Kommissar wirbt für russische Ölfirma [DE]
In einem Versuch eine russische Ölfirma davon zu überzeugen, dass die EU nicht versuche die Kapitalinvestitionen des Landes zu beschränken, kam es letztlich so, dass der Kommissar für Energie Andris Piebalgs auf einer öffentlichen Veranstaltung gestern (26. März 2007) für die Firma warb.
In einem Versuch eine russische Ölfirma davon zu überzeugen, dass die EU nicht versuche die Kapitalinvestitionen des Landes zu beschränken, kam es letztlich so, dass der Kommissar für Energie Andris Piebalgs auf einer öffentlichen Veranstaltung gestern (26. März 2007) für die Firma warb.
Bei einer Rede auf dem European Business Summit ergänzte Piebalgs erstaunlicherweise die Kommentare seines Diskussionspartners, dem Lukoil-Geschäftsführer Vagit Alekperow, indem er sagte, dass die vielen Lukoil-Tankstellen in Brüssel die wären, die das billigste Benzin anböten.
Wenn er mit seinem Auto fahre, würde er zu Lukoil fahren, da es die besten Preise in Brüssel habe, so Piebalgs. Deshalb sei es nicht wahr, dass man russische Investitionen behindern würde.
Lukoil, das vor kurzem die gesamte Aktivität von Conoco-Philips in Belgien und Luxemburg übernommen hatte und insgesamt 157 Tankstellen umfasst, macht in der Tat damit Werbung, das billigste Benzin zu verkaufen. Wenn man Preise jedoch genau betrachtet ist dies nicht immer wahr, wie man auf einer extra dafür eingerichteten Webseite sehen kann.
Alekperow hatte die EU dafür kritisiert, die gemeinsamen Investitionen im Öl- und Gassektor niedrig zu halten. Piebalgs sagte wiederum, dass es auf beiden Seiten gelegentlich Missverständnisse gebe, aber nicht in allen Bereichen.
Man habe ein besseres Verständnis im Bereich von Elektrizität, da Russland exakt dasselbe getan habe wie die EU, indem sie ihren Markt öffnete. E.On, Fortum und Enel investierten Milliarden in das System, da sie wüssten wie der Markt funktioniere. Im Bereich des Gases habe man eine andere Herangehensweise. Man solle herausfinden, wo die Missverständnisse lägen und woher sie herkämen, so Piebalgs.
Geschäfte oder Politik
Alekperow hörte sich eher wie ein Politiker an, als wie ein Geschäftsmann. Er sprach oft von „uns“, als wäre er der offizielle Sprecher seines Landes.
Man sei nicht gegen eine einheitliche europäische Politik in Energiefragen. Allerdings könne man nicht abstreiten, dass es ein Mächteverhältnis gebe, in dem die EU der hauptsächliche Verbraucher und Russland der hauptsächliche Versorger sei, so Alekperow.
Er zählte eine Reihe von Bedingungen auf mit denen man Spannungen abbauen könne, wie es bereits in den letzten Jahrzehnten geschehen sei.
Gegenseitiges Vertrauen und Bereitschaft zum Dialog, Ermutigung gegenseitiger Investitionen, die Abwesenheit von Mittelsmännern, Offenheit der Informationen und die Bereitschaft beider Seiten nach neuen Formen der Kooperation Ausschau zu halten, waren die Vorrausetzungen, die er auflistete.
Alekperow verlangte auch die Einrichtung fairer Ölpreise.
Vielleicht sei die Zeit gekommen, neue Preismechanismen in Kraft zu setzen, sodass man finanzielle Belastungen reduzieren und die Effekte des Markts stärken könne, so Alekperow weiter.
Der russische Geschäftsführer erwähnte auch Langzeitverträge zwischen den Versorgern und den Kunden. Nur die Zusammenkunft von Verbrauchern und Versorgern könne das Abrutschen der globalen Wirtschaftskrise zu einer globale Energiekrise verhindern. Dies beziehe sich insbesondere auf die Beziehungen zwischen Russland und der EU, so der Chef von Lukoil.
Kontroverse über Nabucco
Piebalgs wurde mit Fragen konfrontiert, ob die EU das Nabucco-Pipelineprojekt einstellen würde, wie nach dem letzten EU-Gipfel (EURACTIV vom 18. März 2009) befürchtet wurde. Er sagte, dass die Öffentlichkeit von Nabucco besessen sei und deren Wichtigkeit überschätzt werde.
Piebalgs sagte, es sei zu viel Aufmerksamkeit auf Nabucco gelenkt worden. Nabucco sei aber nur eine kleine Leitung mit einer Fassungskapazität von 30 Milliarden Kubikmetern. Man konsumiere aber 600 Milliarden Kubikmeter. Er sagte, es sei eine gute Quelle zur Diversifizierung es sei aber nicht die Lösung.
Alekperows Standpunkt glich der russischen Position, dass es kein Gas gäbe, um die Nabucco- Pipeline zu füllen und der Aufwand dem Verpulvern von Milliardensummen gleichkomme.
Russland habe genug Gas, so Alekperow. Man sollte alleine die Yamal-Gasfelder betrachten, die mehr als 13 Billionen Kubikmeter Gas enthielten. Er spielte auf Russlands größte Gasreserven an, die auf einer noch zu erschließenden Halbinsel in Sibirien lagern. In der Lokalsprache bedeutet Yamal „Am Ende der Welt“.
Schließlich fügte er hinzu, dass Gazprom diese Felder nicht erschließen würde, wenn man nicht ausreichend Langzeitverträge mit verlässlichen Kunden haben.