„Großen Vier”: Banken sollen Transparenz erhöhen [DE]
Die Staats- und Regierungschefs der vier führenden Industrienationen der EU haben Banken und andere Finanzinstitutionen aufgefordert, Reformen durchzuführen. Täten sie dies nicht, würde ihnen eine erhöhte Regulierung drohen. Um eine Rückkehr des Protektionismus abzuwenden, müsse der Grad des Vertrauens in die Wirtschaft aufrechterhalten werden.
Die Staats- und Regierungschefs der vier führenden Industrienationen der EU haben Banken und andere Finanzinstitutionen aufgefordert, Reformen durchzuführen. Täten sie dies nicht, würde ihnen eine erhöhte Regulierung drohen. Um eine Rückkehr des Protektionismus abzuwenden, müsse der Grad des Vertrauens in die Wirtschaft aufrechterhalten werden.
Der britische Premierminister Gordon Brown hat gestern (29. Januar 2008) den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Bundeskanzlerin Angela Merkel, den italienischen Premierminister Romano Prodi und den Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso in London empfangen. Die Gespräche der „großen Vier“ beinhalteten die anwährenden Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten.
In einem gemeinsamen Kommuniqué riefen die Politiker Rating-Agenturen auf, die Informationen, die sie ihren Kunden anböten, zu verbessern. Sie forderten eine ‚unverzügliche und vollständige Offenlegung’ der Verluste seitens der Banken und anderer Finanzinstitutionen, um weltweite Finanzkrisen besser erkennen zu können.
Sie drohten mit Regulierungsmaßnahmen, falls keine Verbesserungen deutlich würden. Im Kommuniqué heißt es, wenn sich erwiese, dass es Marktteilnehmern nicht gelänge, die Probleme zügig anzugehen oder wenn sie keine Bereitschaft zeigten, sei man bereit, um regulatorische Alternativen zu erwägen.
Sarkozy sagte, wenn man nicht zu Protektionismus zurückkehren wolle, müsse man transparenter werden. Frankreich ist vergangene Woche unsanft wachgerüttelt worden, als klar wurde, dass die Großbank Société Générale aufgrund unerlaubter und vertuschter Spekulationen einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro erlitten hat.
Frankreich ist jedoch nicht das einzige Land, das jüngst von Turbulenzen heimgesucht wurde. Das Vereinigte Königreich musste Northern Rock, dem fünfgrößten Hypothekengeber des Landes, aus der Patsche helfen, nachdem Kunden begonnen hatten, ihre Bareinzahlungen zurückzuziehen. Die deutsche WestLB hat ebenfalls jüngst einen Verlust von etwa einer Milliarde Euro offen gelegt. Grund hierfür waren Fehlspekulationen und die Krise am US-amerikanischen Hypothekenmarkt.
Unterdessen haben die Probleme der amerikanischen Wirtschaft zu Bedenken geführt, dass die amerikanische Rezession auf den Rest der Welt übergreifen könnte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat gestern zum zweiten Mal in weniger als sechs Monaten seine Prognosen gesenkt. Man gehe nun davon aus, dass das Wachstum des Welt-BIP in diesem Jahr 4,1% – ein Rückgang von zuvor 4,4% – erreichen wird.
Die Prognose für die USA liegt nun bei nur 1,5% für das Jahr 2008. IWF-Chefökonom Simon Johnson warnte, dass das Risiko einer Übertragung auf andere Regionen in der Tat bestehe. Er sagte, Berichte, die von einer Abkopplung sprächen, hätten enorm übertrieben. Er verwies diesbezüglich auf die engen Handels- und Finanzverbindungen zwischen der EU und den USA.
Die USA hat sich entschieden, mit einem Konjunkturprogramm auf die Turbulenzen zu reagieren. Dies beinhaltet unter anderem eine Einspritzung von mehreren hundert Milliarden US-Dollar in den Markt und eine drastische Senkung der Zinssätze der Notenbank Federal Reserve. Die EU-Politiker sind jedoch der Meinung, die europäische Wirtschaft sei stark genug, die Krise ohne derartige Eingriffe zu überwinden.
Das gemeinsame Kommuniqué betont, die Fundamente der europäischen Wirtschaft blieben stark, die Beschäftigungszahlen gingen weiter in die Höhe. Daher befinde man sich in einer guten Position, um den Herausforderungen einer zunehmenden globalen Unsicherheit zu begegnen.
Kommissionspräsident Barroso sagte, man könne nicht zufrieden sein, aber man könne zuversichtlich sein. Nun seien Maßnahmen notwendig, die zielgerichtet und angemessen seien. Die EU dürfe sich nicht zu Protektionismus verleiten lassen oder zwecklose Versuche unternehmen, sich gegen die Globalisierung der Finanzmärkte zu wehren, oder eine künstliche Wirtschaftsstimulierung vornehme.
Stattdessen fordert das Dokument den Internationalen Währungsfonds auf, Vorschläge vorzulegen, wie dessen Funktion der wirtschaftlichen Überwachung auf internationaler Ebene gestärkt werden könnte. Er solle ebenso ein besseres „Frühwarnsystem“ entwickeln.