Jacques Chirac im Alter von 86 Jahren verstorben
Eine der größten Persönlichkeiten der französischen Politik ist tot: Jacques Chirac, von 1995 bis 2007 Präsident der Französischen Republik, ist heute im Alter von 86 verstorben. Chirac setze sich beherzt für die deutsch-französische Freundschaft ein.
Eine der größten Persönlichkeiten der französischen Politik ist tot: Jacques Chirac, von 1995 bis 2007 Präsident der Französischen Republik, ist heute im Alter von 86 verstorben. Chirac setze sich beherzt für die deutsch-französische Freundschaft ein.
Chirac starb am Donnerstag Morgen „friedlich“ im Kreis seiner Angehörigen, wie sein Schwiegersohn Frédéric Salat-Baroux der Nachrichtenagentur AFP sagte. Beide Kammern des Pariser Parlaments legten eine Schweigeminute ein. Zahlreiche französische Politiker äußerten sich betroffen; für 20.00 Uhr wurde eine Fernsehansprache von Präsident Emmanuel Macron angekündigt.
Der konservative Politiker Chirac prägte wie kaum ein anderer Politiker über Jahrzehnte das Bild Frankreichs und war bei seinen Landsleuten wegen seiner Volksnähe populär. Im Laufe seine langen politischen Karriere war Chirac mehrfach Minister, zweimal Premierminister und zwölf Jahre lang – von 1995 bis 2007 – Präsident Frankreichs.
In der Außenpolitik sah sich Chirac in der Tradition von Republikgründer Charles de Gaulle und vertrat den Kurs eines außenpolitisch unabhängigen Frankreichs, insbesondere auch im Verhältnis zu Washington. Dies sorgte besonders für Aufsehen, als er sich gemeinsam mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Jahr 2003 gegen den US-Einmarsch im Irak stemmte.
Auf EU-Ebene setzte der überzeugte Europäer Chirac die enge Partnerschaft mit Deutschland fort – und vertrat immer wieder vehement auch die Interessen der französischen Landwirte. Zum politischen Erbe Chiracs gehören daneben die Verkürzung der Amtszeit des Präsidenten von sieben auf fünf Jahre, die Abschaffung der Wehrpflicht und die Anerkennung der Mitverantwortung des französischen Staates für Nazi-Verbrechen.
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Nach seinem sozialistischen Vorgänger François Mitterrand, der von 1981 bis 1995 im Präsident war, kam Chirac auf die zweitlängste Amtszeit eines französischen Staatschefs nach dem Zweiten Weltkrieg. Er war aber auch der erste Präsident, der nach dem Ausscheiden aus dem Amt 2011 verurteilt wurde – wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder.
Ihm wurde nachgewiesen, über ein System der Scheinbeschäftigungen Gelder in die Parteikasse geleitet zu haben. Die Affäre reichte in seine Zeit als Pariser Bürgermeister in den 1990er Jahren zurück, als er knapp dreißig Mitarbeiter aus der Stadtkasse bezahlte, obwohl sie gar nicht für die Verwaltung arbeiteten.
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich bestürzt. Juncker sei „bewegt und am Boden zerstört“ durch die Nachricht vom Tode Chiracs, sagte eine Sprecherin in Brüssel. Europa verliere damit „nicht nur einen großen Staatsmann“, sondern Juncker persönlich auch „einen guten Freund“.
Gedächtnisverluste und Schwerhörigkeit prägten die letzten Lebensjahre von Chirac. Seinen letzten großen Auftritt in der Öffentlichkeit absolvierte er 2014 in Paris am Musée du Quai-Branly, das seither seinen Namen trägt. Chirac hatte sich stets durch seine Leidenschaft für Kunstschätze aus fernen Ländern und für das Sumo-Ringen ausgezeichnet.