Klöckner: Lebensmittelketten funktionieren trotz COVID-19
Weder die Supermärkte sollen schließen, noch kommt es zu Problemen bei der Lebensmittelproduktion, betont Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Auf europäischer Ebene spreche man über Möglichkeiten, grenzüberschreitende Lebensmitteltransporte zu vereinfachen.
Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner bemüht sich um Entwarnung in der Corona-Krise: Weder die Supermärkte sollen schließen, noch werde es zu Problemen bei der Lebensmittelproduktion kommen. Auf europäischer Ebene sucht man derweil Wege, grenzüberschreitende Lebensmitteltransporte zu vereinfachen.
Trotz der Corona-Pandemie wird Deutschland keine Versorgungslücke bei Lebensmitteln erleben, noch sind ansteigende Preise zu erwarten. So lautete die Botschaft von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auf einer gestern dazu einberufenen Pressekonferenz in Berlin. Die Landwirtschaft arbeite normal weiter, es gebe weder Engpässe bei Grundnahrungsmitteln, noch in den Lieferketten oder bei der Tiernahrung in Ställen. Auch die grenzüberschreitenden Lieferketten würden soweit funktionieren. „Die Lebensmittelversorgung der kommenden Wochen und Monate ist gesichert“, betonte der ebenfalls anwesende Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied. Deutschland versorge sich bei den meisten Grundnahrungsmitteln autark, betonte er. So liege der Selbstversorgungsgrad bei Weizen bei 117 Prozent, bei Kartoffeln bei 148 und bei Schweinefleisch bei 119 Prozent.
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Fahrspuren für Lebensmitteltransporte?
Ein Problem sind dagegen die Staus, die sich aufgrund von Grenzkontrollen an Grenzübergängen bilden und zu Verzögerungen von Lebensmittellieferungen führen. Die EU-Kommission hatte daher vorgeschlagen, auf Straßen Sonderspuren für LKW freizuhalten, die Lebensmittel transportieren. Sie halte das für eine sinnvolle Maßnahme, so Klöckner. Darüber hinaus sei in Deutschland eine Lockerung des Sonntagsfahrverbotes und der Lenkzeiten für LKW-Fahrer denkbar. Die EU-Agrarminister wollen sich in den kommenden Tagen in einer Videokonferenz über weitere Erleichterungen bei der Lebensmittellieferung besprechen. In einer Telefonkonferenz hatte sich Klöckner gestern Abend mit einigen Europaabgeordneten ausgetauscht.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Montag verkündet, dass auch in Deutschland eine Vielzahl von Geschäften geschlossen werden sollen. Supermärkte sollen allerdings offen bleiben und ihre Öffnungszeiten möglicherweise sogar verlängert werden. Die Bundesregierung ermahnte die Bürger wiederholt, von Hamsterkäufen abzusehen, da sie die Lieferketten zusätzlich unter Druck setzen und gänzlich unnötig seien. Beschränkungen auf eingekaufte Mengen seien bislang nicht geplant, versicherte Klöckner gestern. Es liege aber in der Hand der einzelnen Läden, eine solche Regelung einzuführen.
Nach Angaben der Supermärkte habe man sich auf die gesteigerte Nachfrage eingestellt und zusätzliche Lieferungen angefragt. „Unsere Märkte sind gut versorgt und werden das auch bleiben“, versicherte Rewe-Chef Lionel Souque.
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Saisonarbeiter händeringend gesucht
Probleme könnte es allerdings bei der Ernte auf den Feldern geben, bestätigte DBV-Chef Rukwied. Von den rund 286.000 Saisonarbeitern, die jedes Jahr auf deutschen Feldern arbeiten, kommen viele aus dem Ausland. Ihr Ministerium arbeite derzeit an „praktikablen Lösungen“, um die benötigten Arbeitskräfte zu rekrutieren, so Klöckner. So könnten beispielsweise Arbeitskräfte aus anderen Branchen wie dem Catering, die derzeit lahmgelegt sind, eingesetzt werden. Dazu würden temporäre, flexible Lösungen erarbeitet, wie Lockerungen im Gesetz über Minijobs oder der Sonntagsarbeit. Sollte man nicht genügend Saisonarbeiter zur Verfügung stellen können, könnten diese auch aus dem Ausland eingeflogen werden, um geschlossene Grenzen zu übergehen, sagte die Landwirtschaftsministerin. Auch dazu sei mit der EU-Kommission im Dialog.
Meldungen über eine mögliche Luftbrücke, um Lebensmittel einzufliegen, kommentierte Klöckner zurückhaltend. Man sei mit der Lufthansa im Gespräch, es gäbe in der Tat freie Kapazitäten. Einen Einsatz der Bundeswehr zur Unterstützung der Lebensmittelversorgung sei ihrer Ansicht nach aber nicht nötig.