Interview: "Learning-by-doing" für naturwissenschaftlichen Unterricht [DE]
Dem abnehmenden Interesse junger Menschen für Naturwissenschaften kann nach Ansicht einer Expertengruppe hauptsächlich durch einen "Learning-by-doing"-Ansatz begegnet werden, der auf eigenem Erforschen basiert.
Dem abnehmenden Interesse junger Menschen für Naturwissenschaften kann nach Ansicht einer Expertengruppe hauptsächlich durch einen „Learning-by-doing“-Ansatz begegnet werden, der auf eigenem Erforschen basiert.
Die Sachverständigengruppe, die von der Kommission eingerichtet wurde, um politische Empfehlungen zur Verbesserung der wissenschaftlichen Ausbildung an europäischen Grund- und Sekundarschulen, vorzulegen, hat ihren Bericht am 12. Juni 2007 vorgelegt.
„Die Diagnose eines ‚düsteren und alarmierenden’ Zustands der europäischen wissenschaftlichen Ausbildung war bereits zuvor bekannt, aber die Methoden, wie man den derzeitigen Zustand überwinden könnte, sind bisher nicht analysiert worden. Dies ist das Novum unseres Berichts“, erklärte Péter Csermely, Professor an der Semmelweis University und Mitglied der Expertengruppe, in einem Interview mit EURACTIV.com.
Die bedeutendste Schlussfolgerung des Berichts mit dem Titel ‚ Science education NOW: A renewed pedagogy for the future of Europe’ (‘Wissenschaftliche Ausbildung JETZT: Eine erneuerte Pädagogik für die Zukunft Europas’) ist die Notwendigkeit, „die Art und Weise, auf die Lehrer arbeiten, zu ändern, und sie davon zu überzeugen, ihre pädagogischen Methoden zu ändern“, erklärte Csermely. Diese Änderung meint eine Abwendung von der traditionellen, hauptsächlich deduktiven Methoden des naturwissenschaftlichen Unterrichts hin zu Methoden, die auf eigenem Erforschen basieren („Learning-by-doing“-Methode), um dem abnehmenden Interesse junger Menschen für Naturwissenschaften zu begegnen.
Eine kürzliche durchgeführte Studie von Eurydice über ‚ Science Teaching in Schools in Europe’ (Naturwissenschaftsunterricht an Schulen in Europa) betont die Bedeutung für Lehrer naturwissenschaftlicher Fächer, Theorie und Praxis im Unterricht zu verbinden, und den Schülern zu helfen, ‚wissenschaftliches Denken’ zu entwickeln. Laut des Berichts leistet praktische Arbeit einen wichtigen Beitrag zu der Fähigkeit der Schüler, Wissenschaften zu erlernen und komplexere kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln. Der derzeitige Naturwissenschaftsunterricht in der EU ist jedoch von einem ehr ‚stereotypischen’ Ansatz hinsichtlich praktischer Aktivitäten geprägt.
Eine weitere der sechs Empfehlungen des Berichts der Expertengruppe schlägt vor, die Beziehungen zwischen Schulen und Unternehmen, Städten und anderen Entscheidungsträgern aus dem Bereich der nichtformalen Bildung zu stärken. Dies soll der Umsetzung der „Learning-by-doing“-Methoden im Naturwissenschaftsunterricht dienen.
„Internationale Unternehmen haben ein zunehmendes Interesse an der Unterstützung des naturwissenschaftlichen Ausbildung, da sie einen ernsthaften Mangel an hochqualifizierten Ingenieuren zu verzeichnen haben“, erklärte Csermely. Er fügte hinzu, dass es bereits einige Initiativen europäischer Unternehmen gebe. „Unternehmen können Besuche sowohl für Grund- als auch für Sekundarschulen organisieren und Praktika für Schüler der Sekundarstufe und Lehrer anbieten. Zudem können sie finanzielle Mittel für neue Projekte des Naturwissenschaftsunterrichts an Schulen oder in Stadtteilen zur Verfügung stellen oder dabei behilflich sein, erfolgreiche Projekte in anderen Ländern publik zu machen.“
„Wir schlagen weiterhin vor, ein European Science Education Advisory Board [Europäischen Beirat für Wissenschaftliche Ausbildung] zu schaffen, dass als fortwährendes Forum für die Überwachung, Verbindungsarbeit und Initiierung von Informationsaustausch zwischen den Lehrern der EU-27 dienen soll. Der Zeitplan für die Schaffung dieses Gremiums wurde noch nicht festgelegt, aber ich denke, es wird vor Ende des Jahres die Arbeit aufnehmen.“
Um das vollständige Interview mit Professor Péter Csermely zu lesen, klicken sie bitte hier.