Interview: Mehrsprachigkeit fester Bestandteil der Demokratie in EU [DE]
EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit Leonard Orban sprach mit EURACTIV Slowakei über seine Überzeugung, dass das Thema auch nach Mandatsende der aktuellen Europäischen Kommission im Herbst 2009 „seinen eigenen Platz“ innerhalb des Politikrahmens der EU finden werde.
EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit Leonard Orban sprach mit EURACTIV Slowakei über seine Überzeugung, dass das Thema auch nach Mandatsende der aktuellen Europäischen Kommission im Herbst 2009 „seinen eigenen Platz“ innerhalb des Politikrahmens der EU finden werde.
Übersetzungen und Dolmetschdienstleistungen für die EU-Institutionen machen 1,1 Milliarde Euro bzw. 1% des jährlichen EU-Budgets aus. Auf die Frage, weshalb keine weiteren Mittel zur Verfügung gestellt würden, um die neue Strategie für Mehrsprachigkeit, die im September 2008 von der Kommission vorgestellt wurde (EURACTIV vom 19. Oktober 2008), zu fördern, betonte Orban die Notwendigkeit „sehr realistisch“ zu bleiben und die „politischen Aspekte der Finanzordnung in der EU“ zu bedenken.
Vor 2013 werde es keine zusätzlichen Gelder geben, da die Finanzmittel der EU bereits im Rahmen des aktuellen Finanzierungszeitraums verteilt worden seien, erklärte er. Doch „wir stehen erst am Anfang“, meinte er und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass zu einem späteren Zeitpunkt über „genauere finanzielle Möglichkeiten“ entschieden werde.
In jedem Fall betonte Kommissar Orban, dass „keine zusätzlichen Gelder nicht gleich bedeuten, dass Mehrsprachigkeit eine Art nebensächliche Politik außerhalb der wichtigen politischen Felder ist“. Das Thema Sprachen sei mit mehreren anderen politischen Bereichen gleichzeitig verbunden, erklärte er. Dazu gehörten unter anderem die Bereiche Beschäftigung, die Mobilität der Erwerbstätigen, sozialer Zusammenhalt und die Kommunikation mit den Bürgern.
Außerdem glaubt er nicht, dass die Kosten für die EU-Mehrsprachigkeitspolitik sehr hoch seien. „Wenn wir [die 1,1 Milliarde Euro] auf die Bevölkerung verteilen, sehen wir, dass wir etwa 2,50 Euro pro Bürger pro Jahr ausgeben. Ich glaube wirklich nicht, dass man hier von hohen Beträgen sprechen kann – wirklich nicht!“
Der Kommissar rechtfertigt die Ausgaben mit dem Verweis auf die Tatsache, dass beinahe die Hälfte der EU-Bevölkerung nur ihre eigene Muttersprache spricht. „Das ist der Preis für die Demokratie“, meinte er. „Wie können wir garantieren, dass die Bürger die Bedeutung der Gesetze, ihre Rechte und Pflichten verstehen? Ganz einfach: indem wir die Gesetzgebung in ihre Muttersprache übersetzen lassen.“
Die neue Strategie der EU-Kommission zielt nicht auf den institutionellen Teil der Sprachenpolitik ab, sondern stellte eher die Förderung des Sprachenlernens in den Vordergrund. Auf die Frage, ob die mehrsprachige Natur der EU-Institutionen nicht eher die Verwendung der englischen Sprache auf Kosten anderer Sprachen fördere, antwortete Orban: „Jeder kann feststellen, dass Englisch in der EU immer präsenter wird, gleichzeitig aber auch immer weniger effizient ist“. Das habe sowohl wirtschaftliche als auch kulturelle Gründe.
Orban meinte, es sei noch „zu früh, um Endergebnisse” seiner Arbeit zu diskutieren. Bis zum Ende des Mandats der derzeitigen Kommission im Herbst 2009 sollten noch mehr Initiativen folgen, erklärte er, unter anderem auch eine hochrangige Konferenz zu kultureller Übersetzung.
Auf die Frage, ob er erwarte, dass Mehrsprachigkeit auch unter der neuen Kommission einen eigenen Kommissar bekommen wird, brachte Orban schließlich seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die Sprachenpolitik in der EU auch weiterhin „ihren festen Platz“ behalten werde, „ob gesondert oder in Verbindung mit anderen politischen Bereichen“.
Allerdings „weiß niemand, wie der nächste Kommissionspräsident die Ämter verteilen wird“, räumte er ein, obgleich „Themen wie die Nachhaltigkeit des derzeitigen Sprachensystems“ dabei berücksichtigt werden müssten.
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