Klimaschädliche Kühlmittel: EU-Parlament pocht auf raschen Ausstieg aus F-Gasen
Das Europäische Parlament hat seinen Standpunkt zum schrittweisen Ausstieg aus der Verwendung von fluorierten Gasen (F-Gase) angenommen. Das sorgt für Unmut bei der Industrie, denen das zu schnell geht.
Das Europäische Parlament hat seinen Standpunkt zum schrittweisen Ausstieg aus der Verwendung von fluorierten Gasen (F-Gase) angenommen. Das sorgt für Unmut bei der Industrie, denen das zu schnell geht.
Wärmepumpen, die mithilfe von Kältemitteln und Elektrizität die Umgebungswärme bündeln, sind eine Schlüsseltechnologie zur Dekarbonisierung des Heizens in Haushalten, das derzeit auf fossile Brennstoffe wie Erdgas angewiesen ist.
Die wichtigsten Kältemittel, die heute in Wärmepumpen verwendet werden, sind F-Gase.
F-Gase wurden in den 1990er Jahren eingeführt, um die ozonschädigenden teilhalogenierten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (H-FCKW) zu ersetzen, die aus dem Verkehr gezogen werden sollten.
Sie haben jedoch große Auswirkungen auf das Klima. Manche F-Gase sind bis zu 24.000 Mal klimaschädlicher als CO2. Insgesamt sind F-Gase schätzungsweise für 2,5 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich.
„F-Gase sind eine unsichtbare Bedrohung für unser Klima und untergraben unsere Bemühungen, die globale Erwärmung zu stoppen“, sagte Bas Eickhout, ein niederländischer Abgeordneter der Grünen, der die Position des Parlaments zu diesem Vorschlag anführt, nach der Abstimmung am Donnerstag.
Sein Ansatz, schnell gegen F-Gase vorzugehen, wurde vom Plenarsaal mit großem Enthusiasmus angenommen.
426 Abgeordnete stimmten dafür, 109 dagegen und 52 enthielten sich der Stimme. Damit verfügt Eickhout über eine starke Mehrheit vor den abschließenden Verhandlungen mit den 27 EU-Mitgliedstaaten, die im Rat der EU vertreten sind.
Dies bedeutet auch, dass Eickhouts ursprüngliche Vereinbarung von Anfang März ohne größere Änderungen angenommen wurde. Ein Erfolg für den Niederländer der das F-Gas-Gesetz bereits zum zweiten Mal verhandelt.
Das Parlament beschloss, dass ab 2024 nur noch 23,6 Prozent der im Jahr 2015 verwendeten Menge an F-Gasen auf dem Markt sein dürfen. Ab 2027 wird dieser Anteil auf 11 Prozent sinken, bevor er sich bis 2050 schrittweise auf null reduziert.
Die größten Kürzungen werden ab 2024 vorgenommen, um die EU in Einklang mit ihren Klimazielen für 2030 und dem Montrealer Abkommen über F-Gase zu bringen.
Ein erfolgreicher Änderungsantrag, der von der Europäischen Volkspartei (EVP) eingebracht wurde, war die Lockerung der Vorschriften für die Reparatur bestehender Anlagen, die mit F-Gasen betrieben werden. Zusätzliche Kosten für den Ersatz beschädigter Klimaanlagen und ähnliches „könnten durch die Beibehaltung des Status quo vermieden werden“, so der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber.
F-Gase sind zwar für die Industrie nützlich, weil sie nicht leitfähig sind und Wärme transportieren können; sie sind aber nicht unersetzlich.
„In den meisten Fällen sind natürliche Alternativen leicht verfügbar“, sagte Eickhout. Diese Alternativen – sei es Propan oder CO2 – tragen nicht wesentlich zum Treibhauseffekt bei.
Die Mitgliedsstaaten müssen noch einen gemeinsamen Standpunkt annehmen, der dann den Weg für endgültige Verhandlungen zwischen Parlament und Rat ebnen würde. Dies hat ein weiteres Zeitfenster für Lobbyisten geschaffen, die sich intensiv um die Ausgestaltung des Gesetzes bemühen.
„Die Lobbyarbeit zu diesem Dossier war beispiellos“, warnte der niederländische EU-Abgeordnete.
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Intensive Lobbyarbeit der ausländischen Industrie
Ausländische Hersteller von Wärmepumpen und Klimaanlagen, die besonders auf F-Gase angewiesen sind, stehen an vorderster Front der Lobbyarbeit gegen ein hartes Durchgreifen gegen das Kältemittel.
„Lobbyisten amerikanischer und japanischer Unternehmen haben die Europaabgeordneten mit E-Mails überflutet, um den Vorschlag abzuschwächen. Mein Rat: Hören Sie nicht auf sie“, sagte Eickhout seinen Kollegen vor der Abstimmung.
Noch am Dienstag, kurz vor der Abstimmung, wurden die Abgeordneten von einer Koalition aus 14 Industrieverbänden, darunter die European Heat Pump Alliance (EHPA) und der europäische Bauernverband Copa-Cogeca, aufgefordert, das Gesetz zu verwässern.
Die EU-Gesetzgeber müssen es vermeiden, „sauberes Heizen zu ersticken“, sagte EHPA und forderte einen langsamen Ausstieg aus den F-Gasen in den 2020er Jahren. Andernfalls würden einige Arten von Wärmepumpen bereits ab 2026 verboten werden, argumentierte die Industriegruppe.
Das European FluoroCarbons Technical Committee (EFCTC), ein Verband, der die Hersteller von F-Gasen vertritt, zeigte sich „enttäuscht über die vom Europäischen Parlament angenommenen Änderungen.“
Die Hersteller, deren Geschäft im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Spiel steht, warnen, dass der „Übergang zu nicht-fluorierten, industriell hergestellten Alternativen zu Risiken führen kann, vor allem im Bereich der Sicherheit …, wie zum Beispiel in Gebäuden mit hoher Gebäudedichte“. Damit beziehen sie sich auf Propan, ein natürliches Kältemittel, das als explosiv gilt.
Auch die Hersteller von elektrischen Schaltanlagen zeigten sich besorgt. F-Gase und ihre Fähigkeit, elektrische Ströme zu blockieren, machen sie zu einer wichtigen Komponente bei deren Herstellung.
Für Hochspannungsanwendungen ist ein Modell des deutschen Unternehmens Siemens das einzige Produkt, das keine F-Gase enthält, was Insiderkreisen zufolge zu Bedenken hinsichtlich der Verfügbarkeit von Alternativen und deren Kompatibilität mit bestehenden Anlagen führte.
Doch Eickhout und eine Mehrheit der EU-Abgeordneten sind anderer Meinung.
Die Regeln würden den europäischen Unternehmen zugutekommen, argumentierte er. „Viele europäische Unternehmen stehen bereits an der Spitze dieser Entwicklung [weg von F-Gasen] und werden davon profitieren“, betonte er.
Sein deutscher Kollege Peter Liese (CDU) vertrat einen ähnlichen Standpunkt. „Das Gute ist, dass es hier im Grunde keinen Konflikt zwischen Umwelt- und Industrieinteressen gibt“, sagte er.
„Deutsche Unternehmen wie Siemens oder die deutschen Heizungshersteller liefern bereits die Alternativen“, betonte er. „Der einzige Nachteil“ könne für „japanische und amerikanische Hersteller“ entstehen, die bei der Entwicklung von Alternativen weniger fortgeschritten seien.
Viessmann, ein deutscher Wärmepumpenhersteller, begrüßte die Abstimmung.
„Die Umstellung der Industrie ist bereits in vollem Gange: Viele Hersteller aus der gesamten EU – darunter auch Viessmann – setzen auf umweltfreundliche natürliche Kältemittel und investieren kräftig in neue Modelle und den Ausbau der Produktionskapazitäten“, sagte Alix Chambris, Vice President Global Public Affairs and Sustainability bei dem deutschen Wärmepumpenhersteller.
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[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic and Frédéric Simon]