Interview: Trennung von Religion und Staat ‚wichtig’ für Toleranz [DE]
Alle Einwanderer in die EU müssten weithin die grundlegenden Elemente des europäischen politischen Systems akzeptieren, das auf einer Trennung von Religion und Staat basiere, so Professor Henk Dekker der Universität von Utrecht.
Alle Einwanderer in die EU müssten weithin die grundlegenden Elemente des europäischen politischen Systems akzeptieren, das auf einer Trennung von Religion und Staat basiere, so Professor Henk Dekker der Universität von Utrecht.
Dekker gestand ein, dass die Toleranzgrenzen und das Maß, zu welchem die europäische Gesellschaft kulturelle Differenzen akzeptieren könne, „schwierige politische Fragen“ seien. Dekker sprach in einem Interview mit EURACTIV Slowakei über Islamophobie in der EU. Er betonte die enorme Bedeutung der Integration der Muslime in die europäische Gesellschaft und warnte: „Radikalisierung ist ein Ergebnis von Marginalisierung und Ausgrenzung.“
„Muslime bilden nie eine kohärente Gruppe“. Daher sei es unrealistisch, zu erwarten, islamische Minderheiten in den europäischen Ländern als solche zu behandeln. Dekker forderte, dass Stereotypen vergessen werden müssten, da „die Realität viel komplizierter“ sei.
Die Vereinbarkeit der europäischen und islamischen kulturellen Normen steht derzeit im Zentrum des Interesses in den Niederlanden. Kürzlich hatte Geert Wilders – dessen Freiheitspartei neun Sitze im Abgeordnetenhaus hat – gesagt, er habe ‚genug vom Islam’ in seinem Land.
Wilders fordert, dass der Koran verboten werden solle und beabsichtigt, einen Film zu veröffentlichen, der einen solchen Schritt unterstützt. Dies hatte eine Debatte über Rede- und Religionsfreiheit ausgelöst.
Die Integration der islamischen Kulturen in die europäische Gesellschaft steht im Zentrum des Europäischen Jahres des Interkulturellen Dialogs (EJID 2008). Ziel des EJID ist es, den EU-Bürger zu helfen, „in einem offeneren, komplexeren kulturellen Umfeld“ zurechtzukommen.
Religiöser Extremismus sei ein „allgemeines Phänomen“ und „nicht charakteristisch einzig für den Islam“, so Dekker. Er sagte, es sei „wichtig, zu wissen, wer in diesen radikalen Gruppierungen aktiv ist und […] was deren Ideologie ist“, um zu verstehen, „warum sie bereit sind, sich selbst zu opfern“. Umgekehrt betont er auch, dass „es viele Menschen gibt, die andere Ideen und Gedanken achten, […] und die an einem Meinungsaustausch interessiert sind“.
Die Frage, ob Behörden in Fällen der Diskriminierung von weiblichen, lesbischen oder schwulen Muslimen eingreifen sollten (so genannte ‚Minderheiten innerhalb von Minderheiten’), bejahte Dekker. „Wir sollten auf jeden Fall eingreifen. In vielen [europäischen] Verfassungen ist Diskriminierung verboten. Es gibt keine Ausnahmen.“
Schließlich forderte Dekker, dass bestimmte Probleme, wie der Frage, ob muslimische Mädchen in der Schule ein Kopftuch tragen dürfen, „aus praktischer Sicht“ gelöst werden sollten. Dabei müsse die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern an oberster Stelle stehen.
Um das vollständige Interview mit Professor Dekker zu lesen, klicken Sie bitte hier.