KMU hoffen bei wirtschaftlicher Erholung auf Umweltsektor [DE]
Das Versprechen grüner Arbeitsplätze als Ergebnis von Öko-Innovation und einer Modernisierung der europäischen Bausubstanz gibt kleinen Unternehmen etwas Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. Das EURACTIV Mediennetzwerk schaut sich die Landschaft der grünen Wirtschaft innerhalb Europas an.
Das Versprechen grüner Arbeitsplätze als Ergebnis von Öko-Innovation und einer Modernisierung der europäischen Bausubstanz gibt kleinen Unternehmen etwas Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. Das EURACTIV Mediennetzwerk schaut sich die Landschaft der grünen Wirtschaft innerhalb Europas an.
Ungefähr 40 Milliarden Euro werden von der EU-Exekutive in die europäische Wirtschaft gepumpt, um Anreize für die Schaffung von ‚grünen’ Arbeitsplätzen zu setzen. Weitere 3,9 Milliarden Euro des Europäischen Konjunkturprogramms sind für F&E- und Infrastrukturprojekte im Umweltbereich vorgesehen.
Wenn man die Investitionen nationaler Regierungen hinzuzählt, wächst die Gesamtsumme auf etwa 90 Milliarden Euro an. Jedoch behaupten Kritiker, dass dies nur ein Bruchteil der von China investierten Summe von 150 Milliarden Euro sei und dass die Gelder noch nicht bei den KMU vor Ort angekommen seien.
Die Europäische Kommission hat einen Prospekt über Öko-Innovation veröffentlicht, der potenzielle Wachstumsbereiche hervorhebt, einschließlich Tourismus, Recycling, Gastgewerbe und Gebäuden. Drei Viertel der 2008 bei der Kommission eingegangenen Vorschläge für Öko-Innovationsprojekte stammten von KMU.
Das Dokument betont die Wichtigkeit, kleinere Unternehmen bei der Entwicklung neuer grüner Industriezweige anzusprechen, stellt aber auch fest, dass zwischen 60% und 70% der industriellen Verschmutzungen von kleinen Unternehmen verursacht werden.
Das neue Konsultationsdokument über Europa im Jahr 2020 nennt das Ziel der Kommission einer „intelligenteren, grüneren sozialen Marktwirtschaft” (EURACTIV vom 25. November 2009).
Zusätzlich beinhaltet das EU-Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) eine Initiative über ‚intelligente Energie’, die sich an KMU richtet.
Trotz der gemeinsamen Anstrengung in Brüssel, grünes Wachstum voranzutreiben, ergibt sich beim Blick auf das gesamte Europa ein gemischtes Bild: Einige nationale Regierungen unterstützen Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien und andere konzentrieren sich auf ein breiteres Spektrum grüner Technologien.
Vereinigtes Königreich
Industrielle in Großbritannien haben die Regierung unter Druck gesetzt, eine klare Politik zu betreiben und klare Rahmenbedingungen zu setzen, um Investitionen in grüne Industrien zu stärken, da sie befürchten, dass Europa hinter den USA und China zurückfällt.
Die Sunday Times, die eine jährliche ‚Rich List’ von reichen Unternehmern führt, hat jetzt eine ‚Grüne Rich List’ veröffentlicht. Diese zeigt, dass Großbritannien die Heimat von nur 10 der Top 100 Unternehmer in neuen Industrien ist, zu denen saubere Kohle, Elektroautos und Windenergie gehören. Die USA hat im Vergleich 35, während China 17 hat.
Kritiker sagen, dass Großbritannien bezüglich Energiefragen wie der Zukunft der Kernenergie widersprüchliche Signale an die Industrie ausgesendet habe.
Jedoch gibt es auch einige Erfolgsgeschichten. Im Bereich der Wellenenergie ist die Industrie in Schottland und Wales am Wachsen und in diesem Monat hat der schottische Erste Minister Alex Salmond ein neues Wasserkraftwerk gestartet, das als ‚Oyster’ – Auster – bekannt ist. Das Vorzeigeprojekt speist bereits Strom in das nationale Netz für Häuser auf den Orkney-Inseln ein. Das Projekt wurde mit der Unterstützung von Unternehmens- und Forschungsräten in Schottland entwickelt und ist Teil von Bemühungen, jungen grünen Unternehmen mit Kapital auszustatten.
Die Finanzierung bleibt in Großbritannien und anderswo ein Hindernis für die grüne Industrie. Die Konservative Partei, die sich zurzeit in der Opposition befindet, nach Meinung von politischen Beobachtern aber nach den Parlamentswahlen nächstes Jahr die Regierung stellen wird, verspricht die Errichtung einer „grünen Investitionsbank“. Diese wird entwickelt, um bei der Finanzierung umweltfreundlicher Technologien und Unternehmen zu helfen und Haushalte für das Recycling zu belohnen.
Frankreich
Der französische Konjunkturplan beinhaltet 45 Milliarden Euro für umweltfreundliches Wirtschaftswachstum. Dies stellt 35% der geplanten Investitionen zwischen jetzt und 2020 dar. Projekte in den Bereichen Verkehr, Bauwesen und Energie sollen dabei Priorität erhalten.
Eine Studie der Boston Consulting Group, die im Juni 2009 veröffentlicht wurde, schätzte, dass der Plan 600.000 neue Stellen in neuen grünen Sektoren in den nächsten zehn Jahren schaffen würde.
Jedoch merken Kritiker an, dass die Studie von der Regierung in Auftrag gegeben wurde, und sagen, es sei schwer sich vorzustellen, wie KMU in diesen Plan hineinpassen. Die französische Europaabgeordnete Corinne Lepage hat eine Weiterentwicklung grüner Industrien gefordert, um die Entwicklung kleiner Unternehmen in Frankreich zu fördern. Sie sagte, dass Chancen und Möglichkeiten nicht das Vorrecht multinationaler Konzerne sein sollten.
Deutschland
In Deutschland sind alte Fabriken, die einst Ausrüstung für den Bergbau herstellten, mit staatlichen Subventionen umgestaltet worden, um Teile für Windkrafträder herzustellen. Höhere Energiesteuern unterstützen den Übergang zu einer umweltfreundlicheren Wirtschaft.
Umweltfreundlichere Gebäude und verbrauchseffiziente Autos sind ebenfalls Prioritäten für die deutsche Regierung, die eine der ehrgeizigeren nationalen Bemühungen für mehr Umweltfreundlichkeit verfolgt.
Andere kleine Projekte haben ebenfalls geholfen, wie etwa ein vom Biologen Peter Krost gegründetes KMU, das Kosmetika aus Algen herstellt. Das Unternehmen ist vom Enterprise Europe Netzwerk (EEN) unterstützt worden, welches KMU bei der Entwicklung ihrer Unternehmen und der Suche nach Partnern behilflich ist.
Krost hat außerdem ein System zur Zertifizierung von Produkten, die durch nachhaltige und biologische Aquakulturen produziert wurden, entwickelt – ein Schritt, der Wachstum in einem neuen Nischenmarkt anspornen könnte.
Polen
Die polnische Regierung hat die Entwicklung umweltfreundlicher Energien durch seinen Nationalen Fonds für Umweltschutz und Wassermanagement unterstützt. Der Fonds wird dieses Jahr mehr als eine Milliarde Zloty (241 Millionen Euro) an Krediten für Firmen bereitstellen, die in erneuerbare Energiequellen investieren.
Der Schritt ist Teil des Konjunkturpakets der Regierung, das Unternehmen während des Abschwungs unterstützen soll. Die erste Phase des Kreditprogramms fand Anfang dieses Jahres statt und die nächste Runde beginnt nächsten Monat (Dezember).
Das Programm wird Unternehmern helfen, die Investitionen von mindestens 10 Millionen Zloty (2,4 Millionen Euro) suchen, mit einem maximalen Kredit pro Firma von bis zu 50 Millionen Zloty (12,05 Millionen Euro). Firmen, die am Programm teilnehmen, können bei den Rückzahlungen eine Minderung von bis zu 50% erhalten.
Witold Maziarz, Sprecher des Nationalen Fonds, sagte, dass das Programm kleine und mittlere Investitionsprojekte unterstützen solle. „Größere Projekte werden unter diesem Programm nicht laufen, weil wir annehmen, dass große Investoren keine Probleme mit dem Aufbringen von Kapital haben“, sagte Maziarz.
Er fügte hinzu, dass der Nationale Fonds die Einführung eines Kreditprogramms für Einzelpersonen plant, die erneuerbare Energiequellen im Haushalt aufbauen wollten. Diese Kredite sollten ab Mitte 2010 verfügbar sein.
Bis zum Jahr 2020 soll in Polen 15% der gesamten Stromproduktion aus umweltfreundlichen Quellen stammen. Im September dieses Jahres wurde die erste Biogasanlage im Dorf Liszkowo in Nordpolen eröffnet. Das Werk wurde von einer Firma aus Pozna? namens Agrogaz gebaut und verwertet vor allem Abfälle aus der Lebensmittelindustrie.
Bulgarien
Das Kozloduy International Decommissioning Support Fund unterstützt bulgarische Unternehmen, die ihre Energieeffizienz erhöhen wollen oder erneuerbare Energien produzieren wollen. Der Fonds wurde als Unterstützungsmechanismus für den Abbau eines Teils eines bulgarischen Atomkraftwerks eingeführt.
Zu den Beitragszahlern des Fonds gehören Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Irland, die Niederlande, Spanien, die Schweiz und das Vereinigte Königreich. Mehr als 170 Millionen Euro wurden von der Europäischen Union an Beiträgen versprochen und ein Teil dieses Geldes wird KMU in Bulgarien in Form von Krediten zur Verfügung gestellt. Die Kreditvergabe wird von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung geleitet.
Am Anfang des Jahres 2009 wurde eine neue Energiesparanlage bei einem mittleren Möbelhersteller in Mittelbulgarien gebaut. Dieses Projekt kostete 200.000 Euro und wurde mit einem Kredit von 180.000 Euro finanziert. Als Ergebnis wird die Firma ungefähr 2.600 Megawattstunden an Strom und Heizung jährlich einsparen. Dies stellt eine Verminderung des jährlichen CO2-Ausstoßes um 400 Tonnen dar.
Tschechische Republik
Ein Sprecher des Ministeriums für Industrie und Handel (MIT) in Prag, Tomáš Bartovský, sagte gegenüber EURACTIV, dass die grünen Investitionen von KMU meistens mit EU-Mitteln finanziert würden. Insbesondere das Operationelle Programm ‚Unternehmen und Innovation’ (OPPI) und sein Unterprogramm ECO-ENERGY seien für diesen Zweck eingesetzt worden.
Der Haushalt der tschechischen Regierung trägt mit etwa acht Milliarden Kronen (etwa 300 Millionen Euro) von 2008 bis 2013 zum Programm bei, was 15% seiner Ausgaben entspricht. Laut Bartovský konzentriert sich das MIT eher auf eine Ko-Finanzierung von Projekten, die auf EU-Gelder basieren, anstatt seine eigenen Programme zu schaffen.
In der Tschechischen Republik können KMU auch vom grünen Sparprogramm profitieren, das auf Geldern beruht, die vom Verkauf von Kyoto-Zertifikaten an Japan und andere Länder stammen. Das grüne Sparprogramm unterstützt die Installation von Heizungsanlagen, die erneuerbare Energiequellen nutzen, aber auch Investitionen in Energieeinsparungen bei Renovierungen und neuen Gebäuden.
Rumänien
Die rumänische Regierung verfügt noch über keine Strategie für Investitionen in grüne Projekte bei KMU. Die Politikkrise hat sogar die Umsetzung einer Regierungsentscheidung über den Verkauf von Emissionszertifikaten betroffen, deren Erlöse für Investitionen in große Energieanlagen vorgesehen waren.
Ionut Purica, Experte für Energie- und Umweltprobleme an der rumänischen Akademie, erzählte Green Report: „Einen Moment gab es sogar auf der Webseite des Wirtschaftsministeriums eine Entscheidung, die den Verkauf der zugeteilten Emissionsmengen für grüne Investitionen erwähnte. Folglich würden diese Gelder für verschiedene Projekte genutzt werden, denen Rumänien im Beitrittsvertrag zugestimmt hat.“
Slowakei
Eines der wichtigsten Ziele der aktuellen Innovationspolitik der slowakischen Republik ist die Schaffung eines nationalen Innovationssystems, einschließlich regionaler Innovationsstrukturen, Beratungs- und Innovationszentren und anderer Elemente. Die slowakische Regierung betrachtet dies als einen Weg zur bestmöglichen Unterstützung von Unternehmern, insbesondere KMU.
Die verabschiedeten Maßnahmen, um die Auswirkungen der Finanzkrise einzudämmen, beinhalten mehrere grüne Initiativen wie Verringerungen beim Energieverbrauch, der Luftverschmutzung sowie Unterstützung für F & E und Öko-Innovationen.
Der Privatsektor wird voraussichtlich ebenso vom Technologietransfersystem profitieren, das KMU mit Werkzeugen zur Reduktion des Energieverbrauchs ausstattet.
500.000 Euro sind für innovative Firmenneugründungen im Rahmen eines Plans zur Unterstützung von rund 300 Unternehmen jährlich verfügbar. Weitere 72 Millionen wurden zur Unterstützung bei der Gebäudedämmung zur Seite gelegt.
Der Präsident des slowakischen Verbands kleiner Unternehmen, Vladimír Sirotka, betonte, dass die Programme nicht für große Firmen, sondern für rund 400 KMU geschaffen seien. Andere Systeme beinhalten Subventionen für Solarmodule, Biomassekessel sowie Maßnahmen zum Anreiz von F & E in KMU.