoren unterschiedlich betroffen
Die verschiedenen Wirtschaftssektoren sind von der Korruption unterschiedlich betroffen. Das Bestechungsrisiko ist der Studie zufolge in der Landwirtschaft, der Leichtindustrie, der zivilen Luftfahrt und der Informationstechnologie, am geringsten. Ebenfalls gilt die Korruption internationaler Firmen im Ausland im Banken- und Finanzsektor als nicht sehr verbreitet. Schmiergeldzahlungen betreffen hingegen am ehesten den Bausektor, die öffentliche Daseinsvorsorge und die Immobilien.
Anti-Geldwäschegesetze sind laut Transparency ein "wesentliches Mittel", um das "Waschen" von Einkünften aus korrupten Geschäften zu verhindern. Deutschland erfülle jedoch nach wie vor nicht in vollem Umfang die internationalen Standards der Geldwäschebekämpfung. Sowohl die OECD als auch die EU-Kommission mahnen Regelungslücken in der deutschen Gesetzgebung an. Daher begrüßt Transparency den Entwurf der Bundesregierung zur Verbesserung der Geldwäscheprävention als wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Mit der Novellierung des Geldwäschegesetzes (GwG) sollen der Nicht-Finanzsektor, also Rechtsanwälte, Notare, Immobilienmakler und Spielbanken, stärker in die Pflicht genommen und die Schwelle für die Meldung von Fällen gesenkt werden.
Der Bestechungszahlerindex wurde mithilfe von Befragungen von 3.016 Führungskräften zwischen Mai und Juni 2011 zusammengestellt. Er misst die Bereitschaft führender Unternehmen im Ausland Schmiergelder zu zahlen. Der Bestechungszahlerindex bildet das Gegenstück zum Korruptionswahrnehmungsindex, der den Grad der Korruption im öffentlichen Sektor misst.
jni
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Dokumente
Transparency International: Bribe Payers Index 2011 (2. November 2011)
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