Habeck kündigt fünftes schwimmendes LNG-Terminal an
Berlin hat ein fünftes schwimmendes Flüssigerdgas-Terminal (LNG-Terminal) in Auftrag gegeben, um die Menge an LNG, die das Land importieren kann, zu erhöhen, was für die Binnennachbarn des Landes ein Segen sein könnte.
Die Bundesregierung hat ein fünftes schwimmendes Flüssigerdgas-Terminal (LNG-Terminal) angekündigt, um die Menge an LNG, die das Land importieren kann, zu erhöhen, was für Deutschlands Binnennachbarn Segen sein könnte.
Im Mai gab die Regierung bekannt, dass sie sich vier dieser umgerüsteten LNG-Tanker gesichert habe. Die umgebauten Schiffe, von denen es weltweit weniger als 70 gibt, können flüssiges fossiles Gas nach der Verschiffung regasifizieren.
Neben den fünf von der deutschen Regierung in Aussicht gestellten Tankern hoffen private Investor:innen einen weiteren in Lubmin zu stationieren, wo die berüchtigten Nord Stream-Pipelines an Land gehen.
„Alle Schritte, die uns so schnell wie möglich aus der Abhängigkeit von russischen Importen befreien, sind in diesen Zeiten notwendiger denn je“, erklärte Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, am Donnerstag (1. September) bei der Vorstellung des Konsortiums, das das neue LNG-Terminal (FSRU) betreiben wird.
Jedes der fünf mobilen LNG-Terminals der Regierung wird in der Lage sein, mindestens 5 Milliarden Kubikmeter (bcm) Gas pro Jahr zu empfangen. Die Einfuhren aus Russland beliefen sich in der Vergangenheit auf rund 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.
Zwei FSRU mit einer Mindestkapazität von jeweils 5 Milliarden Kubikmetern sollen nach Angaben der Regierung noch vor 2023 in Betrieb genommen werden. Man munkelt es handle sich dabei um Oktober oder November 2022. Die anderen drei sollen noch vor dem nächsten Winter die Produktion aufnehmen.
„Wir werden im nächsten Jahr eine andere Situation haben“, versprach Habeck. Es sei „beeindruckend“, die Unabhängigkeit von russischem Gas so schnell zu erreichen, fügte er hinzu und verwies auf die Jahrzehnte, die es dauerte, diese Abhängigkeit aufzubauen.
„Zusammen können die FSRUs allein etwa ein Drittel des derzeitigen Gasbedarfs (Basisjahr 2021 – 90,5 Milliarden) decken“, so das Ministerium in einer Pressemitteilung.
Habeck sprach auch von einem zweiten privaten FSRU, das in Rostock stationiert werden könnte, fügte jedoch hinzu, dass er noch nicht bereit sei, es in die Prognosen der Regierung einzubeziehen und keine weiteren Informationen zu diesem Projekt herauszugeben.
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Wasserstoff-Träume
Das neue FSRU wird von Tree Energy Solutions (TES), einem potenziellen Wasserstoffimporteur, dem deutschen Energieversorgungsunternehmen E.ON und der deutschen Tochtergesellschaft des französischen Energieversorgers Engie betrieben werden.
Dass der Wasserstoffimporteur TES Teil des Konsortiums ist, könnte das neue FSRU für die Grünen und Umweltverbände, die ein Festhalten an fossilen Brennstoffen befürchten, mit Abstand am attraktivsten machen.
Dadurch könnte das Terminal relativ kurzlebig sein, bevor es für den Aufbau der Wasserstoffimportinfrastruktur von TES genutzt wird, die sowohl billiger als auch umweltfreundlicher ist, so Marco Alverà, Geschäftsführer von TES.
TES hofft, im Jahr 2025 mit dem Import von Wasserstoff beginnen zu können, so die deutsche Regierung. Expert:innen stehen den Vorteilen des Wasserstofftransports jedoch weitgehend kritisch gegenüber.
Alveràs Unternehmen hofft, durch die Kombination von Wasserstoff mit CO2 wirtschaftlicher arbeiten zu können, indem es „synthetisches LNG“ herstellt, wie er es nannte, wodurch der Preis von heute 100 Euro pro Megawattstunde in Zukunft auf 40 Euro sinken könnte.
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EU-Interessen
Deutschland war lange Zeit ein zentraler Gaslieferant für Europa, der zunächst aus Russland importierte und dann in andere EU-Länder exportierte. Angesichts schwindender russischer Lieferungen beobachten die Binnenländer – wie Tschechien, Österreich und die Schweiz – jegliche LNG-Entwicklungen mit großem Interesse.
Während des letzten Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz in Prag Ende August bekundete der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala sein Interesse am Erwerb von Kapazitäten an künftigen LNG-Terminals, die Deutschland bauen will.
Die Gaslieferungen aus Deutschland nach Tschechien sind in den letzten Monaten zurückgegangen, von 40 Terawattstunden Gas im März auf 19 Terawattstunden im Juli.
„Wir sind in einem ständigen Austausch mit unseren europäischen Partnern“, erklärte Habeck.
„Aber natürlich ist das Ganze immer eingebettet in die europäische Energiestrategie“, fügte er hinzu.
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Die deutsche und die tschechische Regierung haben eine gemeinsame Erklärung abgegeben, in der sie ihre…
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[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]