Jobalarm für jeden dritten EU-Bürger

Alarm auf dem Arbeitsmarkt: Jeder dritte EU-Bürger im erwerbsfähigen Alter hat einer Studie zufolge deutlich schlechtere Chancen, weil er nur wenige Qualifikationen vorzuweisen hat. Ein heute von der EU-Kommission veröffentlichter unabhängiger Expertenbericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Europäer ihre Kompetenzen besser auf den Arbeitsmarkt ausrichten müssen.

Beschäftigte mit geringer Qualifikation geraten schnell an den Rand (Foto: dpa)
Beschäftigte mit geringer Qualifikation geraten schnell an den Rand (Foto: dpa)

Alarm auf dem Arbeitsmarkt: Jeder dritte EU-Bürger im erwerbsfähigen Alter hat einer Studie zufolge deutlich schlechtere Chancen, weil er nur wenige Qualifikationen vorzuweisen hat. Ein heute von der EU-Kommission veröffentlichter unabhängiger Expertenbericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Europäer ihre Kompetenzen besser auf den Arbeitsmarkt ausrichten müssen.

Sofortige Maßnahmen sind erforderlich, um Kompetenzdefizite in Europa zu beseitigen und die Erfolgschancen der Europäer auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Zu diesem Schluss kommt ein unabhängiger Expertenbericht, der heute von der Europäischen Kommission veröffentlicht wird.

Damit Menschen ihre Kompetenzen ausbauen, müssen die richtigen Anreize geboten werden. Dies hebt der Bericht „New Skills for New Jobs: Action Now“ (Neue Kompetenzen für neue Beschäftigungen: Sofortige Maßnahmen) hervor.

Die Problematik:

Einer von drei Europäern im erwerbsfähigen Alter verfügt derzeit über wenige oder keine Qualifikationen und hat damit um 40 % geringere Chancen auf eine Beschäftigung als Personen mit mittleren Qualifikationen.

In der gesamten EU beträgt die Beschäftigungsquote der Hochqualifizierten 84 %, der Mittelqualifizierten 70 % und der Geringqualifizierten 49 %.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Geringqualifizierte ihre Kompetenzen ausbauen und am lebenslangen Lernen teilnehmen, ist außerdem viel geringer.

Das Risiko, den Betrieb einstellen zu müssen, ist bei Unternehmen, die ihre Mitarbeiter weiterbilden, 2,5 Mal geringer als bei Unternehmen, die dies nicht tun.

Bildungssysteme, die allen Menschen angemessene Kompetenzen und Fähigkeiten vermitteln, können das BNP langfristig um beachtliche 10 % steigern.

Persönlicher Kompetenzmix

Der Expertenbericht unterstreicht die Notwendigkeit, die allgemeine und berufliche Bildung und das Arbeitsleben besser zu verknüpfen, einen geeigneten Kompetenzmix zu entwickeln und die in der Zukunft erforderlichen Kompetenzen und Fähigkeiten besser vorwegzunehmen.

Vladimír Špidla, EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit, erklärte nach Informationen der Europäischen Kommission: „Die Verbesserung der Qualifikationen der Menschen wird uns auf kurze Sicht dabei helfen, die Krise zu überwinden, und in der Zukunft den Weg für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg ebnen.“

Maroš Šef?ovi?, EU-Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend, ergänzte: „Wir müssen die Trennung zwischen allgemeiner bzw. beruflicher Bildung und der Arbeitswelt aufheben, damit die Menschen dafür sorgen können, dass im Laufe ihres Lebens ihre Kompetenzen und Fähigkeiten auf den sich entwickelnden Arbeitsmarkt abgestimmt sind.“

Der Expertenbericht bietet konkrete Empfehlungen an, wie in Europa Kompetenzdefizite behoben werden können, und richtet sich an Entscheidungsträger auf europäischer und nationaler Ebene, Unternehmen, Gewerkschaften, Bildungs- und Ausbildungsträger und Arbeitsverwaltungen.

Handlungsbedarf in vier Bereichen

In folgenden vier Bereichen besteht laut Bericht Handlungsbedarf:

Es müssen bessere Anreize für Arbeitgeber und Einzelpersonen für einen Ausbau der Qualifikationen geliefert werden. Investitionen in Kompetenzen müssen maßgeblich und intelligent und dürfen nicht nur finanzieller Art sein.

Die Welt der allgemeinen und beruflichen Bildung muss sich öffnen , indem Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen innovativer werden und verstärkt auf die Bedürfnisse der Lernenden und der Arbeitgeber eingehen. Weiterhin müssen einschlägige Qualifikationen entwickelt werden, deren Schwerpunkt auf konkreten Lernergebnissen liegt.

Es muss ein verbesserter Kompetenz- und Fähigkeitenmix angeboten werden, der den Anforderungen des Arbeitsmarktes besser entspricht.

Kompetenzen und Fähigkeiten, die in Zukunft benötigt werden , müssen besser antizipiert werden.

Unbequeme Tatsachen

Nach Ansicht der Experten sind alle vier Bereiche miteinander verbunden. Sämtliche Maßnahmen müssen daher aufeinander abgestimmt werden. Darüber hinaus liegt die Verantwortung nicht nur bei einem Stakeholder, sondern erfordert eine gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten.

Der Bericht weist auf die unbequeme Tatsache hin, dass trotz einiger Fortschritte in den vergangenen Jahren das Kompetenzniveau in Europa nicht ausreichend ist.

Fast ein Drittel der europäischen Bevölkerung zwischen 25 und 64 Jahren verfügt über keine bzw. nur geringe Qualifikationen. Nur ein Viertel der Bevölkerung weist ein hohes Qualifikationsniveau auf. Qualifizierte Personen besitzen zudem nicht immer die Kompetenzen und Fähigkeiten, die Arbeitgeber suchen, was zu Diskrepanzen auf dem Arbeitsmarkt führt. Eine bessere Mischung bereichsübergreifender und spezifischer Fähigkeiten ist erforderlich.

Die wachsende Arbeitslosigkeit und die demografische Entwicklung verschärfen das Problem zusätzlich.

80 Millionen potenzielle Stellen bis 2020

Das CEDEFOP, die Referenzeinrichtung der Europäischen Union für Berufsbildung, rechnet jedoch für das nächste Jahrzehnt mit etwa 80 Millionen Beschäftigungsmöglichkeiten. Von diesen Arbeitsplätzen werden fast 7 Millionen neu entstehen und mehrheitlich den Einsatz hochqualifizierter Arbeitskräfte erforderlich machen.

Abgesehen von diesen 7 Millionen neuen Jobs für Hochqualifizierte wird mit der Schaffung von 80 Millionen Beschäftigungsmöglichkeiten infolge Verrentung und Stellenwechseln gerechnet. Die meisten der neuen Jobs werden in wissens- und ausbildungsintensiven Beschäftigungsbereichen geschaffen. Während Büro- und Sekretariatstätigkeiten weniger gefragt sein werden, wird mit über zwei Millionen zusätzlichen Jobs in den Bereichen Verkauf, Sicherheit, Verpflegung und Betreuung gerechnet.

Hintergrund

Die Initiative „Neue Kompetenzen für neue Beschäftigungen“ wurde im Dezember 2008 auf EU-Ebene gestartet, um die Verbindungen zwischen der Welt der Bildung und der Arbeitswelt zu verstärken. Im Frühjahr 2009 hat die EU eine Expertengruppe zu den Themen Weiterbildung, Kompetenzen und Beschäftigung mit Fachleuten aus ganz Europa eingerichtet, die eine unabhängige Beratung zur weiteren Entwicklung der Initiative im Rahmen der zukünftigen EU-Wirtschaftsreformstrategie (EU 2020) bieten soll.

Links und weitere Informationen

Expertenbericht: „New Skills for New Jobs: Action Now“ (Neue Kompetenzen für neue Beschäftigungen: Sofortige Maßnahmen):

http://ec.europa.eu/social/main.jsp?langId=en&catId=89&newsId=697&furtherNews=yes

Presseerklärung und Informationsvermerk des CEDEFOP:

http://www.cedefop.europa.eu/EN/news/15221.aspx

http://www.cedefop.europa.eu/EN/Files/9021_en.pdf

Neue Kompetenzen für neue Beschäftigungen: Beschäftigung

http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=568&langId=de

Neue Kompetenzen für neue Beschäftigungen : Allgemeine und berufliche Bildung

http://ec.europa.eu/education/focus/focus2043_en.htm

Videopressemitteilung: Creating Green Jobs (Schaffung grüner Arbeitplatze)

http://www.tvlink.org/mediadetails.php?key=61489feda9e3758486af&title=Creating+Green+Jobs&titleleft=Employment

Den Expertenbericht: „New Skills for New Jobs: Action Now“ (Neue Kompetenzen für neue Beschäftigungen: Sofortige Maßnahmen) finden Sie hier.

Die Presseerklärung des Zentrums für die Förderung der Berufsbildung hier .