Kampf gegen Nierenerkrankungen braucht Vorsorge und neue Medikamente
Nierenerkrankungen werden bald eine der häufigsten Todesursachen sein und stellen gleichzeitig eine der größten finanziellen Belastungen für die Gesellschaft dar.
Nierenerkrankungen werden bald eine der häufigsten Todesursachen sein und stellen gleichzeitig eine der größten finanziellen Belastungen für die Gesellschaft dar.
Daher arbeiten Forscher:innen daran, das Krankheitsmanagement so zu verbessern, dass auch die Kosten gesenkt werden.
Allein in Europa leiden schätzungsweise 100 Millionen Menschen an einer chronischen Nierenerkrankung (CKD), einem fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion über Monate oder Jahre.
Es wird erwartet, dass sich die Situation nur noch weiter verschlechtert, da chronische Nierenerkrankungen in weniger als 20 Jahren Schätzungen zufolge weltweit die fünfthäufigste Todesursache sein werden.
Darüber hinaus gehören Nierenerkrankungen zu den kostspieligsten Krankheiten für die Gesundheitssysteme, mit Kosten in Höhe von schätzungsweise 140 Milliarden Euro pro Jahr, wie in einer kürzlich gestellten parlamentarischen Anfrage an die Kommission hervorgehoben wurde.
Auf die Frage von EURACTIV, ob den Erkrankungen von den Behörden und der Gesellschaft genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird, betonte Andrea Remuzzi, Professor für Biomedizintechnik an der Universität Bergamo, dass es zwei Herausforderungen gebe: die Früherkennung und das Management der Erkrankungen bis zum Endstadium, dem Nierenversagen, das eine obligatorische Nierenersatztherapie, eine Transplantation oder eine lebenslange Dialyse notwendig macht.
Obwohl die existierende Therapie in einem frühen Stadium durchaus zur Heilung führen kann, sind sich viele Patient:innen ihres Zustands in diesem Stadium noch nicht bewusst, da eine frühzeitige Diagnose oftmals nicht möglich ist.
„Heute ist es möglich, das Fortschreiten der Nierenerkrankung zu verlangsamen, aber die Menschen merken nicht, dass sie eine Nierenerkrankung entwickeln, wenn sie nicht regelmäßig von ihrem Hausarzt untersucht werden“, erklärt Remuzzi.
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Verhinderung von Nierenkrankheiten im Endstadium
Auch die Behandlung von Nierenerkrankungen sei nach wie vor unzureichend, so Remuzzi, der dazu aufrief, sich stärker auf die Verbesserung oder Entwicklung neuer Medikamente zu konzentrieren, die Nierenerkrankungen im Endstadium verhindern oder die Nierentransplantation verbessern.
Ein weiteres Problem ist aus Sicht von Remuzzi der Umgang mit Nierenerkrankungen, wenn die Nierenfunktion auf ein Niveau gesunken ist, das nicht mehr tragbar ist.
Die derzeitigen Optionen, darunter die Hämodialyse, ein Verfahren zur Entfernung von Abfallprodukten und überschüssiger Flüssigkeit aus dem Blut nach Nierenversagen, und die Nierentransplantation, erfordern nicht nur einen hohen klinischen Aufwand, sondern sind auch sehr kostspielig.
„Die Politik sieht nicht, dass dies ein sehr wichtiges wirtschaftliches Problem für die Gesellschaft ist, denn fast 10 Prozent der Kosten für die gesamte medizinische Behandlung der Bevölkerung entfallen auf die Dialyseverfahren“, betonte Remuzzi.
Außerdem werden für die Dialysetherapie rund 75 000 Liter Wasser pro Patient und Jahr verbraucht und eine erhebliche Menge an Plastikmüll und Treibhausgasen erzeugt.
Es gibt jedoch wichtige Fortschritte in der Forschung, die dazu beitragen könnten, das Auftreten dieses späteren Stadiums der chronischen Nierenerkrankung zu verzögern.
Da eines der wichtigsten Anzeichen einer Nierenerkrankung das Vorhandensein von Proteinen im Urin ist, deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass der Einsatz von Medikamenten gegen Proteinurine die Notwendigkeit einer Dialyse um 10 bis 15 Jahre hinauszögern könnte, erklärte Remuzzi.
„Dies ist eine große Veränderung für das Leben dieser Patient:innen, aber auch für die Gesundheitskosten der Gesellschaft“, betonte er.
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Wenn die Nieren versagen
Trotz der Fortschritte bei den pharmakologischen Behandlungen ist die Notwendigkeit einer Dialyse oder Transplantation oft unausweichlich – aber die Technologien zur Blutreinigung erreichen derzeit „eine Art Plateau“, so Remuzzi.
Die Erweiterung der Nierentransplantation ist zwar eine weitere Alternative zur Dialyse, aber es gibt einen Mangel an Nierenspender:innen und gegen die Abstoßung der Spenderniere müssen Medikamente eingesetzt werden.
Außerdem halten Nierentransplantate nur etwa 15 Jahre, was bedeutet, dass zu einem späteren Zeitpunkt eine Dialyse erforderlich sein kann.
Trotz dieser Nachteile arbeiten Remuzzi und sein Team im Bereich der Gewebezüchtung an der Herstellung von Nieren im Labor, die in Zukunft für Transplantationen verwendet werden könnten.
Die Forscher:innen versuchen, eine künstliche Niere zu entwickeln, indem sie Techniken der Zellbesiedlung von Nieren und die Möglichkeit der Verwendung von Stammzellen kombinieren. Remuzzi warnte jedoch, es sei noch ein langer Weg, bis erste klinische Versuche durchgeführt werden können.
„Wir stehen vor einigen Problemen, die sehr schwer zu überwinden sind. Und wenn es in der Zukunft nichts Neues gibt, wird es wohl noch lange dauern, bis wir klinische Versuche durchführen können“, sagte er.
Nach Ansicht des Professors ist die Transplantation von Tier zu Mensch, die Xenotransplantation, jedoch „vielversprechend“, wobei das Hauptproblem darin besteht, die Abstoßung der Niere durch den Körper zu verhindern.
Er fügte hinzu, dass es an Investitionen in die Erforschung von Nierenerkrankungen mangele und forderte die Europäische Kommission auf, die Forschung in diesem Bereich zu verstärken.
„Die meisten Zuschüsse fließen in die Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Erkrankungen des Zentralnervensystems, und nur wenige in Organe wie Nieren und Leber“, erklärte Remuzzi.
In einer kürzlich gestellten parlamentarischen Anfrage an die Kommission betonten die liberalen Europaabgeordneten Hilde Vautmans und Ondřej Knotek ebenfalls die Notwendigkeit von Investitionen.
„Investitionen in vielversprechende und umweltfreundlichere innovative CKD-Behandlungen sollten jetzt eine Priorität auf der EU-Forschungsagenda sein“, heißt es in der Anfrage.
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[Bearbeitet von Alice Taylor]