Irland: Größter Lebensmittelskandal seit ‚Rinderwahn’ [DE]

Irland wird geschätzte 100 000 Schweine schlachten müssen, da das Land von einem Lebensmittelskandal betroffen ist, der als der größte in der EU seit Ausbruch der Rinderseuche BSE angesehen wird. BSE ist gemeinhin als ‚Rinderwahn’ bekannt und hat vor fünf Jahren zur Notschlachtung von über vier Millionen Rindern in Großbritannien geführt.

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Irland wird geschätzte 100 000 Schweine schlachten müssen, da das Land von einem Lebensmittelskandal betroffen ist, der als der größte in der EU seit Ausbruch der Rinderseuche BSE angesehen wird. BSE ist gemeinhin als ‚Rinderwahn’ bekannt und hat vor fünf Jahren zur Notschlachtung von über vier Millionen Rindern in Großbritannien geführt.

Die Europäische Kommission gab gestern (7. Dezember 2008) bekannt, dass sie die Belastung irischen Schweinefleisches mit Dioxin genau überwache.

Schätzungen zufolge werden Fleischprodukte im Wert von 125 Millionen Euro sowohl in Irland als auch in etwa 25 Ländern, in die irisches Schweinefleisch exportiert wird, vernichtet werden müssen. 

Untersuchungen der irischen Behörden fanden verseuchtes Schweinefleisch mit einem Dioxingehalt, der die Unbedenklichkeitswerte um das 80 bis 200-fache überstieg. Der Skandal nahm am 19. November 2008 seinen Lauf, als bei einer Routinekontrolle Fleisch einer Fleischfabrik positiv auf Dioxin getestet wurde.

Es stellte sich heraus, dass Futtermittel, die mit Industrieölen verunreinigt waren und mit denen die Schweine gefüttert wurden, die Ursache der Verseuchung waren. Die irische Presse berichtete, dass die Dioxine in Futtermitteln aus einer Wiederaufbereitungsanlage für Lebensmittel in Co. Carlow enthalten gewesen seien. 

Die irischen Behörden mahnten die Öffentlichkeit, alle Schweinefleischprodukte, die nach dem 1. September 2008 erworben worden seien, wegzuwerfen oder zurückzugeben. Koteletts, Würstchen, Speck, Blutwurst, einige Pizzasorten und andere Schweinefleischprodukte stehen auf der Liste mit Produkten, die gemieden werden sollten.

Unterdessen stellte sich heraus, dass Schweinefleisch aus Irland seit dem 1. September 2008 in ganze 25 Länder exportiert wurde. Man glaube, dass es sich um etwa 20 bis 25 Länder handele. Es seien aber auf jeden Fall weniger als 30, wurde Paddy Rogan, der Chef der irischen Veterinärbehörde, am Sonntag von den irischen Medien zitiert.

Einzelheiten über die Lieferung von möglicherweise kontaminiertem irischem Schweinefleisch an andere EU-Mitgliedstaaten und Drittstaaten werden dem Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel der EU mitgeteilt. Die Europäische Kommission kündigte an, in diesem Vorfall eine gemeinsame Vorgehensweise aller betroffenen Länder koordinieren zu wollen. 

Politiker und Experten sagen, die Dioxine müssten sich über einen längeren Zeitraum im Körper ansammeln, um für den Menschen ein Gesundheitsrisiko darzustellen. Der Verzehr von irischem Schweinefleisch, das mit Dioxin verunreinigt ist, sei mit dem Rauchen einer Zigarette vergleichbar, so die Experten.

Irland ist einer der größten Exporteure von Schweinefleisch. Großbritannien ist sein mit Abstand größter Handelspartner, gefolgt von Deutschland, Frankreich, Russland und Japan. Andere große Abnehmer sind unter anderem Hongkong, China und die Niederlande.

Die Bezeichnung ‚Dioxin’ beschreibt eine höchst krebserregende Gruppe chemischer Zusammensetzungen, die bei Verbrennungsreaktionen, dem Bleichen mit Chlor und der Herstellung chlororganischer Chemikalien entstehen. Wird mit Hitze auf Chlor eingewirkt, bilden sich Dioxine. Obgleich Dioxin auch in der Natur in tierischen Fetten und Pflanzenfasern vorkommen kann, bildet es sich größtenteils bei Prozessen, die vom Menschen durchgeführt werden.