Hamburgs rote Sammelbox – Sensibilisierung für den Umgang mit Rohstoffen
Die EU drängt auf höhere Sammel- und Recyclingquoten für Elektroschrott. In der europäischen Umwelthauptstadt Hamburg wird derzeit ein neues Rücknahmesystem für Altgeräte getestet. Christoph Brellinger (VERE) erklärt auf EURACTIV.de die Idee der "Roten Sammelbox". Riesige Rohstoffreserven lagerten direkt unter den Metropolen dieser Erde, so Brellinger.
Die EU drängt auf höhere Sammel- und Recyclingquoten für Elektroschrott. In der europäischen Umwelthauptstadt Hamburg wird derzeit ein neues Rücknahmesystem für Altgeräte getestet. Christoph Brellinger (VERE) erklärt auf EURACTIV.de die Idee der „Roten Sammelbox“. Riesige Rohstoffreserven lagerten direkt unter den Metropolen dieser Erde, so Brellinger.
Zum Autor
Dipl.-Kfm. Christoph Brellinger leitet die Abteilung Marketing und Kommunikation der take-e-way GmbH, die für kleine und mittelständische Unternehmen die Anforderungen und Pflichten aus dem Elektrogesetz, dem Batteriegesetz und der Verpackungsverordnung übernimmt. Er verantwortet zudem die Verbandskommunikation des VERE e.V., der die Interessen des Mittelstands bei der Umsetzung der WEEE-Richtlinie in Deutschland wahrt. Bei der take-e-way GmbH, die vom VERE-Verband und den Hamburger Entsorgungsverbänden des Handels und des Handwerks gegründet wurde, kann die rote Sammelbox von allen Hamburger Organisationen und Unternehmen kostenlos unter der Telefonnummer 040/219010-65 angefordert werden. Weitere Informationen: www.vereev.de; www.take-e-way.de.
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Das Recycling von Elektrokleingeräten und Energiesparlampen ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Rohstoffsicherung digital vernetzter Industriegesellschaften und der Umweltschonung eine große Herausforderung. Die jüngste Abstimmung des EU-Parlaments zur Novelle der WEEE-Richtlinie indiziert die Verpflichtung des Handels zur Rücknahme von Altgeräten, um die Sammelquoten deutlich zu erhöhen. In Hamburg, der Umwelthauptstadt Europas 2011, startet derzeit das Pilotprojekt einer freiwilligen Rücknahme von Elektrokleingeräten und Energiesparlampen, das eine kostenlose verbrauchernahe Sammlung möglich macht. Das innovative Konzept bietet ein unkompliziertes Recycling für die Bürger der Hansestadt.
Seit China im November 2010 ankündigte, den Export Seltener Erden drastisch zu reduzieren, ist die Bedeutung der Bestandteile elektrischer und elektronischer Geräte in den Medien und damit in den Köpfen der Menschen angekommen. Apokalyptische Anstürme auf Rohstofflieferanten und drastische Preisanstiege von Elektronik sind bislang ausgeblieben. Dennoch sind die aufkommende Elektromobilität und die Zukunft der digitalen Kommunikation freier Bürger ohne jeden Zweifel von den Rohstoffbeständen des gesamten Planeten abhängig.
Deutschland: 140.000 Tonnen Geräte landen im Restmüll
Rohstoffexperten beschwichtigen derweil in der Debatte und erinnern an die Chancen bisher unerschlossener Vorkommen. Dabei lagern riesige Rohstoffreserven direkt unter den Metropolen dieser Erde – verborgen in Elektro- und Elektronikaltgeräten in den Kellern von Technik affinen Bürgern. Die Altgeräte enthalten wertvolle, nicht ersetzbare Materialien, wie zum Beispiel Gold, Silber, Kupfer, Selen, Nickel, Zink, Zinn oder Palladium, die dringend zur Produktion neuester Mobiltelefone, TV-Geräte, Notebooks und anderer Hilfsmittel der digitalen Vernetzung benötigt werden. Sie lagern zum Beispiel allein in zirka 72 Millionen alten Handys, die sich derzeit in privaten Haushalten ansammeln. Größere Elektrogeräte enthalten wahre Materialschätze, die wegen Ihres hohen Gewichts lange darauf warten, in das Recycling zu gelangen.
Der Weg zum Recyclinghof ist nicht zuletzt aufgrund der unattraktiven Öffnungszeiten für die arbeitende Bevölkerung mühselig. Allein in Deutschland landen daher jährlich 140.000 Tonnen Kleingeräte im Restmüll und von dort aus in der Verbrennung, während die Debatte um die Einführung und Gestaltung von Wertstofftonnen für – unter anderem – Elektroaltgeräte weiter anhält.
Wohin mit den Energiesparlampen?
Ähnlich verhält es sich mit den Energiesparlampen. Versagen diese nach vielen Jahren vereinzelt ihren Dienst, landen auch sie häufig im Restmüll. Dass diese Form der Entsorgung nicht erlaubt ist, wissen nur die wenigsten. Die Reise zum Recyclinghof, um eine Energiesparlampe ordnungsgemäß zu entsorgen, trägt sicher nicht zu einer erfreulichen CO2-Bilanz bei.
Pilotprojekt: Rote Sammelboxen in Hamburg
In Hamburg, der Umwelthauptstadt Europas 2011, wird derzeit mit Unterstützung der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt ein Rücknahmesystem etabliert, das sich diesen Problemen annimmt. Betrieben wird das System vom Umweltdienstleister take-e-way, der die Rücknahme freiwillig im Namen seiner Kunden durchführt. Hierzu wurde eigens eine "Rote Sammelbox" entwickelt, in die sowohl Haushaltskleingeräte als auch Energiesparlampen separat voneinander eingelegt werden können.
Präsenz der Sammelbox weckt das Bewusstsein
Die rote Sammelbox kann kostenlos von allen interessierten Hamburger Unternehmen und Organisationen angefordert und verbrauchernah an Plätzen mit hoher Publikumsfrequenz aufgestellt werden. Dazu gehören vor allem Innenbereiche wie zum Beispiel Büroetagen, Handelsgeschäfte, Foyers, Rezeptionen, Empfangshallen und viele andere effektive Sammelorte. Die Bürger Hamburgs können ihre Haushaltskleingeräte und Energiesparlampen einfach von zu Hause mitbringen und sie dort kostenlos einlegen. Umwege und Zeitaufwand lassen sich dadurch einsparen, genauso wie eine weitere Abfalltonne vor den Haustüren. Auch die Abholung der vollen Sammelboxen erfolgt kostenlos. Die Logistik und das Recycling übernimmt der Elektronikrecycler TCMG, der mitten in der Hansestadt eine der modernsten Verwertungsanlagen Europas betreibt, was eine Verwertung auf höchstem Standard garantiert.
Bei größeren oder gewerblichen Mengen können 120- und 240-Liter-Abfalltonnen oder Gitterboxen auf Wunsch angefordert werden. Die rote Sammelbox kann somit von vielen Menschen gleichzeitig genutzt werden. Die Präsenz der Sammelbox weckt das Bewusstsein und erinnert die Bevölkerung dauerhaft an das fachgerechte Recycling von Altgeräten und Lampen.
EU-Verpflichtung ersetzt nicht die Bürgerbeteiligung
Begleitet wird das Projekt von Wanderausstellungen und Medienberichten. Politische Vorstöße hin zu einer Verpflichtung des Handels zur Rücknahme von Altgeräten wie jüngst im Europäischen Parlament zu beobachten, ersetzen nicht das Verständnis der Bürger für eine Teilnahme am Recycling. Projekte wie die Umwelthauptstadt Europas 2011 in Hamburg ermöglichen dagegen die kritische Auseinandersetzung der Verbraucher beim Umgang mit Altgeräten. Die rote Sammelbox wird in der Hansestadt einen entscheidenden Teil dazu beitragen. Denn erst wenn die Bürger beim Kauf eines Neugerätes ihr altes freiwillig abgeben, können Verwertungsquoten von 85 Prozent und mehr erreicht werden. Aufklärung und Sensibilisierung tragen einen großen Teil zu diesem Ziel bei. Dies sind die wichtigsten Aufgaben des neuartigen Rücknahmesystems in Hamburg, die nur durch die rege Teilnahme der dort ansässigen Organisationen, Unternehmen, Medien und Bürger erfüllt und weder durch Gesetze noch durch weitere haushaltsnahe Abfalltonnen erfüllt werden können.
Links
Umwelthauptstadt Hamburg 2011: Internetseite
take-e-way GmbH: Internetseite
Verband zur Rücknahme und Verwertung von Elektro- und Elektronikaltgeräten e. V. (VERE e.V.): Internetseite
Dokumente
EU: Richtlinie 2002/96/EG über Elektro- und Elektronik-Altgeräte (WEEE)
EU-Parlament: Bessere Entsorgung von Elektro- und Elektronikschrott (3. Januar 2011)
EU-Kommission: The Commission calls for action on commodities and raw materials (2. Februar 2011)
EU-Kommission: Mitteilung zur Rohstoff-Strategie COM(2011) 25 (2. Februar 2011)
EU-Kommission: Rohstoffe. Übersicht
EU-Kommission: A resource-efficient Europe – Flagship initiative of the Europe 2020 Strategy (26. Januar 2011)
EU-Kommission: Knappe Ressourcen intelligenter nutzen: Kommission startet Leitinitiative für nachhaltiges Wachstum. Pressemitteilung (26. Januar 2011)
Eurostat: EDCNRP – Raw Material Group – Raw Material Data
Ökoinstitut: Study on Rare Earths and Their Recycling (Januar 2011)
BMWi: Rohstoffstrategie der Bundesregierung (Oktober 2010)
BMWi: Deutschen Rohstoffagentur
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