Hat auch Dr. Silvana Koch-Mehrin abgeschrieben?

Droht ein neues "Fußnoten-Gate"? Plagiatsjäger sezieren im Internet Silvana Koch-Mehrins Doktorarbeit. An einigen Stellen wurden sie fündig.

Die EU-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin befasste sich in ihrer Doktorarbeit mit der „Lateinischen Münzunion 1865 – 1927“. Foto: EP.
Die EU-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin befasste sich in ihrer Doktorarbeit mit der "Lateinischen Münzunion 1865 – 1927". Foto: EP.

Droht ein neues „Fußnoten-Gate“? Plagiatsjäger sezieren im Internet Silvana Koch-Mehrins Doktorarbeit. An einigen Stellen wurden sie fündig.

Erst stolpert Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über seine akademische Mogelpackung, jetzt steht die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP), im Fadenkreuz von Plagiatsjägern.

"Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: die Lateinische Münzunion 1865 – 1927" lautet der Titel ihrer Doktorarbeit von 2001. Ein "cum laude" – sprich ein Lob – erhielt sie dafür von der Universität Heidelberg. Ob diese Auszeichnung gerechtfertigt ist, untersucht jetzt die Plattform "VroniPlag Wiki".

Aktuell stehen 24 von 227 Seiten der Doktorarbeit Koch-Mehrins unter Plagiatsverdacht. Wie Guttenberg soll die FDP-Politikerin aus anderen Quellen übernommene Passagen nicht korrekt gekennzeichnet haben.

Anders als bei Guttenberg handelt es sich allerdings bislang nur um eher informative Passagen und nicht um Kernthesen der Arbeit.

Beispiel:

Bei Koch-Mehrin heißt es auf Seite 71:

"Für die französische Währung war das Jahr 1851 wesentlich, weil die am Edelmetallmarkt bestehende Relation das dem französischen Doppelwährungssystem zugrunde liegenden Gold/Silber-Wertverhältnis von 1 zu 15 unterschritt."

Der Ökonom Otto Veit schrieb 1969 in seinem Werk "Grundriss der Währungspolitik" auf Seite 391:

"Für die französische Währung ist das Jahr 1851 bedeutungsvoll gewesen, weil in diesem Jahr die am Edelmetallmarkt bestehende Relation das dem französischen Doppelwährungssystem zugrundeliegende Wertverhältnis unterschritt."

Guttenberg bleibt Plagiats-Champion

Die Universität Heidelberg prüft jetzt die Vorwürfe. Koch-Mehrin will sich bislang nicht zu den Anschuldigungen äußern und verweist auf die zuständigen Gremien der Universität.

Die Internetseite "VroniPlag Wiki" befasste sich ursprünglich nur mit der Arbeit von Veronica Saß, Tochter von EU-Bürokratiebekämpfer Edmund Stoiber. Bisheriges Ergebnis in diesem Fall: Saß soll 45 Prozent ihrer Dissertation abgeschrieben haben.

In der Gruppe der Verdächtigen liegt Guttenberg weit vorn. In seiner Arbeit sollen 64 Prozent das geistige Eigentum anderer sein.

ssc