Italien verurteilt Angriffe Israels auf UN-Stützpunkte im Libanon
Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto hat Israels Angriffe auf UNIFIL-Stützpunkte im Libanon scharf verurteilt. Die italienische Regierung zweifelt die Erklärung an, dass der Angriff ein Fehler gewesen sei.
Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto hat Israels Angriffe auf UNIFIL-Stützpunkte im Libanon scharf verurteilt. Die italienische Regierung zweifelt die Erklärung an, dass der Angriff ein Fehler gewesen sei.
Am Donnerstag (10. Oktober) griffen israelische Streitkräfte drei Stützpunkte der Interimstruppe der Vereinten Nationen im Südlibanon (UNIFIL) an. Zwei der Stützpunkte werden von Italien geführt.
„Es gibt keine Begründung für die Behauptung, dass israelische Streitkräfte UNIFIL gewarnt hätten, einige Stützpunkte zu evakuieren“, sagte Crosetto auf einer Pressekonferenz im Palazzo Chigi. „Ich habe den Botschafter angewiesen, Israel mitzuteilen, dass weder die Vereinten Nationen noch Italien Anweisungen von der israelischen Regierung akzeptieren.“
„Die wiederholt von israelischen Streitkräften ausgeführten feindlichen Handlungen könnten Kriegsverbrechen darstellen. Dies sind schwerwiegende Verstöße gegen das Völkerrecht, die durch keine militärische Notwendigkeit gerechtfertigt sind“, fügte der Minister hinzu.
Nach einem Gespräch mit seinem israelischen Amtskollegen Yoav Gallant und dem israelischen Botschafter in Italien wiederholte Crosetto, dass die italienische Regierung die Erklärung, es handele sich um einen Fehler oder Unfall, nicht für glaubwürdig halte. Italien fordere daher „so schnell wie möglich echte Erklärungen“.
Wie Ansa berichtete, interpretiert die Interimstruppe der Vereinten Nationen den Angriff auf ihre Stützpunkte im Libanon als Versuch, „den Rückzug zu erzwingen“. Hochrangige Sicherheitsquellen, die mit der Lage im Nahen Osten vertraut sind, sehen darin einen Plan, um „unerwünschte Zeugen“ für zukünftige militärische Operationen Israels im Libanon zu vermeiden.
Le Monde berichtete unter Berufung auf das französische Verteidigungsministerium, dass Frankreich und Italien als Reaktion auf diese Vorfälle ein Treffen der europäischen Staaten einberufen wollen, die zur Interimstruppe der UN beitragen. Dieses Treffen soll per Videokonferenz stattfinden, ein genaues Datum steht jedoch noch nicht fest.
Am Nachmittag gab die italienische Regierung bekannt, dass sie bei den israelischen Behörden formell Protest eingelegt habe. Die Aktionen in der Nähe der UNIFIL-Stützpunkte seien inakzeptabel, heißt es in einer Erklärung des Palazzo Chigi.
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprach auch telefonisch mit General Messina, dem Kommandeur des westlichen UNIFIL-Sektors. Dabei brachte sie ihre starke Solidarität mit den italienischen Soldaten zum Ausdruck, die derzeit im Rahmen der UN-Mission und der bilateralen UNIFIL-Mission im Libanon dienen.
Meloni hob die entscheidende Rolle der italienischen Truppen bei der Stabilisierung der Region hervor, wie es das Mandat der Vereinten Nationen vorgibt. Die italienische Regierung setzt sich weiterhin für ein Ende der Feindseligkeiten und für eine Deeskalation der Lage ein. Gleichzeitig betont sie die Bedeutung der UNIFIL-Mission im Südlibanon.
[Bearbeitet von Jeremias Lin/Kjeld Neubert]