Junge Europäer wollen mehr europäische Anstrengung
Nationale Reflexe sind die üblichen Reaktionen auf die Eurokrise. Die europäische Jugend dagegen stimmt klar für mehr Europa zur Lösung der Probleme. Das und vieles andere belegt die erste European Youth Poll des European Youth Parliament und der Stiftung Mercator. EURACTIV.de dokumentiert die Ergebnisse.
Nationale Reflexe sind die üblichen Reaktionen auf die Eurokrise. Die europäische Jugend dagegen stimmt klar für mehr Europa zur Lösung der Probleme. Das und vieles andere belegt die erste European Youth Poll des European Youth Parliament und der Stiftung Mercator. EURACTIV.de dokumentiert die Ergebnisse.
Eine klare Mehrheit von jungen Europäern unter 27 Jahren verlangt mehr europäische Anstrengung. 90,9 Prozent stimmen der Aussage zu, die Krise sollte zu einer noch stärkeren Zusammenarbeit in der Wirtschafts- und Finanzpolitik führen. Diese Zustimmung ist konstant stark in allen Nationalitäten und Altersgruppen der Teilnehmer.
Sogar Finanztransfers von stärkeren an schwächere Länder – in vielen europäischen Ländern sehr umstritten – befürwortet eine deutliche Mehrheit. 73,8 Prozent stimmen dem Satz zu: "Europäische Solidarität sollte temporäre Finanztranfers von starken zu schwächeren Ökonomien beinhalten."
1.213 Teilnehmer aus 35 Ländern nahmen an der Umfrage teil, die das European Youth Parliament zwischen 26. und 30. Mai 2011 unter seinen Alumni – deren EU-Affinität gewiss stärker ausgeprägt ist als beim Durchschnittsjugendlichen – durchführte.
Trotz schlechter Nachrichten wähnen die jungen Europäer die gemeinsame Währung nicht in ernster Gefahr. Mehr als zwei Drittel stimmen dem Satz "Ich vertraue in die Stabilität des Euro" zu.
Auf die Frage "Wenn ein Euroland um finanzielle Unterstützung durch andere europäische Länder bitten muss, was sollten diese Länder tun?" favorisieren 85,6 Prozent den Mittelweg, nämlich: "Helfen, aber strukturelle, ökonomische, politische und soziale Reformen einfordern." Die anderen Vorschläge, nämlich bedingungslos zu helfen oder aber das Land aus der Währungsunion auszuschließen, finden sehr wenig Zustimmung.
"Die wirtschaftlich starken Staaten in Europa fürchten, dass sich Europa zu einer Transferunion entwickelt. Dies muss aber kein Makel sein, wir brauchen etwa den Transfer von Technologie und Expertise", meint der 16-jährige Urban Seifert aus Deutschland.
Ganz unten rangiert der "europäische Geist"
Für die Mehrheit der Befragten waren aber – über alle europäischen Grenzen hinweg – "nationalstaatliche Interessen" das klar vorherrschende Thema in den nationalen Debatten. Eine weitere häufig genannte Wahrnehmung ist die Spaltung zwischen Regierungshandeln und öffentlicher Meinung. Ganz unten in der Skala rangieren der "Wille der Entscheidungsträger zur Problemlösung" und – als allerletzte Nennung – der "europäische Geist".
Obwohl eine deutliche Mehrheit mehr europäische Integration fordert, wird eine geografische Erweiterung der EU skeptisch betrachtet. Unter den Teilnehmern aus den 27 EU-Staaten fand sich eine knappe Mehrheit von 51,6 Prozent, die gegen künftige Erweiterungen stimmte. Für die Erweiterung stimmten 44,0 Prozent.
Reaktionen
Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, kommentiert die Ergebnisse der European Youth Poll wie folgt: "In Zeiten von Populismus mit nationalen Slogans freue ich mich, ein klares Bekenntnis der Jugend zur EU zu sehen."
Joseph Daul, Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europaparlament, findet: "Ich begrüße die Ergebnisse dieser Umfrage. Sie zeigen, dass Europas Jugend auf mehr Integration und Solidarität innerhalb Europas hofft, obwohl das europäische Projekt im Moment turbulente Zeiten durchmacht. Die Wirtschafts- und Schuldenkrise haben die EU-Führer gezwungen, sich ihrer Verantwortung zu stellen. In solch politisch stürmischen Zeiten sind Gebrauch und Missbrauch von nationalen Egoismen nicht die Antwort. Wollen wir ein stärkeres Europa, das um den Schutz der EU-Bürger bemüht ist und das in den neuen Machtverhältnissen der nächsten Jahrzehnte noch etwas mitzureden hat, ist mehr Integration die einzige Lösung. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir eine dringende Reform unserer Wirtschaftsführung. Ich sehe auch mit großer Genugtuung, dass Europas Jugend weitgehend findet, dass die Finanztransfers von den stärkeren zu den schwächeren Volkswirtschaften auf Strukturreformen beruhen sollen. Die Jugend ist Europas Zukunft. Deshalb unterstütze ich voll und ganz die Initiative des Europäischen Jugendparlaments."
Hintergrund
Das European Youth Parliament (EYP) ist als unabhängige Organisation in der Jugendbildung seit 1989 aktiv. Es ist eines der größten europäischen Foren für politische Debatten, internationale Begegnungen, politische Bildungsarbeit und den Austausch von Ideen zwischen jungen Menschen in Europa. Das EYP besteht aus 35 Organisationen, in denen Tausende junge Europäer ehrenamtlich aktiv sind. Die internationale Dachorganisation des EYP ist die Schwarzkopf-Stiftung.
red.
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Alle Ergebnisse finden Sie hier.