Hitzebelastung verschärft laut Studie soziale Ungleichheiten

Laut einer Studie des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (EGI) haben sich die EU-Länder bisher nicht ausreichend mit den Auswirkungen der steigenden Temperaturen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der arbeitenden Bevölkerung befasst.

EURACTIV.com
Heatwave
"Wenn die Umgebungstemperatur 38 Grad Celsius übersteigt, steigt das allgemeine Verletzungsrisiko um 10-15 Prozent", erklärt Claudia Narocki, die Autorin der Studie. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/woman-protect-herself-hot-sun-while-1415616176" target="_blank" rel="noopener">Nelson Antoine / Shutterstock</a>]

Laut einer Studie des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (EGI) haben sich die EU-Länder bisher nicht ausreichend mit den Auswirkungen der steigenden Temperaturen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der arbeitenden Bevölkerung befasst.

Dies gilt insbesondere für Berufe, bei denen Arbeiter:innen der Hitze bekanntermaßen besonders stark ausgesetzt sind. Wie der Bericht zeigt, ist der Anstieg der Zahl der tödlichen Krankenhauseinweisungen während Hitzewellen hauptsächlich auf berufliche Tätigkeiten zurückzuführen.

„Wenn die Umgebungstemperatur 38 Grad Celsius übersteigt, steigt das allgemeine Verletzungsrisiko um 10-15 Prozent“, erklärt Claudia Narocki, die Autorin der Studie.

„Für Berufe, in denen klimatisierte Büros die Ausnahme sind, spiegelt der Hitzestress bereits bestehende soziale Ungleichheiten wider und verstärkt sie noch“, warnt sie.

Hitze ist ein wohlbekanntes Berufsrisiko, insbesondere für Arbeitnehmer:innen in gering qualifizierten Sektoren wie dem Baugewerbe, der Landwirtschaft, der Straßeninstandhaltung und der Gartenarbeit. Andere Kategorien von Beschäftigten, die Hitze ausgesetzt sind, sind in der verarbeitenden Industrie tätig, wo Hitze entsteht oder die Verwendung von warmer Schutzausrüstung erforderlich ist.

„Derzeit leiden viele Arbeitnehmer:innen unter der Untätigkeit der Arbeitgeber:innen, während die Behörden bei extremen Hitzewellen weiterhin die Augen verschließen“, sagte Narocki.

Hitzewellen wie die, die Europa derzeit heimsucht, bergen zahlreiche Gesundheitsrisiken. Länger anhaltende Hitzeeinwirkung kann bestehende Erkrankungen verschlimmern und das Risiko von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen erhöhen.

Die Studie listet eine Reihe von Möglichkeiten auf, wie sich Unternehmen auf den Umgang mit hitzebedingten Risiken vorbereiten können, und fordert die Behörden auf, Hitzestress als Berufsrisiko zu betrachten.

Länder mit niedrigem Einkommen besonders gefährdet

Extreme Temperaturen sind in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden, und es wird erwartet, dass Hitzewellen aufgrund der Auswirkungen der globalen Erwärmung weiter zunehmen werden.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der American Geophysical Union sind Menschen mit niedrigem Einkommen weltweit um 40 Prozent stärker von Hitzewellen bedroht als wohlhabendere Menschen, weil sie sich weniger an die Hitze anpassen können und keinen Zugang zu Klimaanlagen haben.

Bis zum Jahr 2100 werden Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen 23 Tage mehr Hitzewellen pro Jahr erleben als andere, so die Studie. Und die ärmsten 25 Prozent der Weltbevölkerung werden Hitzewellen in gleichem Maße ausgesetzt sein wie der Rest der Bevölkerung zusammen.

In wohlhabenden Ländern sind die am stärksten betroffenen Gruppen diejenigen, die aufgrund ihres Alters, ihrer Gesundheit oder ihres sozioökonomischen Status ohnehin schon benachteiligt sind, so die Europäische Umweltagentur (EUA) in einem kürzlich veröffentlichten Briefing mit dem Titel „Towards just resilience.“

Die Maßnahmen der nationalen Klimapolitik nehmen zwar gefährdete Gruppen in den Blick, doch reicht die praktische Umsetzung noch nicht aus, um bestehende Ungleichheiten zu beseitigen, erklärt die EUA.

Ohne einen gerechten Ansatz könnten Klimaanpassungsmaßnahmen sogar bestehende Ungleichheiten verstärken oder neue schaffen, warnt die Agentur.

Laut der EUA erfordert das „Erreichen einer klimaresistenten Gesellschaft, die niemanden zurücklässt, das Streben nach einer gerechten Verteilung von Nutzen und Lasten der Anpassungsmaßnahmen. Dies bedeutet, dass die bestehenden Ungleichheiten berücksichtigt werden müssen, damit alle die gleichen Chancen und Ergebnisse haben.“

Letztes Jahr stellte die Europäische Kommission eine Strategie zur Anpassung an den Klimawandel vor, die besagt, dass die europäischen Länder „das Schlimmste vermeiden und sich auf das Unvermeidliche vorbereiten“ müssen.

Zu den unvermeidlichen Auswirkungen des Klimawandels gehören laut dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) häufigere Stürme, Überschwemmungen, Dürren, Brände und Hitzewellen.

> Der vollständige Bericht kann hier heruntergeladen werden.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]