Kommission veröffentlicht Strategie zur EU-Sportpolitik
Fairer Transfer, gerechtere Vermarktung, mehr Frauen in Führungspositionen: Der Sport soll stärker im Fokus der EU-Politik stehen. Hierzu hat die EU-Kommission eine Reihe von Maßnahmen vorgestellt. Höchste Zeit, meint EU-Abgeordnete Petra Kammerevert. Allerdings müssten auch ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.
Fairer Transfer, gerechtere Vermarktung, mehr Frauen in Führungspositionen: Der Sport soll stärker im Fokus der EU-Politik stehen. Hierzu hat die EU-Kommission eine Reihe von Maßnahmen vorgestellt. Höchste Zeit, meint EU-Abgeordnete Petra Kammerevert. Allerdings müssten auch ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.
Die geplanten Maßnahmen sollen Sportverbänden, Sportlern und allen Bürgern zugute kommen. Grundlage ist die im Vertrag von Lissabon verankerte neue Aufgabe der EU, die sportpolitischen Initiativen der Mitgliedsstaaten zu unterstützen und zu koordinieren.
Die in der Mitteilung "Entwicklung der europäischen Dimension des Sports" Vorschläge betreffen drei Bereiche: die gesellschaftliche Rolle, die wirtschaftliche Dimension und die Organisation des Sports. In jedem Kapitel werden Maßnahmen vorgeschlagen, die von der Kommission und den Mitgliedsstaaten umzusetzen sind.
Die Maßnahmen betreffen Bereiche, in denen die anstehenden Herausforderungen nicht allein auf nationaler Ebene zu bewältigen sind. Die Vorschläge der Kommission stützen sich auf eine Konsultation der Mitgliedsstaaten und der Sportakteure und auf Erfahrungen, die bei der Umsetzung des Weißbuchs "Sport" aus dem Jahr 2007 gesammelt wurden.
Die für Sport zuständige EU-Kommissarin Andrea Vassiliou erklärte: "Der Sport ist ein wichtiger Faktor für die europäische Wirtschaft und ein Schlüsselelement des europäischen Sozialmodells. Die heute angenommenen Maßnahmen unterstreichen den Beitrag des Sports zu unserer Gesellschaft und werden zur Verbesserung der strategischen Lenkung des Sports beitragen."
Die SPD-Europaabgeordnete Petra Kammerevert, Mitglied im Ausschuss für Kultur und Sport, begrüßte die Initiative: "Nachdem die Entwicklung der europäischen Sportpolitik in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt wurde, stärkt die Kommission jetzt endlich die europäische Dimension des Sports. Dafür ist es auch höchste Zeit."
Kammerevert erklärte, dass die Förderung der sozialen Eingliederung, die Verbesserung der Gesundheit, die Freiwilligentätigkeit und der Kampf gegen Doping und Betrug zu den Prioritäten zählen, die die europäische Sportpolitik zukünftig prägen sollen.
"Die vorgestellten Maßnahmen unterstreichen, dass der Sport ein wirksames Instrument zur Stärkung des Zusammenhalts in der europäischen Gesellschaft sein kann. Seine soziale Komponente ist beachtlich", so Kammerevert.
"Lippenbekenntnisse allein helfen nicht weiter"
Um von diesem Potenzial Gebrauch machen zu können, müssten aber auch ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Nur dadurch könne man den neuen Kompetenzen im Sportbereich nach dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon ansatzweise gerecht werden. Mit diesem Ansinnen ist der Kulturausschuss bislang gescheitert. "Lippenbekenntnisse allein helfen nicht weiter", sagte die SPD-Politikerin.
"Über die Sportförderung hinaus erwarten wir von der Kommission, dass sie auch im legislativen Bereich tätig wird. So hat das Europäische Parlament bereits im vergangenen Jahr in großer Einmütigkeit ein europäisches Lizenzierungssystem für Spielervermittler gefordert. Klarstellungen bedarf es auch bei der Zentralvermarktung von Übertragungsrechten. Hier brauchen die Verbände mehr Rechtssicherheit und die Gewissheit, nicht ständig mit dem europäischen Wettbewerbsrecht in Konflikt zu geraten", so Kammerevert.
12 weitere Projekte im Jahr 2011
In den Jahren 2009-2010 stellte die Kommission mehr als 6 Millionen Euro zur Unterstützung von rund 40 Projekten im Sportbereich zur Verfügung, die auf Folgendes ausgerichtet waren: Gesundheit, soziale Eingliederung, Freiwilligentätigkeiten, Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung, Gleichstellung der Geschlechter und Doping-Bekämpfung. 2011 werden zwölf weitere Projekte hinzukommen
Im aktuellen Papier wird vorgeschlagen, die Möglichkeit eines EU-Beitritts zum Anti-Doping-Übereinkommen des Europarates zu prüfen, Sicherheitsanforderungen und ?vorkehrungen für internationale Sportveranstaltungen zu entwickeln und umzusetzen, weitere Schritte in Richtung nationaler Leitlinien auf Grundlage der EU-Leitlinien für körperliche Aktivität zu unternehmen und Standards für den Zugang zu Sportvereinen, sportlichen Aktivitäten und Veranstaltungen für Menschen mit Behinderungen zu entwickeln. Zudem solle der Zugang von Frauen zu Führungspositionen im Sport gefördert werden.
Die Brüsseler Behörde fordert zur Stärkung der wirtschaftlichen Dimension des Sports die stärkere Berücksichtigung der Rechte des geistigen Eigentums im Sportbereich, die Einführung von Mechanismen zur zentralen Vermarktung von Medienrechten durch die Sportverbände, um eine angemessene Verteilung der Einkünfte sicherstellen, einen Austausch bewährter Verfahren für die transparente und nachhaltige Finanzierung des Sports und die volle Ausschöpfung der Möglichkeiten der Strukturfonds für den Sport.
Mit Blick auf die Organisation des Sports wird im Papier Folgendes vorgeschlagen: Die Förderung von "Good Governance" im Sport unter Berücksichtigung seiner Sonderstellung, die Durchführung einer Studie zu Transferbestimmungen und Aufstellung von Leitlinien auf dieser Grundlage und die Erwägung weiterer Maßnahmen im Hinblick auf die Tätigkeit von Sportagenten.
Position
CEP: Umfangreiche EU-Sportförderung ist nicht zu rechtfertigen
Das Centrum für Europäische Politik in Freiburg befasst sich in einer Studie mit der europäischen Dimension des Sports. Das CEP kommt zu dem Schluss: "Der EU ist auf der neuen vertraglichen Kompetenzgrundlage kein nennenswertes finanzielles Budget zuzusprechen. Haushaltsmittel sind lediglich zur Identifizierung von ‚best practices‘ im Bereich des Sports bereitzustellen. Einen Anhaltspunkt über den Umfang eines europäischen Sportbudgets geben erste europäische Projekte, die mit insgesamt 4 Millionen Euro durch die EU gefördert werden.
Zwischen sportrechtlichen Regelungen und dem EU-Recht bestehen vielfältige Berührungen. Die 50+1-Regel und die exklusive und territorial begrenzte Vergabe von TV-Übertragungsrechten sind mit EU-Recht vereinbar. Die exklusive Vermarktung einer Sportveranstaltung, die als eigenständige Marke anzuerkennen ist, durch den Veranstalter ist nach EU-Wettbewerbsrecht zulässig, soweit dem Veranstalter das alleinige Recht an der Veranstaltung zusteht."
dto
Links
Dokumente
EU-Kommission: Kommission stärkt die europäische Dimension des Sports (18. Januar 2011)
EU-Kommission: Commission strengthens the European dimension of sport – Frequently Asked Questions (18. Januar 2011)
EU-Kommission: Website Sport
UEFA: Financial Fair Play endorsed by European Commission (18. Januar 2011)