Italien will Autostrade verstaatlichen
Die italienische Regierung denkt Insidern zufolge nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua über eine Verstaatlichung des Autobahnbetreibers nach.
Die italienische Regierung denkt Insidern zufolge nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua über eine Verstaatlichung des Autobahnbetreibers nach.
Die Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) könnte die Mehrheit an Autostrade per l’Italia übernehmen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Über diesen Schritt werde derzeit in der Regierung diskutiert. Ministerpräsident Giuseppe Conte hielte eine Teilverstaatlichung demnach für „keine schlechte Idee“.
Autostrade per l’Italia, die mehr als die Hälfte aller italienischen Mautstraßen betreibt, gehört derzeit zu 88 Prozent der börsennotierten Holding Atlantia, die von der Unternehmerfamilie Benetton beherrscht wird. Die Familienholding Edizione wollte sich nicht zu einer möglichen Verstaatlichung äußern. Die Finanzpolizei Guardia di Finanza beschlagnahmte am Mittwoch bei Atlantia und Autostrade Unterlagen. Zugleich trat der Verwaltungsrat von Atlantia zu einer Sitzung zusammen.
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Die restlichen Anteile an Autostrade liegen bei internationalen Infrastruktur-Investoren, zu denen der deutsche Versicherungsriese Allianz zählt. Er war vor gut einem Jahr als Teil eines Konsortiums bei Autostrade eingestiegen und hatte dafür rund 600 Millionen Euro bezahlt. Insgesamt wurde der Autobahnbetreiber damals mit 15 Milliarden Euro bewertet. Die Atlantia-Aktie verlor am Mittwoch 2,2 Prozent auf 18,49 Euro. Seit dem Unglück hat sie mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren.
Bereits kurz nach dem Unglück machte Innenminister Matteo Salvini deutlich, dass man bereit sei, die Schuldenregeln der EU zu brechen, um zu einer Lösung zu kommen.
Beim Einsturz einer Autobahnbrücke über ein Wohngebiet in Genua kamen in der vergangenen Woche 43 Menschen ums Leben. Die Brücke ist Teil der Autobahn A10 entlang der Riviera-Küste. Die populistische Regierung in Rom wirft Autostrade Sicherheitsmängel vor und will dem Unternehmen die Zuständigkeit für fast 3000 Autobahnkilometer entziehen.