Interview: Landwirte von Finanzkrise betroffen [DE]

Im Vorfeld eines Treffens der EU-Landwirtschaftsminister, auf dem sie über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Union diskutieren werden, hat der Vorsitzende der EVP-ED-Fraktion Joseph Daul in einem Interview mit EURACTIV France die Risiken und die neuen Herausforderungen hervorgehoben, mit denen die EU konfrontiert ist. 

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Im Vorfeld eines Treffens der EU-Landwirtschaftsminister, auf dem sie über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Union diskutieren werden, hat der Vorsitzende der EVP-ED-Fraktion Joseph Daul in einem Interview mit EURACTIV France die Risiken und die neuen Herausforderungen hervorgehoben, mit denen die EU konfrontiert ist. 

Daul erwartete nicht, dass auf dem dreitägigen Treffen, das am 21. September 2008 in Annecy (Frankreich) beginnt, wichtige Entscheidungen getroffen werden. „Wirkliche Reformen“ würden erst nach den Wahlen zum Europäischen Parlament im Jahr 2009 durchgeführt werden, wenn die Debatte um den nächsten EU-Haushalt begonnen worden sei, sagte Daul.  

Die französische Ratspräsidentschaft möchte, dass sich die Mitgliedstaaten auf vier wichtige Punkte für die GAP nach 2013 einigen:

  • Die Ernährungssicherung der Union gewährleisten.
  • Zum globalen Nahrungsmittelgleichgewicht beitragen.
  • Das Gleichgewicht der ländlichen Gebiete erhalten.
  • Den Klimawandel bekämpfen.

Er glaubt außerdem, dass die EU den Landwirten unter die Arme greifen müsse, da viele von ihnen direkt von der Finanzkrise betroffen gewesen seien.

„Die Zinsen werden steigen und werden die Landwirte, die investieren möchten, erdrücken. Dies wird unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaft haben“, sagt Daul und fordert, dass die GAP im Anschluss an die globale Ernährungskrise, die die Ernährungssicherung wieder ganz oben auf der EU-Agenda platziert, vollständig überdacht wird.

Mit Blick auf den Klimawandel sagte Daul, dass der Landwirtschaftssektor bereits die nötigen Reformen unternommen habe. Die ökologischen Schutzmaßnahmen beschrieb er als „wirksam“. Die Industrie sei nun in der Pflicht, fügte er hinzu.

Auf die Frage, ob er denke, dass trotz festgefahrener und divergierender Positionen einiger Länder eine Einigung über den ‚Gesundheitscheck’ bei der GAP gefunden werde, behauptete Daul, dass sich die Meinungen der Regierungen eher bei formellen als bei inhaltlichen Fragen voneinander unterschieden.

Er erwartet, dass eine Einigung der Minister im November erzielt wird und man sich dazu verpflichtet, sich um eine Einigung im Parlament bis zum Ende des Jahres zu bemühen.