Klimagipfel in Ägypten: Afrikanische Länder wollen fossile Projekte als Druckmittel einsetzen

Im Vorfeld des für November geplanten COP27-Gipfels wird befürchtet, dass afrikanische Regierungen die Ausbeutung fossilen Brennstoffreserven als Druckmittel einsetzen werden, um die europäischen Länder zur Einhaltung ihrer Versprechen bezüglich Klimainvestitionen und Infrastruktur zu bewegen.

EURACTIV.com
Egypt is the largest non-OPEC oil producer in Africa and the second-largest dry natural gas producer on the continent.. An American rig, in Alexandria, circa 1982.
Afrikanische Regierungen scheinen bereit zu sein, die Drohung einer verstärkten Ausbeutung ihrer eigenen Öl- und Gasvorkommen zu nutzen, um die europäischen Länder dazu zu bewegen, ihre Versprechen zur Finanzierung des Klimaschutzes und großer Investitionen in saubere Technologien und Infrastruktur im Vorfeld des Klimagipfels COP27 im November in Sharm-el-Sheik einzulösen. [<a href="https://www.flickr.com/photos/thintruman/15332999973/in/photolist-ehBQeY-9gERc8-dCBGCC-7DNX3j-nU6FM2-9dMNKv-9eEnqw-2jkGBX-9eEo2o-b7E4pn-pmVCGv-fBxTqS-ogcLkR-fBizon-9Kiksn-7J6FAz-4vj6VM-av2otn-buvskH-4L8t46-aJSCKp-4DWvyd-9HRRX4-9HUHTf-4DWw2Y-5iiGzN-6CyNW4-9HUJtW-dT3QfX-4DWwB7-9S2ZDE-b7DDBt-b7E2R4-b7E3Jc-b7E2zt-b7E396-5z45Tz-5EoTFr-9S2V6J-8Qyswc-2CdNhn-8d1D9c-bE2Lpd-9XUGnk-b7fyir-aZPcke-8QBuTG-bzq3sR-b7E7Bk-2jq5MJ" target="_blank" rel="noopener">[Thintruman/Flick]</a>]

Im Vorfeld des für November geplanten Klimagipfels, COP-27, wird befürchtet, dass afrikanische Regierungen die Ausbeutung fossilen Brennstoffreserven als Druckmittel einsetzen werden, um die europäischen Länder zur Einhaltung ihrer Versprechen bezüglich Klimainvestitionen und Infrastruktur zu bewegen.

Die von EURACTIV eingesehenen Dokumente, die den „Gemeinsamen Standpunkt der Afrikanischen Union zu Energiezugang und -umstellung zur Verabschiedung auf der COP27“ darlegen, beinhalten kaum Angaben zu erneuerbaren Energien.

Stattdessen empfehlen sie einen „Ausbau der afrikanischen Ölproduktion … die Verarbeitung von afrikanischem Öl in afrikanischen Raffinerien und eine panafrikanische Lagerungs- und Verteilinfrastruktur“ sowie die „Beschleunigung regionaler Gas- und Stromprojekte“.

In dem Dokument der Afrikanischen Union, in dem die Behauptung aufgestellt wird, dass der Kontinent durch den COP26-Gipfel in Glasgow im vergangenen Jahr „benachteiligt“ wurde, heißt es zudem, dass „der Weg in die Zukunft nicht darin besteht, zwischen Energieressourcen und -systemen zu wählen“ und dass „fossile Brennstoffe, insbesondere Erdgas, kurz- bis mittelfristig eine entscheidende Rolle spielen müssen.“

Diese Haltung löste jedoch besorgte Reaktionen von Klimaschützer:innen und Gruppen der Zivilgesellschaft aus.

Sie befürchten, dass das Statement Teil einer konzertierten Aktion sein könnte, um von der Verpflichtung des Kontinents auf der Pariser Konferenz COP21 im Jahr 2015, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und die Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren, abzurücken.

Die afrikanischen Gesandten werden wahrscheinlich die Europäische Union und andere Akteure dazu drängen, großzügige Finanzierungsprogramme für grüne Technologien und Kohlenstoffgutschriften anzubieten. Die Taktik wird sicherlich auch auf der Afrikanischen Klimawoche in Gabun zur Sprache kommen, die am 29. August beginnen wird.

Afrikanische Staats- und Regierungschefs sind seit langem frustriert darüber, dass die EU sie vor dem russischen Einmarsch in der Ukraine ermutigt hat, ihre Öl- und Gasvorkommen nicht auszubeuten, obwohl der Kontinent nur 4 Prozent zu den weltweiten Emissionen beiträgt.

Da jedoch vor allem die europäischen Länder händeringend nach Alternativen zu russischem Gas suchen, die verstärkte Lieferungen aus Algerien und Mosambik – und möglicherweise auch aus Nigeria und Angola oder dem Senegal – beinhalten, gehen die afrikanischen Staaten mit einer starken Position in den von Ägypten ausgerichteten Klimagipfel.

Letzte Woche deutete ein Dokument der Europäischen Kommission auf die Bereitschaft der EU hin, ihre finanzielle Unterstützung um das Fünffache auf 15 Millionen Euro zu erhöhen.

Damit könnte eine afrikanische Militärmission in Mosambik finanziert werden, die ein vom französischen Konzern Total geleitetes Gasprojekt vor Angriffen islamistischer Terrorgruppen schützen soll.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) enthalten die meisten afrikanischen Nationalen Klimaschutzziele (Nationally Determined Contributions, NDCs) zur Eindämmung der Emissionen und des Temperaturanstiegs Minderungs- und Anpassungsziele, die an die Bedingung geknüpft sind, dass sie internationale finanzielle und technische Unterstützung sowie Hilfe beim Kapazitätsaufbau erhalten.

Nach Angaben der IEA haben 48 afrikanische Länder internationale Finanzhilfen in Höhe von über 1,2 Billionen US-Dollar bis 2030 beantragt, um ihre NDCs umzusetzen. Bisher wurde jedoch nur ein Bruchteil dieses Geldes zur Verfügung gestellt, da die wohlhabenden Staaten ihre Zusage von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr an die Entwicklungsländer nicht einhalten konnten.

Die Aussicht, dass afrikanische Staaten offensiv vorgehen könnten, könnte Ägypten als Gastgeber, in eine unangenehme Lage versetzen.

Der ägyptische Außenminister Sameh Shoukry erklärte letzten Monat gegenüber Bloomberg, dass der Schwerpunkt der COP-27 darin bestehen werde, die Ambitionen sowohl in Bezug auf Kohlenstoffemissionen als auch auf Klimaschutzprojekte zu erhöhen.

[Bearbeitet von Alice Taylor]