Industrie: EU-Energiesparziele "sehr sportlich"

Die deutsche Industrie hält "überhaupt nichts" von scharfen Verpflichtungen in der derzeit diskutierten EU-Energieeffizienzrichtlinie. Das machten die Industrievertreter bei der Anhörung im Bundestagsausschuss deutlich.

Zehn Sachverständige aus Industrie und Forschung beantworteten im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie Fragen zur Energieeffizienzrichtlinie. Foto: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Melde
Zehn Sachverständige aus Industrie und Forschung beantworteten im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie Fragen zur Energieeffizienzrichtlinie. Foto: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Melde

Die deutsche Industrie hält „überhaupt nichts“ von scharfen Verpflichtungen in der derzeit diskutierten EU-Energieeffizienzrichtlinie. Das machten die Industrievertreter bei der Anhörung im Bundestagsausschuss deutlich.

Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Energieeffizienzrichtlinie war das Thema der Anhörung im Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Technologie. Zehn Sachverständige stellten sich am Montag (5. März) den Fragen der Ausschussmitglieder.

BDI

Die Industrie warnte vor zu scharfen Verpflichtungen bei der Energieeinsparung und Energieeffizienz. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) lehnte "absolute Energieeinsparziele ab, da diese nicht mit dem zyklischen Konjunkturverlauf zu vereinbaren sind, ohne dass dies zu Lasten der Wirtschaftskraft europäischer Unternehmen geht".

BDEW

Insgesamt setze die Energieeffizienzrichtlinie zu wenig auf flexible und effiziente Marktelemente, hieß es vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Daher halte man "überhaupt nichts von dieser Art Verpflichtung". Feste Vorgaben pauschal für alle Unternehmen seien kontraproduktiv und das Ziel der Richtlinie "sehr sportlich", erklärten die Kupfer verarbeitenden "Wieland-Werke".

Wirtschaftsvereinigung Stahl

Weiterhin sei das Ziel, 20 Prozent Primärenergie bis 2020 einzusparen, für einige Wirtschaftszweige "absolut unrealistisch", erklärte die Wirtschaftsvereinigung Stahl. So habe die Stahlindustrie ihren Primärenergieverbrauch seit 1960 bereits um 40 Prozent gesenkt. Die Sparpotenziale seien damit weitgehend ausgeschöpft.

Prognos und DENEFF

Dagegen erklärten die Vertreter der Prognos AG und der deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF), die Ziele der EU seien durchaus erreichbar, da diese mit den nationalen Zielen Deutschlands für diesen Bereich übereinstimmten. Allein mittels Stromeffizienzmaßnahmen könne auf die Kapazität von mindestens zehn Kernkraftwerken verzichtet werden.

Julia Backes

Links

Bundestag: Wirtschaft lehnt absolute Energieeinsparziele ab (5. März 2012)

Bundestag: VideoAusschusssitzung Energieeinsparung und Energieeffizienz (5. März 2012)

Dokumente

Bundestag: Stellungnahmen der Sachverständigen

EU-Kommission: Website mit Dokumenten zur EU-Energieeffizienzrichtlinie

EU-Kommission: Starke Impulse für Energiesparen und Energieeffizienz (22. Juni 2011)

EU-Kommission: Vorschlag für eine Richtlinie zur Energieeffizienz (22. Juni 2011)

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