Interview: Obama und EU können Islam die Hand reichen [DE]

Der zukünftige US-Präsident Barack Obama und die EU könnten zusammenarbeiten, um die Beziehung zwischen der jüdisch-christlichen Welt und dem Islam zu verbessern, meinte John Bruton, früherer irischer Premierminister und aktueller EU-Botschafter in den USA, in einem Interview mit EURACTIV.

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Der zukünftige US-Präsident Barack Obama und die EU könnten zusammenarbeiten, um die Beziehung zwischen der jüdisch-christlichen Welt und dem Islam zu verbessern, meinte John Bruton, früherer irischer Premierminister und aktueller EU-Botschafter in den USA, in einem Interview mit EURACTIV.

Obamas Wahl, so sagte er, habe das Ansehen der USA in der Welt so sehr verbessert, dass die jetzige Situation eine „mögliche Gelegenheit für uns alle“ sein könne, um „die Beziehung zu verändern“ und „die Kluft, die sich zwischen der jüdisch-christlichen Welt – Europa und die USA eingeschlossen – und der islamischen Welt aufgetan hat, zu schließen“.

Bruton erklärte, Obama werde konstruktiv mit der EU zusammenarbeiten, und merkte an, dass dieser bereits während seines Wahlkampfes gezeigt habe, wie sehr er auf die EU setzen wolle. Dieser Ansatz ist für den Botschafter ein „gutes Zeichen“, „nicht nur für die EU, sondern auch für Obamas Herangehensweise an den Multilateralismus allgemein. Er zeigt, dass er bereit ist, erfahrene, multinationale Institutionen anzuerkennen und mit ihnen zusammenzuarbeiten“.

Bruton argumentierte, der neue Präsident „sieht am Beispiel der EU, welche Vorteile es hat, souveräne Staaten zusammenzubringen” und er sagte, „es sei eine Tatsache, dass selbst für ein so großes Land wie die USA einige Probleme, die es heimsuchen, einfach zu groß sind, als dass es sie alleine lösen könnte. Die Europäer haben das schon vor langer Zeit gelernt“.

Der Botschafter lobte den „unbezwingbaren Optimismus” und die „alles-ist-möglich-Haltung“ des US-amerikanischen Volkes. Diese Einstellung „wird bei der Lösung der vielen globalen Probleme, mit denen wir uns momentan auseinandersetzen müssen, sehr wichtig sein“.

Er merkte jedoch auch an, dass „die US-Amerikaner ihrerseits lernen müssen, dass in anderen Bereichen wie beispielsweise dem Klimawandel Optimismus allein das Problem nicht wird lösen können“. „Wir müssen Anreize schaffen, damit die Menschen Geld in Energiesparmaßnahmen und in die FuE umweltfreundlicher Energiequellen stecken“, erklärte Bruton.

Der EU-Botschafter beschrieb, was die Europäische Kommission in erster Linie von der neuen Regierung erwarte, nämlich unter anderem, „dass sie sich stärker für ein Vorankommen bei der Welthandelsrunde einsetzt“.

Bruton meint, die Erwartungen der USA an ein globales Abkommen seien momentan unrealistisch. „Ich glaube nicht, dass man eine Welthandelsrunde durch eine so merkantilistische Brille betrachten sollte“, sagte er. Solange es noch kein neues Abkommen gebe, so warnte er, „besteht die ernstzunehmende Gefahr, dass der Protektionismus wieder erwacht“.

Deshalb meinte er, „die Regierung täte besser daran, ihr politisches Gewicht einzusetzen, um ein großes Handelsabkommen durchzusetzen – ein großes, globales Abkommen –, statt zuzusehen, wie dieses Gewicht mit einer endlosen Folge bilateraler Abkommen schwindet“.

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