Interview: E-Health-Strategien der EU 'entsprechen nicht der Realität' [DE]

Die Agenda der EU-Politiker für die Entwicklung einer Strategie für E-Health entspreche nicht der Realität, sagte Martin Denz, der Präsident des Europäischen Verbandes für Gesundheitstelematik (EHTEL) in einem Interview mit EURACTIV.

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Die Agenda der EU-Politiker für die Entwicklung einer Strategie für E-Health entspreche nicht der Realität, sagte Martin Denz, der Präsident des Europäischen Verbandes für Gesundheitstelematik (EHTEL) in einem Interview mit EURACTIV.

Die Gruppe fordert die Umsetzung eines „Bottom-up“-Ansatzes für integrierte Gesundheits- und Sozialdienste durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

„Die breite Mehrheit der EU-Länder verfolgt E-Health-Strategien, diese stehen jedoch in keiner Weise mit den wahren Bedingungen der Bereitstellung von Gesundheitsdiensten in Verbindung“, sagte EHTEL-Präsident Dr. Martin Denz im Vorfeld einer jährlichen EU-weiten Konferenz über E-Health, die am 6. und 7. Mai 2008 in Portorož, Slowenien, stattfand. Die teilnehmenden Stakeholder wollten die neuesten Errungenschaften vorstellen, die durch die Nutzung von Informations- und Telekommunikationslösungen im Gesundheitswesen möglich werden.

Laut Denz habe man in den 1990er Jahren einen Anstieg von Aktivitäten in den Bereichen E-Health und Telemedizin wahrgenommen, wie Gesundheitstelematik, Betreuung und Beratung ebenso wie Krankheitsmanagement. Er sagte jedoch, weder beabsichtige man, „Strukturen oder Gesundheitssysteme zu verändern“, noch denke man darüber nach, das Pflegewesen komplett umzuorganisieren. 

„Wir müssen erreichen, dass integrierte Dienste bereitgestellt werden können“, sagte Denz. Er erklärte, dass Teile dieses neuen Ansatzes bereits vorhanden seien und dass eine neue Branche für Gesundheitsdienste, die hauptsächlich aus kleinen und mittleren Unternehmen bestehe, bereits zur Bereitstellung von Gesundheits- und Sozialdiensten beitrage. Da der Ansatz für E-Health bisher durch das „Top-down“-Prinzip geprägt gewesen sei und sich stark an der IT-Branche orientiert habe, „haben wir bisher die Rolle der KMU in diesem Prozess vollkommen vernachlässigt“, erklärte Denz.

Er sagte weiter, wenn es das Ziel sei, die Gesundheitsdienste bereitzustellen und zu verbessern, statt einfach nur Krankheiten zu heilen, müssten zusätzliche Sozialdienste in die Bereitstellung von Gesundheitsdiensten integriert werden, wie beispielsweise die Auslieferung von Essen und die Reinigung von Wohnungen älterer Menschen. „Dies ist mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, wie einzelne medizinische Maßnahmen“, sagte Denz. Er prognostizierte eine Reihe neuer, innovativer Geschäftspläne, die hierauf abzieten, da Anreize geschaffen würden, um in Innovationen zu investieren.

Eine Kombination gesetzlich verankerter und anderer Formen der Rückerstattung würde laut Denz für die Bereitstellung der neuen Dienste aufkommen – entweder auf privatem Weg oder basierend auf neuen Modellen, die mittels innovativen Geschäftsplänen entwickelt würden.

Sich auf einen jüngsten Bericht von EHTEL über nachhaltige Telemedizin beziehend, sagte Denz, auch wenn sich das gesamte E-Health-Konzept „auf dem richtigen Weg“ befände und die EU-Länder „viele nette Strategiepapiere für E-Health“ und „fabelhafte Agenden“ hätten, entspreche der gegenwärtige „Top-down“-Ansatz nicht der Realität und er stelle die tatsächliche Umsetzung von Maßnahmen in den Bereichen Telemedizin und E-Health nicht sicher.

„E-Health verändert das Management von Gesundheitssystemen durch die Nutzung von IKT“, sagte Denz. Er forderte, dass Pflegedienste verfügbar gemacht werden müssten, wobei die Möglichkeiten genutzt werden müssten, welche die E-Health-Infrastruktur böte.

Um das vollständige Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier.