Investoren schrecken vor Finnland, Schweden in NATO-"Grauzone" zurück
Die Unsicherheit über die NATO-Beitrittskandidaten Finnland und Schweden, die derzeit von der Türkei blockiert werden, hat internationale Investor:innen dazu veranlasst, bei Investitionen in beiden Ländern zurückhaltend zu sein.
Die Unsicherheit über die NATO-Beitrittskandidaten Finnland und Schweden, die derzeit von der Türkei blockiert werden, hat internationale Investor:innen dazu veranlasst, bei Investitionen in beiden Ländern zurückhaltend zu sein.
Mehrere Wirtschaftsexpert:innen haben festgestellt, dass Finnland in der „Grauzone“ zwischen dem NATO-Beitrittsantrag und der tatsächlichen Mitgliedschaft als Land mit etwas höherem Risiko eingeschätzt wird.
Das Geld flieht nicht aus dem Land, aber derzeit hat sich eine abwartende Haltung eingestellt. Auch die Tourismusbranche hat einige Stornierungen zu verzeichnen.
Die von der Zeitung Keskisuomalainen zusammengestellten Berichte der Nordea Bank, des Finanzdienstleistungsunternehmens Nordnet und des Arbeitsinstituts für Wirtschaftsforschung (Labore) sind kohärent: Bevor weitere Entscheidungen getroffen werden, sollten Anleger:innen abwarten, ob und welche Art von Vergeltungsmaßnahmen Russland bereit ist, zu verhängen.
Da Ankara einen „orientalischen Basar“ eröffnet hat, sind auch die Spannungen mit Griechenland eskaliert, was die Situation noch komplexer macht.
Verhandlungen mit der Türkei zur Beseitigung von Widerständen, die die NATO-Mitgliedschaft der beiden nordischen Länder verzögern, halten an.
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sagte der finnische Außenminister Pekka Haavisto von den Grünen am Dienstag (24. Mai), Finnland und Schweden würden am Mittwoch Delegationen in die Türkei entsenden, so Reuters.
Laut der Nachrichtenagentur zeigte sich Haavisto in Davos zuversichtlich, dass die türkischen Sicherheitsprobleme gelöst werden könnten und dass einige von ihnen nicht mit Finnland und Schweden, sondern mit anderen NATO-Ländern zusammenhingen.
Diskutiert werden das Waffenembargo und die Beziehungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).
Schweden: NATO-Gespräche mit Türkei werden „einige Zeit dauern“
Die Gespräche mit der Türkei bezüglich ihres Widerstands gegen einen NATO-Beitritt Schwedens und Finnlands werden…
2 Minuten
Der „orientalische Basar“
Laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person aus der EU hat die Türkei einen „orientalischen Basar“ eröffnet und versucht in letzter Minute, durch die Androhung eines Vetos gegen einen NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens so viel wie möglich rauszuhandeln.
Doch die Türkei ist nicht nur auf Zugeständnisse der beiden skandinavischen Länder aus. Letzte Woche eskalierte Ankara seine Beziehungen zu Griechenland durch eine Reihe von Verletzungen des griechischen Luftraums.
Der türkische Präsident Tayyip Erdoğan sagte am Montag (23. Mai), dass der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis für ihn „nicht mehr existiert“, und beschuldigte den griechischen Regierungschef, während eines Besuchs in den Vereinigten Staaten versucht zu haben, den Verkauf von F-16-Kampfjets an die Türkei zu blockieren.
Sowohl die EU-Kommission als auch das US-Außenministerium vermieden es, die harschen Äußerungen Erdoğans zu kommentieren.
Im Hinblick auf Griechenland stellte die Quelle klar, dass es sich um ein EU-Mitglied handelt und die „Türkei daher keine Gegenleistung für ihre Erpressung verlangen kann, und zwar aus dem einfachen Grund, dass sowohl Griechenland als auch Zypern von der gesamten EU unterstützt werden.“
Die Situation für Finnland und Schweden ist jedoch eine andere.
„Schweden und Finnland sind ebenfalls EU-Mitglieder, aber in diesem Fall sind sie verwundbarer, weil das Spiel auf NATO-Ebene gespielt wird, die nicht unter der vollständigen Kontrolle Europas steht […] die Amerikaner spielen eine entscheidende Rolle bei der Lösung dieses Problems“, so der Informant.
Er fügte hinzu, dass der Druck seitens Erdoğan mehr mit seinem anhängigen Streit mit Washington über den Kauf von F-16-Kampfflugzeugen zu tun habe als mit der Frage des „Terrorismus“ in den beiden skandinavischen Ländern.
„Finnland und Schweden, zwei Länder mit einem hohen Maß an Rechtsstaatlichkeit, können keine Personen an die Türkei ausliefern, und die Türkei weiß das“, so die Quelle.
Finnland und Schweden werden am NATO-Gipfel teilnehmen
Wie der spanische Premierminister Pedro Sánchez am Dienstag bestätigte, werden die beiden nordischen Länder am NATO-Gipfel in Madrid teilnehmen.
Fast eine Woche, nachdem Finnland und Schweden dem Generalsekretär des Bündnisses ihre NATO-Beitrittsanträge überreicht haben, lehnt die Türkei den Beitritt der beiden nordischen Länder weiterhin ab.
Sanchez bestätigte die Teilnahme der beiden Länder am Madrider Gipfel am 29. und 30. Juni während einer Konferenz auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, wie EURACTIVs Partner EFE berichtete.
Auf der Konferenz unterstrich der spanische Premierminister zudem die Wichtigkeit, die NATO angesichts der russischen Feindseligkeiten in der Ukraine zu stärken und merkte an, dass der Beitritt beider Länder sowohl das Bündnis als auch die EU stärken würde.
Spanien bereitet sich darauf vor, ein informelles Abendessen zwischen NATO-Mitgliedern und europäischen Verbündeten auszurichten, so Sanchez weiter.
[Bearbeitet von Sarantis Michalopoulos und Alice Taylor]