Hüther: "Öffnung des Arbeitsmarktes - richtiger Schritt zur richtigen Zeit"
Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, begrüßt den Wegfall der Zugangsbeschränkungen für Arbeitnehmer aus acht osteuropäischen Mitgliedsstaaten. Es sei nicht damit zu rechnen, dass der deutsche Arbeitsmarkt mit ausländischen Arbeitskräften überschwemmt wird. Deutschland werde von der Öffnung in doppelter Hinsicht profitieren.
Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, begrüßt den Wegfall der Zugangsbeschränkungen für Arbeitnehmer aus acht osteuropäischen Mitgliedsstaaten. Es sei nicht damit zu rechnen, dass der deutsche Arbeitsmarkt mit ausländischen Arbeitskräften überschwemmt wird. Deutschland werde von der Öffnung in doppelter Hinsicht profitieren.
Die Arbeitsmarktforscher des IW Köln werteten Daten des aktuellen Eurobarometers aus und kommen zu dem Schluss, dass in den kommenden Jahren viele Menschen nach Deutschland einwandern werden. Im Vergleich zu früheren Einwanderungswellen werde der Zustrom aber moderat bleiben.
12 Millionen Auswanderungswillige
In den acht ost- und mitteleuropäischen Mitgliedsländern würden bis zu 23 Prozent der Bürger Auswanderung in Betracht ziehen. Das entspreche einem Potenzial von rund 12 Millionen Personen. "Anzunehmen, dass alle 12 Millionen Personen auf den deutschen Arbeitsmarkt drängen, wäre allerdings absurd", erklärte Michael Hüther am Dienstag in Berlin.
Erstens würden bis zu 50 Prozent der "Migrationssympathisanten" ihre Auswanderungspläne wieder verwerfen. Zweitens würden nur die Wenigsten diesen Schritt innerhalb des nächsten Jahres wagen. Drittens hätten viele nicht die Absicht, dauerhaft im Ausland zu bleiben, und viertens sei Deutschland nicht das einzige interessante Land innerhalb der EU. Großbritannien, die skandinavischen Staaten oder Österreich seien für viele Auswanderungswillige mindestens genauso attraktiv.
Bugwelleneffekt erwartet
Nach der Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes am 1. Mai 2011 erwartet das IW Köln für die kommenden zwei Jahre maximal 800.000 Einwanderer. Das ist die oberste Grenze der Schätzung. Danach dürften die Zahlen stark sinken. Bis 2020 könnten weitere 400.000 Einwanderer folgen. Insgesamt wären das 1,2 Millionen Einwanderer bis Ende des Jahrzehnts.
Im historischen Vergleich sind diese Zahlen nicht außergewöhnlich. In den neunziger Jahren waren zwischen 1991 und 2000 über 3,3 Millionen Menschen nach Deutschland eingewandert. Auch in den siebziger Jahren waren es jährlich teilweise 500.000 Einwanderer gewesen.
Einwanderung als Chance für deutschen Arbeitsmarkt
Der deutsche Arbeitsmarkt hätte von dem Wegfall der Beschränkungen keine negativen Auswirkungen zu befürchten. Deutschland sei sogar doppelt auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Dies gelte insbesondere in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs und des demographischen Wandels. Langfristig sollte sich Deutschland als attraktives Einwanderungsland präsentieren, um konkurrenzfähig zu bleiben und den Fachkräftemangel in bestimmten Branchen abzufedern, so die Empfehlung des IW Köln.
Martin Schmidt
Links
Dokumente
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